US-Whistleblower Britischer Sender zeigt Weihnachtsansprache von Snowden

Marge Simpson, Mahmud Ahmadinedschad und jetzt Edward Snowden. Die Liste der Persönlichkeiten, die auf Channel 4 eine Weihnachtsansprache an die Briten richten dürfen, wird in diesem Jahr um einen prominenten Kopf reicher. Der US-Whistleblower warnt in seiner Rede vor totaler Überwachung.
Whistleblower Snowden: "Die Massenüberwachung muss aufhören"

Whistleblower Snowden: "Die Massenüberwachung muss aufhören"

Foto: The Guardian/ REUTERS

Washington - Edward Snowden wird sich am Ersten Weihnachtsfeiertag an das britische Volk wenden. Während alle anderen Sender die Weihnachtsansprache der Queen ausstrahlen, wird der Whistleblower im Privatsender Channel 4 eine alternative Rede halten.

Diese Art der Provokation hat bei Channel 4 eine lange Tradition. 2004 sprach etwa die Comicfigur Marge Simpson gemeinsam mit ihrer Tochter, 2006 eine Muslima mit Gesichtsschleier, 2008 durfte Mahmud Ahmadinedschad reden.

Nach Angaben von Channel 4 wird Snowden in seiner Ansprache über die Gefahren massenhafter Überwachung sprechen. "Ein Kind, das heute geboren wird, hat überhaupt keine Vorstellungen von Privatheit mehr. Es wird niemals wissen, was es bedeutet, einen privaten, unbeachteten Moment zu haben und einen Gedanken zu teilen, der nicht analysiert wird", sagt Snowden laut dem vorab verbreiteten Redetext.

Erster TV-Auftritt seit Mai

"Die Massenüberwachung muss aufhören", fordert Snowden. "Wir müssen die Regierung daran erinnern, dass es billiger ist, uns zu fragen, wie wir uns fühlen, als uns auszuspionieren." Die Rede ist der erste TV-Auftritt des US-Informanten seit seiner Flucht nach Russland im Mai.

Zuvor hatte Snowden seine Enthüllungen noch einmal ausdrücklich verteidigt. In einem Interview mit der "Washington Post"  rechtfertigte der ehemalige Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA die Weitergabe von brisanten Informationen mit der unzureichenden Aufsicht über die Arbeit der Überwacher.

Schon 2009 habe er Vorgesetzte erstmals auf Missstände hingewiesen. Während eines Aufenthalts auf einem Lauschposten in Japan habe er angeregt, ein Zwei-Mann-System für Administrator-Zugänge einzuführen. Diese Vorschläge habe er zunächst einem direkten Vorgesetzten und dann dem Verantwortlichen für die Pazifik-Region unterbreitet. Snowden hatte das Ein-Mann-System als deutliche Schwäche ausgemacht: "Natürlich kann ein Whistleblower diese Dinge benutzen - aber eben auch ein Spion", sagte er.

Erst nach den Enthüllungen in diesem Jahr haben die Geheimdienste Vorkehrungen getroffen, laut denen für bestimmte Handlungsschritte, etwa das Kopieren von Daten, die Zustimmung von zwei Mitarbeitern nötig ist.

NSA-Sprecherin Vanee Vines sagte, dem Geheimdienst lägen keine Hinweise darauf vor, dass Snowden seine Vorgesetzten wirklich auf Missstände hingewiesen habe.

"Was, wenn das auf der Titelseite stünde?"

Vor mehr als einem Jahr habe er erneut das Gespräch mit Mitarbeitern gesucht, sagte Snowden. Im Oktober 2012 habe er mit insgesamt vier Vorgesetzten bei der NSA in Hawaii gesprochen. Jedem von ihnen und 15 weiteren Kollegen habe er einen Zugang zum Datenabfrage-System "Boundless Informant" eingerichtet. Dieses System zeigt an, in welchen Ländern die NSA wie viele Daten abgreift.

Seine Kollegen seien "erstaunt darüber gewesen, dass wir mehr über Amerikaner in den USA sammeln als über Russen in Russland". Einige Kollegen habe diese Erkenntnis aufgewühlt, andere wollten nicht mehr wissen.

"Ich habe diese Leute gefragt: Was glaubst du, würde die Öffentlichkeit tun, wenn das auf der Titelseite stünde?" Diesen "Titelseiten-Test" habe er bis April mehrfach mit Kollegen gemacht.

Damit widersprach Snowden Vorwürfen, er habe es vorsätzlich unterlassen, intern auf seine Bedenken hinzuweisen. Er räumte ein, seit Dezember 2012 Reporter kontaktiert zu haben. Geheime Informationen habe er jedoch nicht weitergegeben.

NSA-Sprecherin Vines bestritt Snowdens Darstellung. "Nach ausführlichen Untersuchungen, Gesprächen mit seinen früheren NSA-Vorgesetzten und Kollegen, haben wir keinen Beweis gefunden, der Snowdens Behauptung stützt, dass er irgend jemanden auf diese Themen aufmerksam gemacht hat."

syd