Kämpfe in Syrien Tausende Jahre alte Synagoge in Damaskus zerstört

Mehr als 2000 Jahre lang stand in Dschubar eine Synagoge. Jetzt ist das Gebetshaus in einem Vorort von Damaskus im syrischen Bürgerkrieg niedergebrannt worden. Regimenahe Medien schieben Israel die Schuld an der Zerstörung der einstmals wichtigsten jüdischen Stätte Syriens in die Schuhe.

Damaskus/Hamburg - Erst brannten Moscheen und Kirchen, jetzt ist eine der ältesten Synagogen der Welt in Syrien zerstört worden. Regierung und Aufständische machen sich gegenseitig für die Verwüstung des Gotteshauses in Dschubar, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus verantwortlich.

Nach Angaben der Rebellen sollen die Truppen von Diktator Baschar al-Assad die Synagoge am Sonntag zunächst geplündert und anschließend niedergebrannt haben. Eine ganz andere Darstellung liefern regierungstreue Medien: Der libanesische TV-Sender al-Manar, der zur mit Assad verbündeten Hisbollah gehört, berichtet unter Verweis auf "Quellen in Tel Aviv", dass der israelische Geheimdienst die Dschubar-Synagoge zerstört habe. Demnach sei ein Kommando arabischer Juden vor Tagen gemeinsam mit türkischen und jordanischen Agenten nach Syrien eingesickert, habe die Thora und andere historische Dokumente aus dem Gebetshaus gebracht und das Gebäude anschließend zerstört.

Ein Sprecher des syrischen Kulturministeriums sagte am Montag, die Synagoge sei bereits im vergangenen Jahr geplündert worden. Regierungsbeamte hätten das Gebäude jedoch seit Monaten nicht betreten können, weil das Gebiet von Rebellen kontrolliert werde.

Etwa 20 Juden sollen noch in Syrien leben

Die Ursprünge der Synagoge reichen zurück bis ins achte Jahrhundert vor Christus. Der Überlieferung nach wurde sie über einer Höhle errichtet, in der sich der jüdische Prophet Elija zeitweise vor Verfolgung versteckt hatte. Die Existenz der Synagoge von Dschubar ist erstmals im Talmud erwähnt worden. Im Mittelalter sollen etwa 60 jüdische Familien in dem Ort gelebt haben, Reisende wie der französische Jude Samuel ben Samson priesen "die wunderschöne Synagoge außerhalb der Stadt".

Nachdem 1840 mehrere Juden des Ritualmords an einem Franziskanermönch in Damaskus beschuldigt wurden, stürmte ein aufgebrachter Mob die Synagoge und beschädigte das Gebäude. Bereits sieben Jahre später lebte nur noch eine jüdische Familie in Dschubar. Nach der Gründung des Staates Israel 1948 nahm die Diskriminierung der Juden in Syrien weiter zu. Viele siedelten in den neugegründeten jüdischen Staat über. Jüdisches Eigentum wurde enteignet, die Synagoge in Dschubar in eine Schule für palästinensische Flüchtlinge umgewandelt. Bis dahin galt sie als wichtigste jüdische Stätte Syriens. Vor einem Monat wurde das Gebäude schwer beschädigt, als die Regierungsarmee den Hauptstadtvorort mit Raketen beschoss.

Schätzungen zufolge leben heute noch etwa 20 Juden in Syrien, die meisten von ihnen in Damaskus. In der dortigen Altstadt existiert noch immer eine Synagoge, ebenso in Aleppo. Einige dieser Gebetshäuser sind in den vergangenen Jahren von der syrischen Regierung in Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden im Ausland saniert worden. Noch 2011 versprach Assad auch die Renovierung der Dschubar-Synagoge.

syd/AP