Dramatisches Video Islamisten führen verschleppten Journalisten mit Sprengstoffgürtel vor

Dramatischer Appell des im Gaza-Streifen entführten BBC-Journalisten Alan Johnston: In einem von seinen islamistischen Kidnappern veröffentlichten Video fleht der Brite, von gewaltsamen Befreiungsversuchen abzusehen. Die Aufnahmen zeigen den Reporter mit einem Sprengstoffgürtel.


Gaza/Dubai/Washington - Es ist zwar ein neues Lebenszeichen, aber keines, das Grund zur Beruhigung gibt. Die Entführer des im Gaza-Streifen verschleppten britischen Journalisten Alan Johnston haben ein neues Video ins Internet gestellt. In einem dramatischen Appell warnt der BBC-Korrespondent darin vor gewaltsamen Befreiungsversuchen.

Verschleppter BBC-Korrespondent Johnston mit Sprengstoffgürtel: Dramatischer Appell

Verschleppter BBC-Korrespondent Johnston mit Sprengstoffgürtel: Dramatischer Appell

Er müsse einen Sprengstoffgürtel tragen, den seine Entführer bei einer Befreiungsaktion zur Explosion brächten, sagte Johnston in einem Video, das am Sonntag veröffentlicht wurde. Die Situation sei "sehr ernst". Auf den Aufnahmen ist Johnston in einem roten langärmligen Hemd mit einer Art Weste zu sehen, an der möglicherweise Sprengladungen befestigt sind.

Das gut eineinhalb Minuten lange Video liegt SPIEGEL ONLINE vor, es wurde auf einer einschlägigen Website veröffentlicht. Er appelliere an die Hamas und an die britische Regierung, keine Gewalt anzuwenden, um die Geiselnahme zu beenden, sagte der sichtlich nervöse Johnston.

Die Entführer drohten damit, sein Versteck in eine "Todeszone" zu verwandeln, wenn der Versuch einer gewaltsamen Befreiung unternommen werde. Die BBC und die britische Öffentlichkeit sollten daher seinen Appell unterstützen, "nicht auf die Taktik der Gewalt zu verfallen", um seine Geiselhaft zu beenden, sagte Johnston.

Johnston ist seit dem 12. März in der Hand der Extremisten-Gruppe "Armee des Islams", die von Großbritannien eine Freilassung muslimischer Gefangener fordert. Die radikal-islamische Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, hatte vor einer Woche ultimativ die Freilassung des BBC-Journalisten gefordert und mit dessen gewaltsamen Befreiung gedroht.

Der als Ministerpräsident abgesetzte Hamas-Politiker Ismail Hanija verurteilte die Entführung Johnstons. Sie schade den palästinensischen Interessen, sagte Hanija am Sonntagabend und erwähnte auch das jüngste Video. "Wir werden es nicht hinnehmen, dass seine Gefangenschaft weiter andauert", sagte Hanija.

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri warf der palästinensischen Autonomiebehörde vor, Bemühungen der Hamas um Johnstons Freilassung zu behindern. Es gebe Versuche, die "großen Erfolge der Hamas im Hinblick auf eine Wiederherstellung der Ruhe auf den Straßen von Gaza und die Auswirkungen der Hamas-Bemühungen zur Befreiung des Journalisten Johnston zu sabotieren", erklärte er. Mitarbeiter der Autonomiebehörde würden von Ramallah im Westjordanland daran arbeiten, Johnstons Geiselhaft zu verlängern. "Es gab Kontakte über besondere Kanäle aus Ramallah zu den Entführern", versicherte Suhri. Der palästinensische Geheimdienstchef Taufik Tirawi wies die Vorwürfe zurück.

phw/AP/Reuters/AFP



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