Drama in Marokko Spanien hat mit Flüchtlings-Abschiebung begonnen
Melilla - Wie aus Polizeikreisen in Madrid verlautete, wurde eine Gruppe von 70 illegalen Einwanderern von Melilla per Flugzeug nach Málaga und von dort über den südspanischen Hafen Algeciras mit einem Schiff in die marokkanische Hafenstadt Tanger gebracht. Die Abgeschobenen stammten aus Mali und anderen Ländern der Sahelzone. Sie waren in den vergangenen Tagen von Marokko aus über die Grenze in die zu Spanien gehörende Stadt Melilla gestürmt.
Marokko hatte sich am Mittwoch bereit erklärt, im Rahmen einer Sonderregelung Flüchtlingen aus Drittstaaten die Einreise zu gestatten, sofern diese aus dem nordafrikanischen Staat illegal nach Spanien eingedrungen waren.
Tote bei erneutem Ansturm auf Melilla
Bei einem erneuten Ansturm auf die spanische Exklave Melilla hatten marokkanische Sicherheitskräfte das Feuer eröffnet, als etwa 400 Afrikaner gewaltsam nach Melilla eindringen wollten, berichtete die Nachrichtenagentur Map. Die Flüchtlinge hätten die Sicherheitskräfte angegriffen, die daraufhin zur Selbstverteidigung geschossen hätten, hieß es unter Berufung auf den Gouverneur der Provinz Nador, Abdellah Bendhiba.
Es war der sechste Ansturm auf die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta binnen einer Woche. In der Hoffnung auf ein besseres Leben versuchten die Afrikaner, den Stacheldrahtzaun an mehreren Stellen zu überwinden. Sechs von ihnen kamen dabei ums Leben, etwa 265 Personen wurden von der marokkanischen Polizei festgenommen.
Mit Massenabschiebungen will Spanien den Ansturm der Flüchtlinge unter Kontrolle bekommen. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte, das Wohlstandsgefälle zwischen Spanien und Marokko sei weltweit eines der größten zwischen zwei Nachbarländern. Die EU müsse ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Afrika verstärken - aus humanitären und aus Sicherheitsgründen.
Spanien und Marokko arbeiteten an einer Sonderregelung, um die Abschiebung zu ermöglichen. Grundlage ist laut der Regierung in Madrid ein Abkommen mit Marokko aus dem Jahr 1992, das Spanien zur Rückführung von Flüchtlingen berechtigt, die das nordafrikanische Land auf ihrer Flucht durchquerrt haben. Marokko hatte sich bislang geweigert, Flüchtlinge ohne marokkanische Staatsbürgerschaft wieder aufzunehmen. Wie viele Menschen von der Abschiebung betroffen sein werden, war zunächst noch unbekannt. Früheren Regierungsangaben zufolge sollen alle etwa 700 in die Exklaven eingedrungenen Afrikaner nach Marokko abgeschoben worden. Die Herkunftsländer der Flüchtlinge weigern sich, diese wieder aufzunehmen, da sie zumeist kein Repatriierungsabkommen mit Spanien abgeschlossen haben.
Die Ankündigung von Abschiebungen rief Schrecken unter den rund 700 Flüchtlingen hervor, die in der vergangenen Woche in die Enklaven eingedrungen waren. "Einige Männer hier sagen, dass sie lieber sterben würden, als zurück nach Marokko zu gehen", sagte der 25 Jahre alte Patrick Houta. "Die andere Seite ist einfach der Tod."
Erst gestern hatten rund 500 verzweifelte Flüchtlinge aus Afrika zum wiederholten Male eine Massenflucht nach Melilla versucht. Von ihnen schafften es nur etwa 65 über die bis zu sechs Meter hohen Sperranlagen. Viele Flüchtlinge haben monatelang in marokkanischen Wäldern ausgeharrt, bis sie die Grenzanlagen überqueren konnten. Sie fürchten schwere Repressalien bei einer Rückkehr in ihre Heimat.
Daniel Woolls, AP