Duell mit Obama Komplexe Wahlregeln untergraben Clintons letzte Chance in Texas

Im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur setzt Hillary Clinton voll auf die Vorwahlen in Texas und Ohio, wo viele ihrer Anhänger leben. Doch das komplizierte Wahlverfahren in Texas dürfte die Senatorin benachteiligen - hat sie überhaupt noch eine Chance?


Hamburg - Nach zehn Niederlagen in Folge soll es endlich wieder Erfolge geben: Das Team von Hillary Clinton konzentriert sich jetzt ganz auf Texas und Ohio. Für die Bewerberin geht es um alles, denn in den beiden bevölkerungsreichen Staaten sind jede Menge Delegiertenstimmen zu holen. Texas: 228. Ohio: 161. Clinton muss hier punkten, damit sie den Vorsprung von Barack Obama (siehe Grafiken) überhaupt noch aufholen kann.

Texas soll die Wende bringen: Hillary Clinton im Wahlkampf
AP

Texas soll die Wende bringen: Hillary Clinton im Wahlkampf

Faktisch könnte sie nur so das derzeit für Obama wirkende Moment durchbrechen - und das Rennen der Demokraten eventuell noch für sich entscheiden.

Clinton setzt vor allem darauf, dass sie am 4. März in beiden Staaten ihren traditionellen Wählerstamm mobilisieren kann: in Texas die Latinos, in Ohio Millionen Arbeiter im klassischen Sinne - eine weitere starke Basis der Clintons.

Doch vor allem in Texas könnte ihr ein unerwartet starker Gegner einen Strich durch die Rechnung machen: das Wahlrecht. "Ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie bizarr das ist", klagte Clinton diese Woche vor Journalisten. "Erwachsene Männer weinen deswegen."

126 der insgesamt 228 Delegierten aus Texas werden in den 31 Distrikten des Bundesstaates bestimmt. Jeder Distrikt vergibt am 4. März zwischen zwei und acht Delegierte. Wie viele, hängt nicht etwa von der Größe des Bezirks ab oder von der Zahl der Einwohner - sondern von der Wahlbeteiligung bei den letzten landesweiten Wahlen. So kommt es, dass vor allem städtische Distrikte mit vielen jungen oder schwarzen Wählern viele Delegierte entsenden und ländliche Distrikte mit vielen Hispanics wenige Delegierte. Austin mit seiner großen Uni bestimmt acht Delegierte, Houston sieben, Dallas sechs. Hidalgo County mit klassischem Clinton-Wählerstamm dagegen nur zwei. Klarer Vorteil für Barack Obama.

Richtig kompliziert wird die Lage in Texas dadurch, dass zusätzlich zu den Delegierten, die per Wahl bestimmt werden, auch noch 67 Delegierte durch Bezirks-Caucuses bestimmt werden - Parteiversammlungen, in denen die Anwesenden durch Grüppchenbildung entscheiden, wer in ihrem Bezirk der Sieger ist. Obama schneidet bei Caucuses bisher immer besser ab als Clinton, weil sie von Aktivisten der Demokraten bestimmt werden. Bei denen liegt er meist vorne.

Clinton überall

Außerdem sind in Texas noch 35 Superdelegierte zu holen: Parteifunktionäre, die meist erst noch von einem der beiden Kandidaten überzeugt werden wollen, beim Nominierungsparteitag im August für sie zu stimmen.

Clinton hat ihren Wahlkampf in Texas frühzeitig begonnen. Bisher war sie selbst hauptsächlich im ländlichen Süden des Staates unterwegs, ihr Mann mit einem Dutzend Auftritten im Rest. Das muss sich nun dringend ändern. "Wir werden überall sein", kündigt Ace Smith an, Clintons Wahlkampfleiter in Texas. Er glaubt, dass Clintons gute Chancen hat: "Texas ist einer dieser großen unabhängigen Staaten", sagt er fast beschwörend und meint damit, dass sich die Wähler hier sicher nicht von Siegerprognosen andernorts beeinflussen lassen.

Zurzeit liegt Clinton in Texas wie Ohio laut mehreren Meinungsumfragen noch in Führung. Lediglich die Umfrage der American Research Group aus der vergangenen Woche sieht Obama vorn.

Barack Obamas Lager zeigt sich siegesgewiss. Sein Wahlkampforganisator Steve Hildebrand: "In den meisten Staaten quer durch das Land konnte Hillary Clinton mit ihrer Botschaft nicht genügend Wähler überzeugen. Keine Ahnung, warum sie denkt, dass ihr nun plötzlich in Texas und Ohio die Wähler in Scharen zulaufen sollten."

Auch der demokratische Parteistratege Garry South zeigt sich skeptisch, ob Clintons Rechnung noch aufgehen kann. Seiner Ansicht nach hat Obamas Kampagne eine solche Eigendynamik entwickelt, dass sein Sieg fast schon zum Selbstläufer geworden ist. Clintons Chance, dies zu stoppen, sei mit jeder Vorwahlniederlage geringer geworden. Bei der jüngsten Abstimmung in Wisconsin hätte sie demnach unbedingt gewinnen müssen, um eine Wende einzuleiten.

Vor dem 4. März stehen noch zwei Fernsehdebatten zwischen Obama und Clinton an. Die frühere First Lady setzt alles darauf, ihren Rivalen aus Illinois dort auszuknocken. Ansonsten wird es wirklich eng. Nathaniel Persily von der Columbia University: "Wenn sie in diesen beiden Bundesstaaten verliert, hat sie verloren."

Lisa Edmann, mit Material von AP und Reuters

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