Druck auf Washington Nordkorea macht US-Bürger den Prozess

Nordkorea provoziert erneut die USA: Das höchste Gericht will jetzt einem Amerikaner den Prozess machen, der vor knapp fünf Monaten dort verhaftet worden war. Die Ankläger werfen ihm vor, die Regierung stürzen zu wollen. Im schlimmsten Fall droht ihm die Todesstrafe.
Grenzposten zwischen Nord- und Südkorea: US-Bürger als Faustpfand

Grenzposten zwischen Nord- und Südkorea: US-Bürger als Faustpfand

Foto: AP/dpa

Seoul - Im Konflikt mit den USA setzt die Führung in Nordkorea einmal mehr auf Provokation. Ein Ende vergangenen Jahres festgenommener US-Bürger soll jetzt vor das Oberste Gericht des Landes gestellt werden. Pae Jun Ho, der die ihm zur Last gelegten Taten gestanden habe, werde sich "bald" vor der höchsten Instanz verantworten müssen und verurteilt werden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. Im schlimmsten Fall droht Pae nach Meinung von Beobachtern die Todesstrafe.

Unter anderem wird Pae laut KCNA vorgeworfen, an einem Sturz der kommunistischen Führung gearbeitet zu haben. "Alle Anhörungen in den niedrigeren Instanzen sind abgeschlossen", schrieb die Agentur. "Während der Anhörungen hat Pae die Verbrechen, der Demokratischen Volksrepublik Korea feindselig gegenüberzustehen und die Regierung stürzen zu wollen, zugegeben", hieß es weiter. Dafür gebe es "Beweise". Worauf die Anschuldigungen Nordkoreas im Detail basieren, legte KCNA nicht dar.

Pae war nach nordkoreanischen Angaben am 3. November 2012 als Tourist in das abgeschottete Land eingereist. Das US-Außenministerium informierte am 11. Dezember über die Festnahme eines US-Bürgers, äußerte sich aber nicht zu dessen Identität. Am 21. Dezember bestätigte Pjöngjang dann Paes Festnahme. Eine südkoreanische Zeitschrift identifizierte ihn als 44-jährigen Tourismusmanager, der mit fünf Touristen durch Nordkorea gereist sei, von denen einer eine Computerfestplatte mit sensiblen Daten bei sich gehabt habe.

US-Polit-Prominenz als Vermittler

In der Vergangenheit waren in Nordkorea wiederholt US-Bürger festgenommen und nach Verhandlungen mit ranghohen US-Vertretern freigelassen worden. So reiste der frühere US-Präsident Jimmy Carter im Jahr 2010 in das Land und erreichte die Freilassung des zu acht Jahren Zwangsarbeit verurteilten Aijalon Mahli Gomes, der angeblich illegal nach Nordkorea eingereist war.

Ein Jahr zuvor hatte Ex-Präsident Bill Clinton in ähnlicher Mission zwei Journalistinnen nach Hause geholt, die auch wegen illegalen Grenzübertritts festgehalten worden waren. "Für Nordkorea ist Pae ein Faustpfand im Machtspiel mit den USA", erklärt Koh Yu Hwan, der an der Dongguk-Universität in Seoul lehrt. "Der Norden will ihn nutzen, um die Amerikaner wieder an den Verhandlungstisch zu zwingen."

In den vergangenen Wochen hatte sich der Konflikt auf der koreanischen Halbinsel stark zugespitzt. So kappte Nordkorea alle Notfallverbindungen zu Südkorea und schloss auch die gemeinsam betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong. Zudem provozierte das Land die Weltgemeinschaft mit Raketenstarts und Atomtests und drohte mit Atomangriffen auf Südkorea und die USA. Nach einem Atomtest im Februar hatte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen neue Sanktionen gegen Nordkorea verhängt.

mik/AFP/AP
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