Ex-Drohnenpilot Whistleblower Bryant möchte politisches Asyl in Berlin

Brandon Bryant hatte über die Bedeutung der Militärbasis Ramstein für den US-Drohnenkrieg ausgepackt - und damit auch die Regierung Merkel unter Druck gesetzt. Nun will der Ex-Pilot offenbar in Deutschland unterkommen.
Ex-Drohnenpilot Bryant: Der 29-Jährige lebt derzeit in Norwegen

Ex-Drohnenpilot Bryant: Der 29-Jährige lebt derzeit in Norwegen

Foto: Uli Deck/ picture alliance / dpa

Fünf Jahre lang steuerte Brandon Bryant als US-Soldat Kampfdrohnen von den USA aus - bis er die Arbeit schmiss und öffentlich Details dazu verriet. Seitdem ist Bryant auf der Flucht. Die könnte nun in Berlin enden, wenn es nach dem Ex-Piloten geht: In der deutschen Hauptstadt möchte er gerne politisches Asyl bekommen, sagte der Amerikaner der Wochenzeitung "Zeit" laut Vorabbericht.

Der 29-Jährige erklärte demnach: "Ich mag die Community in Berlin, ich fühle mich hier sicher und brauche Verbündete." Bei seinen bisherigen Berlin-Besuchen habe er viele Gleichgesinnte getroffen. Er habe seit seiner Flucht aus den USA "den Boden unter den Füßen verloren", sagte Bryant. "Ich habe kein Zuhause mehr."

Im April dieses Jahres enthüllte der SPIEGEL, dass ein zentraler wie umstrittener Part der US-Kriegsführung tatsächlich in Deutschland stattfindet. Bryant hatte bereits 2013 über die Rolle Ramsteins als zentraler Datenknotenpunkt gesprochen. So habe er sich vor jeder Mission aus der Ferne in Ramstein vergewissern müssen, ob die Kommunikation stabil sei. Im Oktober sagte er als Zeuge im NSA-Untersuchungsausschuss in Berlin aus.

Fotostrecke

SPIEGEL-Enthüllungen: Bundesregierung bestreitet Ramstein-Vorwürfe

Foto: Eric Gay/ AP

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte nach dem SPIEGEL-Bericht erklärt, man habe von der US-Regierung eine Versicherung erhalten, "dass von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland aus Einsätze bewaffneter ferngesteuerter Luftfahrzeuge weder geflogen noch befehligt werden". "Anderslautende Erkenntnisse" lägen der Regierung nicht vor.

Bryant hält sich dieser Tage auf Einladung des Nobel-Friedenszentrums in Norwegen auf. Vor zwei Jahren hatte bereits der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der durch seine Enthüllungen über die Spähprogramme des Geheimdienstes NSA bekannt geworden war, in Deutschland Asyl beantragt. Die deutschen Behörden lehnten sein Asylgesuch jedoch ab.

vks/AFP
Mehr lesen über Verwandte Artikel