Drohungen Bin Laden kündigt Rache für Mohammed-Karikaturen an

Qaida-Anführer Osama Bin Laden meldet sich zurück. Auf einer Website islamischer Extremisten verurteilt er die dänischen Mohammed-Karikaturen und droht Europa mit "starken Reaktionen". Auch den Papst attackiert der Terrorchef. Zum Jahrestag der Irak-Invasion fällt ihm wenig ein.


Kairo - Die neue Botschaft von Osama Bin Laden im Internet ist fünf Minuten lang und mit einem Standbild des Qaida-Chefs versehen, auf dem er eine Waffe trägt. Angeblich ist der Terroranführer selbst darauf zu hören.

Standbild zur angeblichen Bin-Laden-Botschaft: "Die Antwort wird sein, was ihr seht und nicht, was ihr hört."
AFP

Standbild zur angeblichen Bin-Laden-Botschaft: "Die Antwort wird sein, was ihr seht und nicht, was ihr hört."

In der neuen Botschaft droht der Terrorchef den Europäern mit einer harten Bestrafung für die beleidigende Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen. Der Terroristenchef beschuldigt den Westen, angeführt vom Weißen Haus, "gezielt unsere Dörfer zu bombardieren". Doch auch die Tragödie getöteter Frauen und Kinder verblasse "gegen die Veröffentlichung dieser beleidigenden Zeichnungen", betont der Islamistenführer. Dafür werde die "Abrechnung noch schwerer wiegen", droht er unbestimmt. Bin Laden richtet sich in seiner Botschaft an die "Intelligenten" in der EU.

"Ihr habt es in eurem Unglauben übertrieben, indem ihr diese beleidigenden Zeichnungen veröffentlicht habt. Das ist das größte und gefährlichste Unglück und das Urteil dafür wird entschlossener ausfallen." Die Karikaturen seien Teil eines "neuen Kreuzzugs" gegen den Islam, in dem der Papst eine besondere Rolle spiele. "Die Antwort wird sein, was ihr seht und nicht, was ihr hört."

Bin Laden attackiert auch US-Präsident George W. Bush, den er als Europas "unterdrückerischen Verbündeten" bezeichnet, "der - zusammen mit seiner aggressiven Politik - bald das Weiße Haus verlassen" werde. Die "grausamen Handlungen" der US-geführten Militärkoalitionen im Irak und in Afghanistan hätten "den Krieg nicht beendet", sondern vielmehr "unsere Entschlossenheit gestärkt, an unseren Rechten festzuhalten, unser Volk zu rächen und die Invasoren aus unserem Land zu jagen", heißt es weiter.

Viel mehr ließ Bin laden allerdings zu dem Thema nicht verlauten - ausgerechnet zum Jahrestag des Irak-Einmarsches der Alliierten. Offenbar geht er davon aus, dass er damit nur bei einer begrenzten Zahl Muslime punkten kann, deshalb schob er das Thema Mohammed-Karikaturen in den Vordergrund.

Die Aufnahmen erschienen auf einer Website, die bereits in der Vergangenheit Stellungnahmen von al-Qaida veröffentlichte. Auf ihr war das Logo der Sahab zu sehen, einer al-Qaida nahe stehenden Medienorganisation. Die Ansprache ist mit englischen Untertiteln versehen.

Dänische Zeitungen hatten Mitte Februar aus Protest gegen ein Mordkomplott von Muslimen eine umstrittene Mohammed-Karikatur des bedrohten Zeichners Kurt Westergaard nachgedruckt.

Die Karikaturen hatten im September 2005 in mehreren Ländern zu Unruhen mit Dutzenden Todesopfern geführt. Erst vor knapp einer Woche hatte der dänische Geheimdienst erklärt, die neuerliche Veröffentlichung der Karikaturen habe Dänemark negative Aufmerksamkeit beschert und möglicherweise das Risiko für Staatsbürger im In- und Ausland erhöht.

Die Rede wäre, wenn sie sich als authentisch herausstellt, Bin Ladens erste Botschaft in diesem Jahr und fällt auf den fünften Jahrestag des US-Einmarsches in den Irak. Zuletzt hatte Bin Laden am 27. Dezember 2007 in einer einstündigen Rede die Sunniten im Irak vor einer Zusammenarbeit mit den USA gewarnt und neue Anschläge auf Israel angekündigt.

Bin Laden wird in der schwer zugänglichen Gebirgsregion zwischen Afghanistan und Pakistan vermutet. Im vergangenen Jahr gab es Spekulationen, der Extremistenanführer sei gestorben.

als/AFP/AP/Reuters/dpa

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