USA Trump-Kandidatin nennt Klimawandel "echtes Risiko für unseren Planeten"

Donald Trump will sie als oberste US-Diplomatin zur Uno schicken - doch Kelly Craft widerspricht ihrem Präsidenten in einem wichtigen Punkt: Sie ruft zum Kampf gegen die Erderwärmung auf.

Kelly Craft: "Der Klimawandel muss angegangen werden"
Kevin Lamarque/Reuters

Kelly Craft: "Der Klimawandel muss angegangen werden"


Die von US-Präsident Donald Trump als Uno-Botschafterin nominierte Kelly Craft hat die Bedeutung des Kampfes gegen den Klimawandel hervorgehoben. "Der Klimawandel muss angegangen werden, da er ein echtes Risiko für unseren Planeten darstellt", sagte Craft bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten.

Über die Einsetzung der 57-Jährigen als Uno-Botschafterin will der US-Senat in den kommenden Wochen entscheiden.

Craft erkannte den menschengemachten Klimawandel an, betonte aber auch, dass politische Schritte nicht auf Kosten von US-Arbeitsplätzen gehen dürften.

Trump hat sich mehrfach skeptisch darüber geäußert, ob es den Klimawandel überhaupt gebe und falls ja, ob er menschengemacht sei. Er hat die USA - einen der größten Verursacher von Treibhausgasen weltweit - aus dem internationalen Pariser Klimaschutzabkommen zurückgezogen. Craft sagte dazu, die USA könnten die Debatte über das Klima trotzdem anführen.

Angesichts ihrer Ehe mit Joe Craft, einem milliardenschweren Geschäftsmann aus der Kohleindustrie, versprach Craft, sich aus Uno-Gesprächen zum Thema Kohle wegen Befangenheit herauszuhalten. Sie würde sich in solchen Fällen vertreten lassen.

Die 57-Jährige witzelte, ihr Ehemann werde wegen ihrer Äußerungen zum Klima vermutlich nach der Anhörung ohne sie nach Hause fahren.

US-Regierung begräbt Obama-Plan für saubere Energie

Dass die US-Regierung nicht wirklich vorhat, Klimaschutz zu betreiben, hat sie allerdings gerade wieder bewiesen: Ein Programm von Trump-Vorgänger Barack Obama zur Reduktion der Treibhausgase aus dem Energiesektor wurde endgültig beerdigt. Der Direktor der US-Umweltbehörde EPA, Andrew Wheeler, präsentierte am Mittwoch ein neues Regelwerk, das wesentlich lockerer ist. Auf zuvor vorgesehene landesweit einheitliche Vorschriften für den Kohlendioxidausstoß von Kraftwerken wird darin verzichtet. Alte Kohlekraftwerke könnten damit länger am Netz bleiben als dies nach dem früheren Plan möglich gewesen wäre.

Trump hat sich eine Renaissance der Kohlebranche auf die Fahne geschrieben. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt kündigte er an, den sogenannten Clean Power Plan (Saubere-Energie-Plan) von 2015 zu annullieren. Wheeler präsentierte dann im August 2018 den Entwurf neuer Richtlinien mit dem Namen "Affordable Clean Energy Rule" (Regeln für bezahlbare saubere Energie). Die Ausarbeitung dieses Regelwerks ist nun abgeschlossen.

Allerdings dürften sie einen harten Gerichtsstreit auslösen. Von den Demokraten kontrollierte Bundesstaaten wollen die neuen Regeln anfechten. Der Streit könnte bis zum Obersten Gericht des Landes gehen. Schon der Plan aus der Obama-Zeit trat nie in Kraft, weil von den Republikanern kontrollierte Staaten juristisch gegen ihn vorgegangen waren.

lie/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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rainbow-warrior999 19.06.2019
1. Ohne jetzt zu früh "Vorschusslorbeeren" geben zu wollen
für eine Trump-Kandidatin ist dieser Satz schon gewagt, weil es dem rechten Mainstream entgegensteht. Na gut, Kelly Graft sagt das bei der Anhörung vor dem Senatsausschuss für Auswärtige Angelegenheiten. Möglich, dass das Unterstützung bringen soll. Wenn sie aber bei der (an und für sich begrüßenswerten!) Haltung bleibt, ist sie vermutlich auch ganz schnell "Enemy of People" oder "Volksverräterin" . Und wahrscheinlich vom POTUS gefeuert. Leider.
sven2016 20.06.2019
2. Multimillionäre, die sich schon vor
der Ernennung in bestimmten Bereichen als finanziell befangen erklären, sind für solche Jobs ungeeignet. Die Entscheidung, ob "kohlerelevant" oder nicht, wird sich nicht immer simpel treffen lassen.
geri&freki 20.06.2019
3. Häretikerin
Und schon ist ihre Karriere zu Ende - noch bevor sie überhaupt begonnen hat!
NorddeutschePflanze 20.06.2019
4. Schöne Worte....
aber wer meint, nach dem Austritt der USA aus dem Klimaabkommen der Meinung zu sein, "die Debatte über das Klima trotzdem anführen (zu können)", hat ja wohl den Schuss nicht gehört. Die Party blöd finden und nach Hause gehen, aber trotzdem bestimmen, welche Musik gespielt wird. Geht's noch?
Revisor 20.06.2019
5. Warum soll eine "Trump-Kandidatin" nicht andere Auffassungen
haben als der Präsident? Stimmen Menschen aus Trumps Einflußbereich mit ihm überein, so werden diese in Presse und Online-Foren von Marionetten dargestellt. Gibt es einen Dissens, so gilt das als Beweis für die Zerstrittenheit des Lagers um den POTUS und die Unglaubwürdigkeit von Trump selbst. Immer, wie man's möchte! Außerdem hat Kelly Craft Folgendes gesagt: ""I believe there are sciences on both sides that are accurate…I think that both sides have their own results from their studies, and I appreciate and I respect both sides of the science." Das ist eine sehr ausgewogenen Einstellung, allerdings keine, die auf selbstständig erarbeitete klimatologische Sachkenntnis schließen läßt. Kelly Craft ist eine Geschäftsfrau, und ihre Klimaansichten sind Ansichten und sonst nichts.
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