Einkaufszentrum in Nairobi Islamisten prahlen mit Geiselnahme

Stockwerk für Stockwerk durchkämmen Sicherheitskräfte das von Terroristen besetzte Einkaufszentrum in Nairobi. Doch trotz Erfolgsmeldungen der Regierung leisten die Islamisten weiter Widerstand. Sie haben nach eigenen Angaben noch immer Geiseln in ihrer Gewalt.
Einkaufszentrum in Nairobi: Islamisten prahlen mit Geiselnahme

Einkaufszentrum in Nairobi: Islamisten prahlen mit Geiselnahme

Foto: NOOR KHAMIS/ REUTERS

Nairobi - Die Mitglieder der somalischen Schabab-Miliz geben sich nicht geschlagen - das Geiseldrama im Einkaufszentrum Westgate in Nairobi dauert an. Offenbar haben die Islamisten noch immer Gefangene. "Die Geiseln, die von den Mudschahedin in Westgate genommen wurden, leben noch", teilte die Miliz per Twitter mit. "Sie sehen zwar beunruhigt aus, aber sie leben noch."

Am frühen Morgen hatte Kenias Innenministerium die Lage noch ganz anders dargestellt. Alle Geiseln seien frei, hieß es. Das Areal sei unter der vollen Kontrolle der Sicherheitskräfte. Doch anschließend kam es erneut zu Gefechten mit den Extremisten. Mindestens drei Angreifer wurden getötet.

Mitglieder der Schabab-Miliz hatten am Samstag die Westgate-Mall gestürmt und seitdem mindestens 62 Menschen getötet. Zu den Toten und Verletzten gehören neben zahlreichen Kenianern unter anderem Franzosen, Briten, Kanadier, Südafrikaner und US-Amerikaner. Das Schicksal möglicher weiterer Geiseln ist unklar. 63 Menschen werden nach Angaben des Roten Kreuzes noch vermisst.

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Geiselnahme in Nairobi: Schüsse und Explosionen im Morgengrauen

Foto: TONY KARUMBA/ AFP

Die Lage im Westgate ist unübersichtlich: Spezialeinheiten durchkämmten am Morgen das Gebäude, um nach weiteren Tätern und Sprengstoff zu suchen. "Unsere Streitkräfte suchen auf allen Stockwerken um sicherzugehen, dass sich dort niemand mehr aufhält", teilte das Innenministerium mit. "Wir glauben, dass alle Geiseln frei sind."

Doch die Islamisten antworteten umgehend: Ihr Angriff sei "viel, viel größer, als sich die Kenianer das vorstellen". In dem Zentrum lägen "unzählige Leichen".

"Westgate bleibt Tatort eines Verbrechens"

Am Dienstag waren wieder vereinzelt Schüsse und Explosionen aus dem Einkaufszentrum zu hören. "Westgate bleibt weiterhin Tatort eines Verbrechens", erklärte das Innenministerium. "Alle Straßen, die zu dem Zentrum führen, sind abgesperrt." Die Bevölkerung wurde aufgerufen, die Gegend weiträumig zu meiden.

An dem Anschlag sollen nach Angaben der kenianischen Regierung auch mehrere Amerikaner und eine Britin beteiligt gewesen sein. Unter den Terroristen seien "zwei oder drei" junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren gewesen, sagte Außenministerin Amina Mohamed in einem Interview des US-Senders PBS. Sie seien somalischen oder arabischen Ursprungs. "Aber sie lebten in den USA, in Minnesota und an einem anderen Ort", ergänzte die Ministerin.

Die Britin habe sich schon zuvor an Terrorangriffen beteiligt. Dies beweise die globale Natur des Terrorismus. Seit Tagen gab es Medienberichte, wonach die international gesuchte Terroristin Samantha Lewthwaite zu den Drahtziehern gehören soll. Die zum Islam konvertierte 29-Jährige ist die Witwe eines der Selbstmordattentäter von London. Bei der Anschlagserie in der britischen Hauptstadt waren 2005 über 50 Menschen getötet und mehr als 700 verletzt worden.

Tourismusministerin Phyllis Jepkosgei Kandie versicherte Kenia-Urlaubern derweil, dass sie sich in ihrem Land sicher fühlen könnten. "Wir möchten unsere internationalen Besucher und Touristen bitten, keine Angst zu haben", sagte sie. "Sie sind bei uns sicher, wo immer sie auch hinreisen."

als/AFP/Reuters/dpa
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