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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick

Foto: USAF

Drohnen-Piloten im Einsatz Krieg per Knopfdruck

Drohnen-Piloten sitzen in klimatisierten Räumen weit weg von den Anti-Terror-Kriegen in Afghanistan und Irak. Sie steuern ihr Waffensystem per Joystick und Monitor. Die Fernkrieger arbeiten mit großer Präzision - und zu einem Bruchteil der Kosten, die ein Kampfjet verursacht.

"Zielperson hat Gebäude betreten", meldet die Stimme. "Verstanden", antwortet die Frau. "Von Sensoren bestätigt." Sie sitzt vor einer Computertastatur mit fünf Monitoren, ihre Hände umfassen zwei Joysticks. Neben ihr sitzt ein Mann vor einer ähnlichen Anordnung. "Acht Raketen und zwei Bomben auf zwei Predators", sagt er. "Waffen bereit."

Der Hauptmonitor zeigt das Luftbild einer Straße, live und aus einiger Höhe. Zwei Personen sind erkennbar, sie kommen aus einem Haus, setzen sich in einen Truck und fahren los, verfolgt vom Fadenkreuz auf dem Schirm. "Drei, zwei, eins", zählt der Mann und drückt einen roten Knopf. "Einschlag." Der Wagen verschwindet. Eine Explosionswolke steigt auf. "Exzellente Arbeit", sagt der Mann.

Drohne

Die Mission dauert zwei Minuten - ein "enemy target kill" des US-Militärs gegen einen gesichtslosen Feind, vollzogen mit einer ferngesteuerten - im Fachjargon "unmanned aerial vehicle" (UAV) oder "Remote Piloted Aircraft" (RPA) genannt. Das Demo-Video (siehe unten) zeigt die Sicht der Bodenstation in den USA, am anderen Ende der Welt, wo der Pilot und der "Sensor-Bediener" sitzen, in diesem Fall eine Frau. Das Ganze sieht aus wie ein Computerspiel, nur ohne Geräuscheffekte.

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Taliban

Doch natürlich ist es kein Spiel. Der Einsatz von Drohnen im Kampf gegen al-Qaida und ist ein virtueller Krieg, bei dem sich die Krieger die Finger nicht schmutzig machen müssen - der aber an der Front kaum minder tödliche Folgen hat. "Dies ist viel mehr als eine Evolution", sagt der Kriegsexperte Peter Singer im SPIEGEL-ONLINE-Interview. "Es ist eine Revolution."

Zwischen Pilot und Drohne liegen 11.000 Kilometer

"Wir stehen erst am Anfang", sagt auch Linden Prause Blue, der zuständige Abteilungschef des Rüstungs- und Technologiekonzerns General Atomics, der die Top-Drohnen-Modelle Predator und Reaper baut, zu SPIEGEL ONLINE. "Im nächsten Jahrzehnt wird die Öffentlichkeit noch enorme Entwicklungen sehen."

CIA

Das US-Drohnen-Programm hat zwei Komponenten und zwei Kommandozentralen. Die -Drohnen-Flieger sitzen an der Ostküste, in den Katakomben der CIA-Zentrale in Langley, einem Vorort Washingtons - 11.000 Kilometer von Kabul entfernt. Die Drohnen-Flieger des US-Militärs sind auf dem Luftwaffenstützpunkt Creech in der Wüste Nevadas stationiert, eine knappe Autostunde nordwestlich von Las Vegas.

In beiden Fällen sehen die Kontrollzentren ähnlich aus - sterile, abgeschottete Computerräume. Die Mitglieder des 42nd Attack Squadron der Air Force, die die Afghanistan-Drohnen steuern und überwiegend in Las Vegas wohnen, nennen sich selbst "Gefechtspendler": Nach dem verrichteten Kriegsdienst fahren sie heim.

