Drastischer Sparkurs Pentagon streicht mehrere tausend Stellen

Das US-Militär muss sich umgewöhnen - und sparen. Angesichts der Wirtschaftskrise und der Kosten für die Einsätze in Afghanistan und Irak hat Verteidigungsminister Gates einen Stellenabbau angekündigt. Auch die Aufträge an externe Dienstleister sollen eingeschränkt werden.

Verteidigungsminister Gates: Externe Dienstleistungen um insgesamt ein Drittel kürzen
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Verteidigungsminister Gates: Externe Dienstleistungen um insgesamt ein Drittel kürzen


Washington - Robert Gates macht ernst: Wegen anhaltender Sparzwänge will der US-Verteidigungsminister die Strukturen der Streitkräfte verschlanken und die Vergabe von externen Aufträgen einschränken.

Eines der bislang zehn Kommandos, das Joint Forces Command, solle ganz abgeschafft werden, sagte Gates am Montag in Washington. Das in Virginia ansässige Kommando, das Einsätze unterschiedlicher Militäreinheiten koordiniert, hat ein Jahresbudget von 240 Millionen Dollar (etwa 182 Millionen Euro). Für das Kommando arbeiten 2800 militärische und zivile Angestellte sowie 3000 Dienstleister.

Insgesamt solle das Pentagon die Ausgaben für Aufträge an externe Dienstleister um jeweils zehn Proozent für die kommenden drei Jahre senken, kündigte Gates an. Das betreffe auch Aufgaben der militärischen Aufklärung. Die Zahl der Beschäftigten im Pentagon selbst und in den Hauptquartieren der Teilstreitkräfte solle eingefroren werden.

Durch die zunehmende Privatisierung von Verteidigungsausgaben seien die Streitkräfte "übermäßig abhängig" von externen Dienstleistern geworden, kritisierte Gates. Die US-Armee setzt private Dienstleister etwa für Transport und Verpflegung, zunehmend aber auch für Sicherheitsaufgaben ein.

Angesichts der strengen fiskalischen Vorgaben und der Kosten der Einsätze in Afghanistan und dem Irak will Gates innerhalb der nächsten beiden Jahre auch 50 Generals- und Admiralsränge sowie 150 hohe zivile Posten einsparen.

"Die Angewohnheit, hemmungslos Geld auszugeben, muss durch eine Kultur des Sparens und der Einschränkungen ersetzt werden", sagte Gates bei einer Pressekonferenz im Pentagon. "Ich werde die Art und Weise, wie dieses Ministerium lange Zeit gearbeitet hat, ändern."

Demokraten sehen "keine rationale Basis" für Gates' Sparpläne

Gates' Pläne stießen bei den Republikanern auf Skepsis. "Letzten Endes muss Minister Gates und sein Team das Komitee davon überzeugen, dass seine Pläne nicht die Sicherheit unseres Landes schwächen", sagte der ranghöchste Oppositionsvertreter im Streitkräfteausschuss, Howard McKeon.

Aber auch von den Demokraten kam Kritik: Senator Mark Warner sagte, er könne "keine rationale Basis" dafür sehen, das Joint Forces Command zu streichen.

Bereits im Juni hatte Gates angekündigt, in den kommenden fünf Jahren etwa 100 Milliarden Dollar einsparen zu wollen. Der Minister hatte sich wiederholt als Kritiker der rasch steigenden Militärausgaben hervorgetan.

Im Haushaltsentwurf für das Budgetjahr sind rund 700 Milliarden Dollar für den Wehretat vorgesehen, etwas mehr als im laufenden Haushalt. Seit 2001 hat sich der Verteidigungshaushalt mehr als verdoppelt. Die entsprechenden Ausgaben der USA machen 40 Prozent der weltweiten Ausgaben für Verteidigung aus.

