Brasiliens Präsident Bolsonaros Sohn soll Botschafter in den USA werden

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro macht seine Ankündigung wahr: Sohn Eduardo soll als Botschafter in die USA gehen. Damit würde ein Politiker mit Verbindungen in rechtsextreme Kreise aufsteigen.

Eduardo Bolsonaro
Joshua Roberts/ Reuters

Eduardo Bolsonaro


Brasilien hat den Sohn seines Präsidenten Jair Bolsonaro als neuen Botschafter des Landes in den USA nominiert. Das südamerikanische Land habe die USA um die Akkreditierung von Eduardo Bolsonaro gebeten, erklärte Brasiliens Außenminister Ernesto Araújo am Freitag bei einer Pressekonferenz am Rande eines Treffens der Außenminister der Brics-Staaten in Rio de Janeiro. Er sei sehr zuversichtlich, dass dem zugestimmt werde, sagte Araújo.

Eduardo Bolsonaro ist Abgeordneter der Partei seines Vaters, PSL, sowie Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten im Unterhaus des brasilianischen Parlaments. Vor wenigen Wochen wurde er 35 Jahre alt und erreichte damit das gesetzliche Mindestalter für brasilianische Botschafter.

Jair Bolsonaro hatte vor zwei Wochen erklärt, er ziehe Eduardo - das mittlere seiner fünf Kinder - für den seit April vakanten Posten in Washington in Betracht. Dieser spreche Englisch und sei mit den Kindern des US-Präsidenten Donald Trump befreundet, sagte der als "Trump der Tropen" bekannte Staatschef. Oppositionspolitiker sprachen von Vetternwirtschaft.

Enger Kontakt zu Bannon

Die Personalie dürfte vor allem in rechtsextremen Kreisen in den USA Zustimmung finden. Dort ist Eduardo bestens vernetzt. Im Februar schloss sich der studierte Jurist der Bewegung The Movement des US-Ultranationalisten Steve Bannon an. Als Brasilien-Chef der rechtsextremen Bewegung vertritt er darin ganz Lateinamerika.

Die Unterstützung Bannons, der vor seinem Zerwürfnis mit Trump im August 2017 Chefstratege des US-Präsidenten war, ist Eduardo laut der brasilianischen Zeitung "Estado de S. Paulo" gewiss. Der 35-Jährige würde "mit der Kenntnis der Akteure, der Streitfragen und der Möglichkeiten" in der Rolle als Botschafter in den USA ankommen, zitierte die Zeitung Bannon.

Eduardo und Bannon waren sich im vergangenen Jahr persönlich begegnet. Kurz nach der Wahl seines Vaters zum Präsidenten im Oktober begleitete Eduardo diesen auf seiner US-Reise. Eduardo hatte sich damals unter anderem mit Bannon sowie mit Trumps Schwiegersohn und Nahost-Berater Jared Kushner und mehreren US-Kongressabgeordneten getroffen.

Eduardo und seine beiden älteren Brüder Carlos und Flavio gelten als wichtige politische Stützen ihres Vaters. Alle drei haben ein politisches Amt inne: Eduardo im Kongress, Flavio im Senat und Carlos im Stadtrat von Rio de Janeiro.

Nach dem Attentat auf ihren Vater während einer Wahlkampfveranstaltung im September kämpften sie für ihn weiter: Flavio als Stratege, während seine Brüder sich um die Präsenz Bolsonaros in den sozialen Medien kümmerten. "Meine Brüder und ich sind überzeugte Soldaten desselben Kapitäns, unseres Vaters Jair Bolsonaro", schrieb Flavio damals auf Instagram.

Für Todesstrafe und Militärputsch

Eduardos berüchtigter Hohn zielte während des Wahlkampfs unter anderem auf das Oberste Gericht ab. Sollte dieses versuchen, seinen Vater des Präsidentenamtes zu entheben, so würde es lediglich zwei Soldaten brauchen, um das Gericht "auszuschalten", erklärte Eduardo damals vor Unterstützern. Die Andeutung eines Militärputsches hatte in der Justiz für Empörung gesorgt. Bolsonaro hatimmer wieder Sympathie für die brasilianische Militärdiktatur (1964-1985) bekundet.

Seit Bolsonaros Amtsantritt hat Eduardo sich zum Berater seines Vaters für internationale Angelegenheiten entwickelt - und begleitet ihn regelmäßig ins Ausland. Im März nahmen Vater und Sohn an einem privaten Treffen mit Trump in Washington teil, im Juni flog Eduardo mit zum G20-Gipfel nach Japan.

Seine Beteiligung an der Wahl des Außenministers Ernesto Araújo hatte in Brasilien Empörung hervorgerufen und den Vorwurf des Nepotismus gegen die Familie Bolsonaro noch befeuert. Araújo, der als Trump-Bewunderer gilt, sprach unlängst wiederum Eduardo seine Unterstützung für den Botschafterposten in Washington aus.

Ein Wechsel Eduardos nach Washington hieße allerdings, dass Bolsonaro einen wichtigen Unterstützer im Kongress verlöre. Eduardo, der im Dezember mit der Forderung nach einer Wiedereinführung der Todesstrafe landesweit für Wirbel sorgte, gilt als ausgesprochen beliebt: Bei seiner Wiederwahl verteidigte er seinen Parlamentssitz mühelos mit einem Rekordergebnis.

hpi/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.