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01. November 2013, 17:56 Uhr

Pakistan

US-Drohnenangriff trifft offenbar Top-Taliban Mehsud

Bei einer Drohnenattacke im Norden Pakistans sind mehrere Menschen getötet worden. Eins der Opfer ist womöglich der Anführer der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, einer der meistgesuchten Terroristen des Landes.

Islamabad - Bei einem Drohnenangriff im Norden Pakistans haben die USA offenbar den hochrangigen Taliban Hakimullah Mehsud getötet. Offizielle Bestätigungen gibt es dafür allerdings noch nicht, wenngleich sich mehrere Nachrichtenagenturen auf Quellen aus dem pakistanischen Militär, den Geheimdiensten und auf Sprecher der Taliban berufen. Bisher hat aber weder die pakistanische Regierung noch die US-Regierung sich offiziell geäußert. Mehsud wurde aber bereits mehrfach für tot erklärt, was sich später als offensichtlich unrichtig herausstellte. Ein Regierungssprecher sagte SPIEGEL ONLINE denn auch, er könne die Meldung von Tod Mehsuds nicht bestätigen.

Mehsud ist der Anführer der pakistanischen Terrororganisation Tehrik-i-Taliban Pakistan und steht auf einer speziellen Terroristenliste des Weißen Hauses. Für seine Ergreifung haben die USA eine Belohnung von fünf Millionen Dollar ausgesetzt.

Namentlich nicht genannten Sicherheitskräften zufolge feuerte das unbemannte Kampfflugzeug zwei Raketen auf ein Fahrzeug ab, das in einer Taliban-Anlage in Nord-Waziristan nahe der afghanischen Grenze stand. Bei dem Angriff wurden mindestens drei Menschen getötet.

Über die Identität der weiteren Opfer gibt es widersprüchliche Angaben: Die Nachrichtenagentur dpa meldet, es seien weitere hochrangige Taliban-Führer getötet worden. Reuters zitiert dagegen Geheimdienstkreise, nach denen Mehsuds Fahrer und sein Bodyguard getötet worden sein sollen.

Mehsud hatte 2009 die Führung der Organisation übernommen, nachdem der bisherige Anführer Baitullah Mehsud ebenfalls bei einem Drohnenangriff getötet worden war. Die pakistanischen Taliban sollen für Dutzende Selbstmordanschläge in dem Land sowie für den Anschlagsversuch auf den New Yorker "Times Square" im Jahr 2010 verantwortlich sein.

Die Islamisten kontrollieren Teile der de facto gesetzlosen Region Nord-Waziristan. Sie gilt auch als Rückzugsgebiet für Islamisten, die im benachbarten Afghanistan am Krieg gegen die USA beteiligt sind.

Die Vereinigten Staaten flogen seit 2004 fast 400 Drohnenangriffe in Pakistan. Nach Angaben einer britischen Vereinigung für investigativen Journalismus kamen dabei bis zu 3600 Menschen ums Leben, darunter - basierend auf lokalen Medienberichten - zwischen 416 und 948 Zivilisten. Die pakistanische Regierung lehnt die Angriffe mit den ferngesteuerten unbemannten Fluggeräten offiziell ab.

ade/Reuters/AP/dpa/AFP

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