"Morgens fährst du mit der Fahrgemeinschaft oder dem Bus in die Arbeit, du fliegst eine Acht-Stunden-Schicht, und dann fährst du wieder nach Hause", sagt Luftwaffen-Major Bryan Callahan SPIEGEL-ONLINE-Interview. Callahan, der vier Jahre lang von Nevada aus Drohnen steuerte und jetzt in Langley für alle Drohnen-Einsätze der Air Force weltweit mitverantwortlich zeichnet, ist sich dieser etwas bizarren Situation durchaus bewusst. "Ich lese morgens meine E-Mails, hetze zum Flugzeug. Dann bin ich fertig, gehe in den Laden, hole mir einen Hamburger, lese noch ein paar E-Mails und fahre heim."

Beim Drohnen-Flug gelten dieselben Regeln wie im Kampfjet

Die Fernkrieger, die seit 2006 in Nevada stationiert sind, arbeiten stets in Zweiergruppen. Links an der Computerstation sitzt der Pilot. Er steuert die Drohne und schießt die Waffen ab. Rechts sitzt der "Sensor-Bediener". Er kontrolliert die visuelle Überwachung, kann mit den Kameras zoomen und Infrarot- und andere Strahlen sichtbar machen.

Das Duo steht in ständigem Funkkontakt mit dem Combined Air Operations Center (CAOC) des US-Zentralkommandos in Katar, über das die Bodentruppen den Drohneneinsatz anfordern, und dem US-Stützpunkt Kandahar im Süden Afghanistans, wo viele der UAVs starten und landen. Die Einsätze verlaufen nach denselben Verhaltensregeln wie alle Kämpfe auf dem Schlachtfeld, mit dem Ziel, zivile Opfer zu vermeiden - zumindest auf dem Papier.

Trotz ihrer Distanz fühlen sich Drohnen-Piloten, als seien sie mit an der Front. "Das geht dir alles näher, als du denkst, auch wenn du in Nevada bist", sagt Callahan. "Es ist kein Videospiel."

Die neue Technologie, schreibt Singer, sei zwar "verführerisch", da sie die Illusion erwecke, der Krieg sei sauber. Doch sie reiße dennoch psychologische Wunden, warnte die frühere CIA-Anwältin Vicki Divoll im "New Yorker": "Mechanisiertes Töten ist trotzdem Töten."

Der Großteil der militärischen US-Drohnen-Flüge dient - im Gegensatz zu den CIA-Drohnen - nach Darstellung des Pentagons der reinen Überwachung, Logistikunterstützung und Datensammlung. "Die wahre Stärke dahinter ist der Video-Link und die enorme Fähigkeit, Daten ins System einzuspeisen", sagte Generalmajor Stephen Mueller, der Lufteinsatzchef der Air Force in Kabul, der "New York Times". Demnach produzieren die beiden gängigsten Drohnen-Modelle Predator und Reaper inzwischen täglich mehr als 400 Stunden Video.

2010 wollen die USA 3,5 Milliarden Dollar in Drohnen investieren

Ein einziges Drohnen-System besteht aus vier Fluggeräten, einer Bodenstation, einem Satellitenlink und Wartungscrews am Abschussort, um die Drohnen rund um die Uhr betriebsbereit zu halten. Trotzdem ist es billiger als ein Kampfjet - ein Predator-System kostet 20 Millionen Dollar, ein Reaper-System 53 Millionen Dollar.

Drohnen-Boom

Vom profitiert auch die Rüstungsindustrie. Im US-Verteidigungshaushalt für 2010 sind allein rund 3,5 Milliarden Dollar für UAVs eingeplant. Dieses Geld teilt sich eine kleine Gruppe hochspezialisierter Firmen. Darunter: die Boeing-Tochter Insitu und General Atomics aus San Diego, das gerade an einem brandneuen Drohnen-Prototyp arbeitet. Die Branche, sagte Insitu-Chef Steven Sliwa dem "Wall Street Journal" kürzlich, befinde sich in einer ähnlich beneidenswerten Position "wie die Luftfahrtindustrie im Zweiten Weltkrieg".

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