Einsatz am Hindukusch US-Geheimdienste befürchten Afghanistan-Debakel

US-Präsident Obama will am Donnerstag seinen Fortschrittsbericht zur Lage in Afghanistan vorstellen - aber die Geheimdienste sehen der "New York Times" zufolge offenbar keinen Grund zu Optimismus: Ohne Mithilfe Pakistans seien die Erfolgaussichten am Hindukusch gering.
Barack Obama: Der US-Präsident will seinen Afghanistan-Fortschrittsbericht vorlegen

Barack Obama: Der US-Präsident will seinen Afghanistan-Fortschrittsbericht vorlegen

Foto: Kristoffer Tripplaar/ dpa

Barack Obama

Washington - Die US-Regierung ist sich offenbar uneins in der Bewertung der Lage in Afghanistan. Einen Tag vor der Veröffentlichung des Fortschrittsberichts von Präsident meldete die "New York Times", die Geheimdienste zeichneten ein viel düsteres Bild vom Afghanistan-Einsatz als andere offizielle Stellen in Washington. Es gebe nur sehr begrenzte Erfolgsaussichten am Hindukusch, sollte Pakistan nicht massiv gegen Aufständische vorgehen, die an der afghanischen Grenze aktiv seien.

Die Einschätzung der Geheimdienste sei deutlich pessimistischer als die offizielle Bewertung der USA, die Obama für Donnerstag vorbereitet, berichtete die Zeitung. Obama will am Donnerstag seine überarbeitete Afghanistan-Strategie vorstellen. Es wird nicht mit einem radikalen Kurswechsel gerechnet, obwohl 2010 für die internationalen Truppen das verlustreichste Jahr seit Beginn des Einsatzes 2001 war.

Afghanistan

Präsidentensprecher Robert Gibbs hatte bereits erklärt, die Schussfolgerungen des Reports würden niemanden überraschen, der die Entwicklungen am Hindukusch verfolge. Zugleich werde das Papier aber zeigen, dass der Truppenabzug wie geplant im Juli 2011 "beginnen kann und sollte". Der Kampfeinsatz von derzeit rund 130.000 internationalen Soldaten in soll 2014 auslaufen.

Auch das Internationale Rote Kreuz ist wegen der Intensität der Kämpfe in dem Land alarmiert: Die Lage sei so schlecht wie seit 30 Jahren nicht mehr. Es werde immer schwieriger, die Bedürftigen zu versorgen, erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Kabul.

Schon die Tatsache, dass das IKRK eine Pressekonferenz anberaume, sei Ausdruck der extremen Besorgnis über die Lage nach einem weiteren Kriegsjahr, sagte der Afghanistan-Beauftragte des IKRK, Reto Stocker, dessen Organisation sich zum zweiten Mal in zwei Wochen warnend äußerte.

Bei einem Nato-Luftangriff wurden nach Angaben des Bündnisses ein Afghane getötet und zwei Kinder verletzt. Zudem kamen bei der Explosion einer Autobombe in der Provinz Kandahar drei Kinder ums Leben. Neun weitere Menschen wurden nach Angaben der Schutztruppe Isaf schwer verletzt.

hen/Reuters/dpa
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