SPIEGEL ONLINE

Dürre in Ostafrika Extremisten unterbinden Hilfe für Hungernde

Millionen Menschen hungern in Somalia, ohne Hilfe droht ihnen ein grausamer Tod. Doch die islamistische Schabab-Miliz zeigt keine Gnade: Sie kontrolliert weite Teile des Landes - und verbietet internationalen Organisationen, Lebensmittel in die Krisengebiete zu liefern.

Addis Abeba/Mogadischu - Die islamistische Schabab-Miliz terrorisiert die Bevölkerung von Somalia seit Jahren, doch jetzt, in der schweren Hungersnot, wird ihre Brutalität erst richtig deutlich: Die Radikalen wollen keine Hilfslieferungen mehr zulassen.

2,8 Millionen Menschen leiden in dem Herrschaftsgebiet der Schabab unter der Dürre. Trotzdem weigern sich die Militanten, überhaupt von einer Hungersnot zu sprechen. Die Berichte der Vereinten Nationen darüber seien "kompletter Nonsens, 100 Prozent ohne Grundlage und pure Propaganda", sagte Schabab-Sprecher Ali Mohammed Rage dem britischen Sender BBC. Es gebe zwar eine Dürre in Somalia, und der Regen sei ausgeblieben, aber die Situation sei nicht so schlimm wie von der Uno beschrieben.

"Die Organisationen, denen wir die Arbeit verboten haben, dürfen auch weiterhin nicht hier arbeiten. Sie sind in politische Aktivitäten involviert", erklärte Rage.

Fotostrecke

Ostafrika: Hungersnot bedroht Millionen

Foto: REUTERS/Jakob Dall/Danish Red Cross

Die Erklärung bedeutet eine Kehrtwende der Schabab. Erst Anfang Juli hatte die Miliz erklärt, sie werde angesichts der katastrophalen Lage erstmals seit zwei Jahren wieder internationale Organisationen in Südsomalia zulassen - "ob muslimisch oder nicht-muslimisch", wie es hieß. Uno-Organisationen hatten daraufhin geplant, trotz Sicherheitsbedenken zumindest per Luftbrücke wieder Lebensmittel nach Südsomalia zu bringen.

Auch die USA hatten am Donnerstag angekündigt, erstmals wieder Lebensmittel in die von der Schabab kontrollierten Gebiete zu schicken. Die Regierung in Washington machte es zur strikten Bedingung, dass die Rebellen nicht von den Spenden profitierten, sagte Donald Steinberg von der US-Agentur für Internationale Entwicklung gegenüber der BBC.

Öffentliche Amputationen, Auspeitschungen und Steinigung

Die Schabab kontrolliert große Teile Süd- und Zentralsomalias. Die Miliz, die Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida unterhält, hat die Macht auch in einigen Bereichen der Hauptstadt Mogadischu an sich gerissen. In ihrem Herrschaftsgebiet hat sie ein strenges islamistisches Regime durchgesetzt: Menschen werden mit öffentlichen Amputationen, Auspeitschungen und Steinigung bestraft. Als Grund dafür reicht es schon, Musik zu hören.

Die Uno hatte am Mittwoch in zwei somalischen Regionen - auch im Schabab-Gebiet - offiziell eine Hungersnot ausgerufen. Mehr als zehn Millionen Menschen in Somalia, Äthiopien und Kenia brauchen wegen extremer Dürre dringend Hilfe. Besonders schlimm betroffen sind Kinder.

Die Vereinten Nationen riefen zu Spenden auf, sie seien dringend nötig, da die kommenden zwei Monate besonders kritisch für das Überleben von Hunderttausenden Menschen seien. Die Hilfsorganisation Oxfam schätzte zuletzt, dass bis zum Januar eine Milliarde Dollar - umgerechnet 700 Millionen Euro - nötig sind, um die Krise zu bekämpfen. Bisher sei nur ein Bruchteil dieser Summe an Spenden eingegangen.

Tausende verzweifelte Somalier versuchen nun, aus dem Süden nach Mogadischu zu kommen. Nur wenige Kilometer außerhalb der somalischen Metropole lägen Camps mit unzähligen Zelten und Notunterkünften, in denen die Menschen Zuflucht suchten, berichtete die BBC. "Sie riskieren die gefährliche Reise, um Hilfe zu finden, aber für viele ist es schon zu spät", sagte ein Journalist vor Ort.

Ärzte hätten in den somalischen Lagern allein in den vergangenen neun Tagen mehr als tausend schwer unterernährte Kinder behandelt. Mütter mit ihren vom Hunger gezeichneten Kindern stünden stundenlang Schlange, um eine Erstversorgung für ihre Babys zu bekommen. Nach Uno-Angaben sind in Somalia bereits Zehntausende Menschen verhungert.

kgp/dpa/AP/dapd
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.