Fall Edward Gallagher Jury spricht Navy-Seals-Soldat von Mordvorwurf frei

Der Prozess hatte in den USA für viel Aufsehen gesorgt: Dem Elitesoldaten Edward Gallagher wurde unter anderem vorgeworfen, im Irak Zivilisten getötet zu haben. Eine Jury entlastete ihn nun in fast allen Anklagepunkten.

Edward Gallagher während einer Prozesspause im kalifornischen San Diego
John Gastaldo/ REUTERS

Edward Gallagher während einer Prozesspause im kalifornischen San Diego


Im Skandal um Edward "Eddie" Gallagher ist das Urteil gefallen: Eine Jury sprach den hochdekorierten Soldaten der US-Spezialeinheit Navy Seals vom Vorwurf der Ermordung eines Gefangenen frei. Eine Sprecherin der US-Marine in San Diego sagte, die Jury habe Gallagher nur in dem Anklagepunkt für schuldig befunden, dass er mit der Leiche des Gefangenen posiert habe. In allen anderen Anklagepunkten - darunter auch dem, im Irak auf Zivilisten geschossen zu haben - sei er freigesprochen worden.

Das Strafmaß sollte nach Angaben der Sprecherin an diesem Mittwoch verkündet werden. Ursprünglich war die Verkündung noch am Dienstag erwartet worden.

Gallaghers Anwalt Tim Parlatore sagte, die Höchststrafe für das Posieren mit der Leiche sei weit unterhalb der Zeit, die der Soldat in Untersuchungshaft saß. Damit wäre eine etwaige Gefängnisstrafe bereits abgegolten. "Er geht also nach Hause." Dass Gallagher ein Foto von sich "mit dem toten Terroristen" aufgenommen habe, habe man von vornherein eingeräumt gehabt.

Die Ermittler beschuldigten den heute 39-Jährigen, 2017 im Irak einen verletzten Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" erstochen und später neben dessen Leiche posiert zu haben. Ihm wurde außerdem vorgeworfen, mit Schüssen auf einen unbewaffneten Mann und ein Mädchen versuchten Mord begangen zu haben. Angeklagt war er in insgesamt sieben Punkten, darunter auch Justizbehinderung. Gallagher wies die Vorwürfe stets zurück.

Mitglieder aus Gallaghers Einheit hatten die Vorwürfe zur Anzeige gebracht. Die Verteidigung warf ihnen vor, ihren Chef angeschwärzt zu haben, weil sie mit seinem Führungsstil nicht zurechtgekommen seien. Der Fall hatte in den USA für viel Aufsehen gesorgt, auch Präsident Donald Trump schaltete sich ein: Er brachte die Möglichkeit ins Spiel, Gallagher im Fall einer Verurteilung zu begnadigen.

aar/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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klaus.mueller 03.07.2019
1. desaströses Urteil
wenn seine eigenen Leute das zur Anzeige gebracht haben wussten sie von vornherein das sie gegen Wände laufen könnten, sie also ein immenses Risiko eingehen. Da denkt man sich nichts aus weil man weiss das es tausendfach überprüft wird. Die sind jetzt am Ende. Vermute mal das wird jetzt sehr disziplinierend wirken.
rpjanne 03.07.2019
2. Nichts Gutes
Noch einmal: Wenn die eigenen Leute ihren Kameraden ohne Not belasten, dann steckt da ganz sicher ein riesiger Dreck dahinter, und, ja, sehr subjektiv: Das Äußere dieses Menschen lässt Vieles erahnen, nur nichts Gutes. Abgesehen davon: Vor Gericht gehört vor allem George W. Bush. Wieviel Tausende Tote hat der Ex-Präsident zu verantworten mit dem auf Lügen basierenden Krieg im Irak? Nicht zu zählen, aber es ist geschehen. Und die Folgen baden unendlich viele Länder und Menschen aktuell aus.
taglöhner 03.07.2019
3. Plebiszitäre Justiz
Eine Jury hat Vorzüge und Nachteile. Hier vielleicht ein weiteres Beispiel, wie es damit gründlich daneben gehen kann. Allerdings ist die Nachricht ziemlich wertlos ohne richtigen Prozessbericht.
Mal was Anderes 03.07.2019
4.
Unabhängig von der Beweislage (die ich nicht beurteilen kann): Da hat aber doch nicht ernsthaft irgendjemand mit gerechnet, dass der verurteilt wird? Was hätte denn das für eine Außenwirkung bzgl des Zustands und der Moralität des Aushängeschilds Army...? Das kann man gar nicht zulassen.
taglöhner 03.07.2019
5. Standrechtliche Rechtsexpertisen
Zitat von Mal was AnderesUnabhängig von der Beweislage (die ich nicht beurteilen kann): Da hat aber doch nicht ernsthaft irgendjemand mit gerechnet, dass der verurteilt wird? Was hätte denn das für eine Außenwirkung bzgl des Zustands und der Moralität des Aushängeschilds Army...? Das kann man gar nicht zulassen.
Die Jury setzt sich obligatorisch aus Normalbürgern zusammen, die Army hat keinen Einfluss auf ihr Urteil.
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