Ehemalige Kim-Geiseln US-Journalistinnen erheben Vorwürfe gegen Nordkorea

Es sollte nur ein kleiner Blick in ein abgeschottetes Regime werden, doch aus einer Minute wurden 140 Tage: Die beiden US-Journalistinnen, die in Nordkorea zu Arbeitslager verurteilt wurden und erst nach diplomatischem Tauziehen freikamen, berichten erstmals von ihrer Festnahme.
Lee und Ling nach ihrer Freilassung: 140 Tage Gefangene in Kims Reich

Lee und Ling nach ihrer Freilassung: 140 Tage Gefangene in Kims Reich

Foto: ROBYN BECK/ AFP

Hamburg - Sie arbeiteten an einem Bericht über Menschenhandel, über nordkoreanische Frauen ohne Papiere, die in China ausgebeutet werden. Bis die beiden US-Journalistinnen Euna Lee und Laura Ling in Nordkorea inhaftiert wurden und selbst für Schlagzeilen sorgten - und für ein diplomatisches Tauziehen. Nachdem sie ein Gericht in Nordkorea schon zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt hatte, kamen sie schließlich frei - der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hatte Diktator Kim Jong Il persönlich besucht, anschließend konnte er Lee und Ling mit in die Heimat nehmen.

Auf der Website ihres Arbeitgebers, Al Gores Fernsehsender Current TV, berichten sie jetzt erstmals , wie es zu ihrer Verhaftung kam und was anschließend mit ihnen geschah. Sie hätten in der Grenzregion recherchiert, schreiben sie, und dabei die Hilfe eines Mannes in Anspruch genommen, der schon öfter für ausländische Journalisten gearbeitet habe. Ihm folgten sie am Morgen des 17. März ans Ufer des Tumen, des Grenzflusses zwischen China und Nordkorea.

Sie wollten nachvollziehen, wie die 50.000 bis 100.000 Nordkoreaner, die sich in China versteckt halten, aus dem Hungerregime Kim Jong Ils geflohen sind. Über den Umweg China versuchen diese, nach Südkorea zu gelangen. Doch Chinesen, die Flüchtlinge versteckt halten, werde bestraft, und aufgegriffenen Nordkoreanern droht zurück in der Heimat Arbeitslager und Folter. Viele der untergetauchten Nordkoreanerinnen werden zur Prostitution gezwungen.

Zwölf Jahre für ein paar Minuten

Der Ausflug an die Grenze sollte ihnen zum Verhängnis werden: Der Fluss war zugefroren, ihr Guide habe sie auf die andere Seite geführt. Dabei überquerten sie die Grenze zu Nordkorea. Eigentlich, schreiben Lee und Ling, hätten sie gar nicht über die Grenze gehen wollen. Ihr Führer habe auf eine kleine Siedlung gedeutet, in der gebe es Verstecke, Grenzbeamte ließen sich bestechen, Zehntausende hätten so fliehen können. Nervös seien sie gewesen, hätten schnell den Rückweg angetreten, zurück über den Fluss nach China.

Doch sie wurden entdeckt. Zwei Grenzsoldaten mit Gewehren seien auf sie zu gerannt, ihr Guide und Mitch Kross, ihr Produzent, hätten fliehen können. Nach eigenen Angaben hatten es die beiden Reporterinnen schon zurück auf die chinesische Seite geschafft, als die nordkoreanischen Soldaten sie erwischten. Gewaltsam seien über den Fluss gebracht worden - zurück nach Nordkorea, wo sie inhaftiert wurden.

Man brachte sie in die Hauptstadt Pjöngjang, berichten sie. Voneinander isoliert seien sie gewesen, wiederholt verhört worden. Dann die Verurteilung: Zwei Jahre für das illegale überqueren der Grenze, zehn Jahre für "feindliche Aktivitäten", ihre journalistische Arbeit. Das sei "nicht überraschend", totalitäre Regime hätten nun mal Angst vor Bloßstellungen, schreiben sie. Doch ihre Geschichte, schreiben Ling und Lee, dürfe nicht vom Schicksal der aus ihrem Land fliehenden Nordkoreanerinnen ablenken.

ore
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