Ebola-Epidemie in Liberia
Quarantäne in riesigem Elendsviertel aufgehoben
Gegen die Ausbreitung des Ebola-Virus griff Liberia zu rigorosen Maßnahmen: Unter Waffengewalt hatte die Regierung einen Slum in Monrovia unter Quarantäne gesetzt. Nun wurde die Isolierung Zehntausender aufgehoben - und die Menschen jubeln.
Mediziner in Schutzanzügen in Monrovia: "Es war die Hölle"
Foto: DOMINIQUE FAGET/ AFP
Monrovia - Aufatmen bei Zehntausenden Menschen in Monrovia: Die Regierung in Liberia hat die umstrittene Absperrung eines Slums im Kampf gegen die Ausbreitung des Ebola-Virus wieder aufgehoben. Die Bewohner des Armenviertels West Point feierten ihre neugewonnene Freiheit ausgelassen mit Tänzen und Gesängen auf der Straße. "Es war die Hölle", beschrieb ein Betroffener die zehntägige Zwangsquarantäne.
Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf hatte neben einer nächtlichen Ausgangssperredas Viertel West Point abriegeln und unter Quarantäne stellen lassen. Auf Menschen, die sich weigerten, ihr Viertel zu verlassen, schoss die Armee mit scharfer Munition und setzte Tränengas ein. Bei den Zusammenstößen kam ein 15 Jahre alter Junge ums Leben. Tausende Menschen litten zudem tagelang an fehlendem Wasser und Lebensmitteln. Experten hatten den Sinn der Isolierung eines ganzen Viertels kritisiert.
West Point ist die Heimat von schätzungsweise 50.000 bis 75.000 Menschen. Die Quarantäne war verhängt worden, weil in dem Slum rund 40 Ebola-Patienten aus einer Isolierstation von Bewohnern befreit worden waren. Das westafrikanische Land Liberia ist am schlimmsten von der Ebola-Epidemie gezeichnet: Rund 1400 Menschen sind nach Schätzungen an dem Virus erkrankt, jeder zweite Patient starb.