luk/AFP/AP



insgesamt 9 Beiträge
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wika 10.08.2010
1. Ich hätte das Gegenteil erwartet…
… eine weitere Privatisierung der Kriege, die man gegen entsprechend honorige Lizenzgebühren hätte vergeben können. Klingt zurecht polemisch, aber dies wäre doch der richtigere Weg für die aktuellen Eroberungsfeldzüge. Ich wäre mir sicher, dass diverse Ölkonzerne diesen Weg mitgegangen wären, denn egal wohin man sieht, kommt es einem vor, als seinen die Gründe für die Kriege nur vorgeschoben. Je nach Interessenlage würden sich für jeden Krieg genügend Sponsoren finden lassen. Man müsste nur ehrlicher an die Sache herangehen und sich nicht so sehr bemühen die Ziele zu verschleiern. Dabei scheint die Angst im Vordergrund zu stehen in jedweder Weise entlarvt zu werden. Völlig unbegründet diese Befürchtung, die meisten Menschen wissen schon worum es geht, müssen leider nur hilflos dabei zusehen. Aber allein die Tatsache, die Kriege auch unter derart wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten ist ja schon Polemik pur, da kann ich den Bericht des SPON dazu wohl kaum noch überbieten. Es sei denn, dass man ergänzend auf einen ebenso pfiffigen Bericht zur *modernen Kriegsführung* (http://qpress.de/2010/07/02/moderne-kriegsfuhrung/) verweist. Darin sind noch einige Tipps enthalten, die in die Richtung gehen an teurem High-Tech Schlacht-Gerät zu sparen und stattdessen zum konventionellen Schädelspalten zurückzukehren. Wie dem auch sei, ich finde die derzeit stattfindenden Kriege überaus abartig und zutiefst verachtenswert, egal für welche vermeintlichen Werte dabei die Jungs an die Front geschickt werden.
cara-vans 10.08.2010
2. Sparen beim US-Militär?
Eine völlig neue Situation für die Amerikaner. Sparen müssen - und das auch noch bei den Ausgaben fürs Militär? Man darf gespannt sein...
Sapientia 10.08.2010
3. Was sagt uns das?
Zitat von sysopDas US-Militär muss sich umgewöhnen - und sparen. Angesichts der Wirtschaftskrise und der Kosten für die Einsätze in Afghanistan und Irak hat Verteidigungsminister Gates einen Stellenabbau und die Einschränkung von Aufträgen an externe Dienstleister angekündigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710992,00.html
Dann dürfen wir das auch.
haltetdendieb 10.08.2010
4. Das muss man alles dialektisch seh'n!
Dafür schaffen die Taliban 5000 neue Stellen in Afghanistan, das Gedl haben sie ja aus Brüssel und Washington erhalten, die "Moderaten Taliban". Also, wie es schon Goethe sgte: "Nichts geht verloren!"
heinrichp 10.08.2010
5. Wie man den Feind besiegt
Zitat von sysopDas US-Militär muss sich umgewöhnen - und sparen. Angesichts der Wirtschaftskrise und der Kosten für die Einsätze in Afghanistan und Irak hat Verteidigungsminister Gates einen Stellenabbau und die Einschränkung von Aufträgen an externe Dienstleister angekündigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,710992,00.html
So wird Amerika nun gezwungen mit all den Kriegen aufzuhören, noch besser wäre ein totaler Zusammenbruch der Systeme. Keiner sollte meinen er wäre der Größte, es gibt Kräfte die wirken im Verborgenen. Denn im Bereich der schieren Gewalt gilt unser grundlegendes Prinzip: Jede tiefer wir in die feineren Wirkungsmechanismen der Natur vordringen, desto leichter lassen sich Veränderungen auf den groben Ebenen der Materie herbeiführen. Konkret gesagt: Grobe Waffen lassen sich mit feineren Strategien besiegen; und feinere Methoden als Gewalt können Waffen an sich zum Schweigen bringen. Beispiele dafür gibt es in der Geschichte genug. Im alten Testament schon hat David – ein Fliegengewicht, das kaum zum Rekruten taugte –, den zwei bis drei Mal so schweren, muskelbepackten Superschwergewichtskämpfer Goliath mühelos zu Fall gebracht. Wie? Indem er statt Muskeln und Schwert seine Kreativität und Fein-(!)Motorik eingesetzt hat. In der griechischen Mythologie überwand eine einfache List die unbezwingbaren Mauern Trojas. Und 2000 Jahre später sagte Napoleon voraus, dass das Wort das Schwert besiegen werde. Er behielt Recht: Nicht seine Armeen ließen Europa zusammenwachsen; sie wurden von Väterchen Frost besiegt, traten einen schmachvollen Rückzug an und ließen verhärtete politische Fronten zurück. Erst Fortschritte in Bildung und Information halfen später, die Grenzen der Nationalstaaten wieder aufzuweichen. Auch das Atomzeitalter kennt solche Beispiele. Immer wieder erleben wir es, dass Partisanen mit leichten Waffen eine hoch gerüstete Armee in Schach halten. Im Kalten Krieg hat die Angst der Politiker – oder ihre Liebe zum Leben – verhindert, dass die Supermächte ihre Atombomben tatsächlich einsetzten. Und vor dem gewaltlosen Widerstand des indischen Volkes unter Gandhi kapitulierte die britische Kolonialmacht. Die sanfte Kraft der Liebe Wir sehen: Selbst auf dem gröbsten Feld des menschlichen Zusammenlebens, dem Feld der Gewalt und der militärischen Macht, gilt das Prinzip, dass das Feinere dem Gröberen an Wert und Wirksamkeit überlegen ist. Die Hoffnung der Welt ruht auf einer einfachen Tatsache: Worte und Gedanken können Armeen besiegen, weil sie auf einer tieferen Ebene wirken als körperliche Gewalt. Weil sie mehr Menschen wirksamer erreichen, als eine Waffe es kann. Und wenn Worte nicht reichen, um einen Gegner zu überzeugen? Dann müssen wir noch eine Ebene tiefer gehen. Um einen anderen Menschen friedvoll zu stimmen – um seine Gedanken, seine Weltanschauung nachhaltig zu verändern –, müssen wir sein Herz berühren. Und das tun wir mit dem zartesten aller Gefühle: mit der Liebe. Mit ihr bereiten wir den Boden, auf dem Logik und intellektuelle Annäherung überhaupt erst gedeihen können. http://die-welt-der-reichen.over-blog.de/pages/Wie_man_den_Feind_besiegt-823638.html
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