Drohungen gegen Saakaschwili Putin-Sprecher nennt Berichte über Pöbel-Dialog Provokation

Aufregung um Waldimir Putins Krawall-Rhetorik: Ein Sprecher des russischen Ministerpräsidenten hat Berichte über Drohungen gegen den georgischen Präsidenten Saakaschwili als Provokation bezeichnet. Den Wortlaut des Gesprächs mit Frankreichs Präsident Sarkozy dementierte er allerdings nicht.


Moskau - Wladimir Putin ist dafür bekannt, dass er bisweilen sehr deutlich und martialisch seine Meinung sagt. Nun sorgen die angeblichen wütenden Äußerungen des russischen Regierungschefs über Georgiens Präsident Micheil Saakaschwili für Aufregung.

Sarkozy, Putin: "Willst Du so enden wie Bush?"
AFP

Sarkozy, Putin: "Willst Du so enden wie Bush?"

Die Online-Ausgabe der britischen "Times" und das französische Magazin "Le Nouvel Observateur" berichten am Freitag über den Dialog, der sich Mitte August zwischen Putin und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy im Moskauer Kreml zugetragen haben soll. Danach soll Putin gegenüber Sarkozy gedroht haben, er werde Saakaschwili "an seinen Eiern aufhängen". Die Blätter berufen sich auf Sarkozys diplomatischen Berater Jean-David Levitte.

Putins Sprecher Dmitrij Peskow nannte die Berichte am Freitag eine "Provokation". Er dementierte die Äußerungen Putins allerdings nicht, die just an dem Tag Schlagzeilen machten, an dem in Nizza das EU-Russland-Gipfeltreffen stattfand.

Stattdessen bestätigte Psekow, dass Putin sich einer ähnlichen Wortwahl wie in den Artikeln beschrieben bedient habe. Er verwahrte sich aber dagegen, dass der Eindruck erweckt werde, Putin, und nicht Präsident Dmitrij Medwedew, habe das Heft des Handelns während der Kaukasus-Krise in der Hand gehabt. Medwedew soll bei dem Treffen mit Sarkozy ebenfalls anwesend gewesen sein.

Die Darstellungen, Sarkozy habe Putin davon abgehalten, Tiflis einzunehmen und Saakaschwili zu stürzen, seien "nichts als Andeutungen von ziemlich provokativen Charakter". Das Tandem Medwedew-Putin arbeite effektiv zusammen. "Die endgültigen Entscheidungen in Fragen der Außenpolitik werden vom Präsidenten getroffen", betonte Peskow.

"Willst Du so enden wie Bush?"

Den Berichten zufolge wies Putin damals Kritik von Sarkozy an einer "Tötung" Saakaschwilis mit den Worten zurück: "Warum nicht? Die Amerikaner haben doch (auch den irakischen Diktator Saddam) Hussein erhängt." Sarkozy habe daraufhin geantwortet: "Ja, aber willst Du so enden wie (US-Präsident George W.) Bush?" Putin habe daraufhin gestutzt und dann geantwortet: "Da hast Du auch wieder recht."

Saakaschwili befand sich im August während des Krieges mit Russland in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Laut "Le Nouvel Observateur" wirkte Sarkozy als EU-Ratspräsident seinerzeit erfolgreich auf die Führung in Moskau ein, die Truppen nicht bis Tiflis marschieren zu lassen.

Putin hatte Saakaschwili mehrfach als Kriegsverbrecher beschimpft und mit Saddam Hussein gleichgesetzt. Der russische Regierungschef wirft dem Georgier vor, im Südkaukasus-Krieg gegen die Menschen in Südossetien "und damit wie einst Saddam im Irak verbrecherisch gegen die eigene Bevölkerung" vorgegangen zu sein.

Die Rhetorik des früheren Geheimdienstchefs Putin hatte wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. So hatte er vor einigen Jahren in Brüssel einem kritischen Journalisten auf eine Frage zur Lage im islamisch geprägten Tschetschenien geantwortet, der Mann möge sich doch beschneiden lassen.

phw/dpa/AP

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