Dover Air Force Base US-Militär ging fahrlässig mit Kriegstoten um

Respektvoll sollen sich die Angestellten der Dover Air Force Base um die sterblichen Überreste gefallener US-Soldaten kümmern. Doch laut "Washington Post" war das Gegenteil der Fall: Leichenteile sollen auf dem Stützpunkt verschlampt worden sein. Ermittler sprechen von "grobem Missmanagement".

Mit Respekt: US-Marines tragen einen Sarg über das Gelände der Dover Air Force Base
AP

Mit Respekt: US-Marines tragen einen Sarg über das Gelände der Dover Air Force Base


Berlin - In der Leichenhalle der Dover Air Force Base in Delaware werden die sterblichen Überreste toter US-Soldaten für die Beerdigung hergerichtet. Doch der Respekt vor den Toten - und ihren Hinterbliebenen - bleibt dabei offenbar häufig auf der Strecke.

Die meisten der Soldaten fielen während ihrer Einsätze in Irak und Afghanistan, die Toten werden auf der Dover Air Force Base untersucht, einige sind zunächst wegen entstellender Verletzungen nicht identifizierbar.

Eine Untersuchung des Stützpunktes erbrachte nun das Ergebnis, dass dort "grobes Missmanagement" herrscht. Drei Mitarbeiter hatten laut einem Bericht der "Washington Post" im vergangenen Jahr Beschwerde wegen Fehlverhaltens von Vorgesetzten in 14 Fällen eingereicht. Die Luftwaffe habe daraufhin Ermittlungen eingeleitet.

Der abschließende Bericht, aus dem "Washington Post" und "New York Times" zitieren, offenbart Schockierendes: In der Leichenhalle des Luftwaffenstützpunktes sind demnach Körperteile von Kriegstoten verschlampt worden.

Den Zeitungen zufolge stellten Medizintechniker 2009 bei einer Inventur fest, dass aus einem Kühlschrank des Stützpunktes in Dover der zerschmetterte Fußknöchel eines Kriegstoten verschwunden war. Die Suche sei vergeblich geblieben. In zwei anderen Fällen habe man vermisste Leichenteile an einem falschen Ort wiedergefunden.

Einer anderen Leiche - der Tote war Marinesoldat gewesen - soll ein Arm abgesägt worden sein, ohne dass man zuvor das Einverständnis der Familie eingeholt hätte. Der Mann war im Januar 2010 durch eine Bombe am Straßenrand in Afghanistan ums Leben gekommen. Obwohl sein Körper bis zur Taille komplett zertrümmert war, bat die Familie darum, ihn in seiner Uniform zu beerdigen.

Doch die Leichenbestatter konnten diesem Wunsch nicht ohne Weiteres nachkommen: Ein Teil des linken Armes des Toten stand in einem 90-Grad-Winkel vom Körper ab und konnte nicht in die Uniform gezwängt werden. Der mittlerweile degradierte ehemalige Kommandeur der Leichenhalle, Trevor R. "Randy" K., ordnete daraufhin an, den Arm abzusägen und ihn in einer Tüte mit in den Sarg zu legen. Auf Einwände von Mitarbeitern sei nicht eingegangen worden.

Dieses Verhalten widerspreche den "hohen Standards" im Bestattungswesen, urteilten jetzt die Ermittler. Drei höherrangige Mitarbeiter, darunter K., seien disziplinarisch belangt, aber nicht gefeuert worden. Der Generalinspekteur der Luftwaffe und die Luftwaffe selbst hätten zwar "grobes Missmanagement" festgestellt, aber kein kriminelles Fehlverhalten.

lgr/AP/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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vogel0815 09.11.2011
1. Leichen
Niemand kümmert sich gerne um Leichenteile... Eine verständliche Schlamperade.
HansOch 09.11.2011
2. Rituale
die Toten merken nichts mehr davon. Das Dumme ist, die könnten wohl alle noch leben... Ich würde es gut finden, wenn Politiker, die recht grosszügig über Menschenleben entscheiden, da regelmässig hospitieren würden, die Konsequenzen ihres Handelns fühlen lernen. Und - es sind nicht nur die eigenen Jung´s und Mädchen, nein, im grösseren Massstab .... Im engeren Sinne ist natürlich zu fragen, ob die Mitarbeiter da abgestumpft sind, zuviel Not und Elend haben sehen müssen.....
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