Ebola-Epidemie in Liberia Armee setzt Quarantäne mit scharfer Munition durch

Liberias Regierung hat ein Elendsviertel in der Hauptstadt Monrovia abgeriegelt, um die Ebola-Ausbreitung zu stoppen. Die 50.000 Einwohner von West Point reagieren panisch. Die Armee hat scharf auf Protestierende geschossen.
Soldat in Monrovia: "Sie haben nicht auf friedliche Bürger geschossen"

Soldat in Monrovia: "Sie haben nicht auf friedliche Bürger geschossen"

Foto: John Moore/ Getty Images

Monrovia - Liberias Regierung will die weitere Ausbreitung des Ebola-Virus um jeden Preis verhindern. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf verhängte eine nächtliche Ausgangssperre und stellte West Point, ein Elendsviertel der Hauptstadt Monrovia, unter Quarantäne.

Die Sicherheitskräfte in Liberia setzen die Abriegelung des Stadtteils, in dem etwa 50.000 Menschen leben, mit aller Härte durch. Die Armee feuerte mit scharfer Munition und Tränengas auf Anwohner, die das Viertel verlassen wollten. Zuvor hatten Hunderte mit Steinen auf die Sicherheitskräfte geworfen, um aus West Point zu fliehen. Bei den Zusammenstößen wurden mindestens vier Personen verletzt.

"Die Soldaten setzen scharfe Munition ein", bestätigte Armeesprecher Dessaline Allison. "Sie haben sich an die Einsatzregeln gehalten und nicht auf friedliche Bürger geschossen."

Lebensmittel in Liberia werden knapp

West Point wurde am Mittwochmorgen abgeriegelt. Die Sicherheitskräfte errichteten Barrikaden aus Tischen, Stühlen und Stacheldraht. Viele Anwohner können nun nicht mehr zur Arbeit gehen, außerdem werden sie von der Versorgung mit Nahrungsmitteln abgeschnitten. Direkt nach der Abriegelung des Viertels seien die Preise für Lebensmittel und selbst für abgefülltes Trinkwasser in die Höhe geschnellt, berichten Leute vor Ort.

Am Wochenende hatte in West Point eine aufgebrachte Menschenmenge 17 Patienten aus einer provisorischen Ebola-Quarantänestation herausgeholt. Von ihnen fehlt jede Spur. Reuters-Journalisten in Monrovia berichten, es machten Gerüchte die Runde, dass die Regierung mit der Abriegelung das Ebolavirus überhaupt erst nach West Point einschleusen wolle.

Liberia ist von der Ebola-Epidemie in Westafrika am stärksten betroffen. Etwa 500 Menschen sind bislang an dem Fieber gestorben. Inzwischen werden Benzin und andere Waren des täglichen Bedarfs knapp, weil sich viele Reedereien und Fluggesellschaften weigern, das Land weiter anzufliegen.

syd/Reuters
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