Proteste gegen Treibstoffpreise Demonstranten in Ecuador besetzen Erdölförderanlagen

In Ecuador herrscht weiter Ausnahmezustand. 25 Prozent mehr für Benzin und doppelte Preise auf Diesel sollen die Bürger zahlen - und gehen dagegen auf die Barrikaden.

Dolores Ochoa/ DPA

An drei Standorten im Amazonasgebiet kann derzeit kein Erdöl gefördert werden. Grund dafür ist der anhaltende Protest in Ecuador gegen gestiegene Treibstoffpreise. Demonstranten hielten die Erdölförderanlagen am Dienstag besetzt, wie das Energieministerium des südamerikanischen Staates mitteilte. An den drei Anlagen werden normalerweise zwölf Prozent des ecuadorianischen Erdöls gefördert.

In Ecuador gibt es seit Tagen massive Proteste, die sich an einem drastischen Anstieg der Treibstoffpreise entzündeten. 25 Prozent mehr für Benzin und doppelte Preise auf Diesel sollen die Menschen dort künftig zahlen. Sie liegen damit etwa bei der Hälfte des weltweiten Durchschnitts von rund einem Dollar pro Liter.

Wegen der sozialen Unruhen verhängte Präsident Lenín Moreno vergangene Woche für 60 Tage den Ausnahmezustand. Die Polizei nahm Hunderte Menschen fest.

Die Demonstranten machen Moreno für den Anstieg der Preise verantwortlich, da er im März ein Abkommen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) abgeschlossen hatte. Ecuador sicherte sich damit IWF-Kredite im Umfang von 4,2 Milliarden Dollar (etwa 3,8 Milliarden Euro). Im Gegenzug wurde Morenos Regierung zur Auflage gemacht, die staatlichen Subventionen für Kraftstoff zu senken.

Nachdem die Maßnahme beschlossen wurde, brachen in Ecuador die heftigsten Unruhen seit Jahren aus. Im Laufe der Woche kam es in dem südamerikanischen Land zu massiven Protesten. Lastwagenfahrer blockierten viele Fernstraßen, in einigen Orten stießen Demonstranten mit der Polizei zusammen, Barrikaden wurden in Brand gesteckt.

Eine Abkehr von der Streichung der Subventionen kommt für Staatschef Moreno nicht infrage. "Die staatlichen Zuschüsse haben dem Land durch die Verzerrung der Wirtschaft stark geschadet", sagte er im Fernsehen. Auch warnte Moreno die Demonstranten, er werde nicht zulassen, dass in Ecuador Chaos herrsche. Die Zeiten, in denen Vandalismus und Gewalt üblich gewesen seien, seien vorbei.

Am Montag zogen Hunderte Ureinwohner und Bauern in Richtung der Hauptstadt Quito, wo am Mittwoch eine Großkundgebung geplant ist.

vks/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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laberbacke08/15 08.10.2019
1.
Bisschen einseitig. Es geht nicht nur um den höheren Benzinpreis. Der Staat will/muss massiv Stellen abbauen was gerade die indigene Bevölkerung treffen wird und will Staatsbetriebe privatisieren was ebenfalls zu Jobverlusten führen wird (und gerade wir Europäer wissen ja, dass dadurch nicht alles besser wird)
butzibart13 08.10.2019
2. Südamerika in Aufruhr
Ach ja, auf dem Kontinent ist wieder einiges los. Ecuador wegen des Öls und Stellenabbaus, Peru wegen Korruption, Kolumbien wegen der FARC und von Venezuela ist ganz zu schweigen. Brasilien hat ein Ölpest- und Präsidentenproblem und Argentinien die alten finanziellen Probleme. Relativ stabil scheint im Augenblick nur noch Chile zu sein, ggf. Bolivien und das kleine sozialistisch geführte, in manchen Statistiken positiv erscheinende Uruguay.
pameff 08.10.2019
3. Die Amtszeit von Moreno ist abgelaufen
Gestern gab es die heftigsten Proteste seit Jahren. So heftig, dass sich Präsident Moreno genötigt sah den Regierungssitz von Quito nach Guayaquil zu verlegen. Kann er machen, da er ja vor einigen Tagen den Ausnahmezustand ausgerufen hat. Gestern abend gab es dann noch eine denkwürdige Ansprache ans Volk. Schuld an allem ist wieder mal Amtsvorgänger Correa, eine Ausrede die die Leute jetzt schon seit Beginn seiner Amtszeit bei allem was schiefläuft zur genüge kennen. Die indigene Bevölkerung wird den man spätestens bis zu diesem Wochenende aus dem Amt vertreiben.
hoeffertobias 08.10.2019
4. Wie kommen Sie darauf, ...
Zitat von butzibart13Ach ja, auf dem Kontinent ist wieder einiges los. Ecuador wegen des Öls und Stellenabbaus, Peru wegen Korruption, Kolumbien wegen der FARC und von Venezuela ist ganz zu schweigen. Brasilien hat ein Ölpest- und Präsidentenproblem und Argentinien die alten finanziellen Probleme. Relativ stabil scheint im Augenblick nur noch Chile zu sein, ggf. Bolivien und das kleine sozialistisch geführte, in manchen Statistiken positiv erscheinende Uruguay.
.... das Uruguay sozialistisch geführt ist? Uruguay hat eine ausgeprägt marktwirtschaftliche Landwirtschaft, die zum Teil etwas aufgeblähten Staatsunternehmen (25% der Wirtschaftsleistung) werden gerade langsam aber sicher privatisiert. Auch wenn der Präsident Tabaré Vázquez Rosas Mitgleid der Sozialistischen Partei Uruguays ist, so vertritt er absolut marktwirtschaftliche Positionen und ist eher vergleichbar mit den deutschen Sozialdemokraten. Wäre Uruguay tatsächlich wie von Ihnn behauptet sozialistisch geführt, wäre es längst am Ende....
hansriedl 09.10.2019
5. Ecuador
Der IWF wieder mal. Es geht um einen Kredit von 3, 8 Milliarden. Im Gegenzug wurde Morenos Regierung zur Auflage gemacht, die staatlichen Subventionen für Kraftstoff zu senken.
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