Drei Tote Lynchjustiz in Kenia

Angestachelt durch den Aufruf eines Ministers greift in Kenia die Selbstjustiz um sich. Ein aufgebrachter Mob hat in Nairobi mindestens drei Menschen gesteinigt.


Nairobi - Über vier Stunden sei eine Menge wütender Menschen durch ein Slumgebiet in der Hauptstadt gejagt, um die Mörder von drei Mädchen ausfindig zu machen, deren Leichen vor einer Woche entdeckt worden waren, meldet die Zeitung "Daily Nation". Nur mit Mühe konnte die Polizei verhindern, dass 2000 Menschen eine Wache stürmten, in der sich angeblich ein Kinderschänder befand.

Am Montag hatte Kenias Umweltminister Francis Nyenze die Bürger zur Selbstjustiz aufgefordert. Die Menschen seien des Terrors müde. "Wie lange noch soll die Bevölkerung in Angst leben", fragte Nyenze. "Wir werden die Kriminellen wie Rotwild jagen und dann in der Öffentlichkeit lynchen."

Die Reaktion auf den Appell ließ nicht lange auf sich warten. Nur einen Tag später eskalierte die Stimmung und die Menschenjagd begann. "Wir können der Polizei nicht vertrauen", glaubt Julius Savakji, der im Kangemi-Slum wohnt, wo rund 500.000 Menschen leben müssen. Dort wie in anderen Elendsgebieten patrouillieren Freiwillige statt Polizisten des Nachts, um Diebstahl, Raub oder Schlimmeres zu verhindern. "Wir sind immer zwischen 10 und 20 Männer. Einige haben Buschmesser bei sich. Wenn die Diebe weniger sind als wir, dann haben wir sie. Gefackelt wird nicht lange."

Andere Slumbewohner berichten, dass häufig die unterbezahlten Polizisten gemeinsame Sache mit Bandenmitgliedern machen. "Die Gangster bekommen sogar manchmal die Waffen von der Polizei", berichten sie.



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