Einsatz in Afghanistan Rühe fordert Expertenrat aus Ex-Militärs

Die Bundeswehr in Afghanistan braucht aus Sicht von Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe eine bessere Ausrüstung. Es fehle unter anderem an Kampfhubschraubern und Artillerie-Unterstützung. Überprüfen soll das alles ein Expertenrat aus ehemaligen Generalinspekteuren.

Ex-Verteidigungsminister Rühe: "Zusätzliche Bewaffnungen" am Hindukusch gefordert
DDP

Ex-Verteidigungsminister Rühe: "Zusätzliche Bewaffnungen" am Hindukusch gefordert


Berlin - Angesichts der heftigen Gefechte in Afghanistan hat der frühere Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) gefordert, einen "Rat ehemaliger Generalinspekteure" der Bundeswehr einzuberufen. Erfahrene Ex-Militärs sollten einbezogen werden in die Diskussion um eine bessere Bewaffnung der Bundeswehr, sagte Rühe der "Bild"-Zeitung. Beispielhaft nannte er unter anderem Ex-Generalinspekteur Harald Kujat.

Nach dem Tod von drei deutschen Soldaten sei offensichtlich, dass die Bundeswehr "zusätzliche Bewaffnungen" am Hindukusch brauche, sagte Rühe. Am Karfreitag waren die Deutschen etwa sechs Kilometer westlich von Kunduz in einen Hinterhalt geraten und hatten sich über Stunden heftige Gefechte mit den radikal-islamischen Taliban geliefert. Im Zuge des Gefechts erschossen die Deutschen aus Versehen sechs afghanische Soldaten.

Kujat hatte sich in der "Welt am Sonntag" ebenfalls zu Afghanistan geäußert. In der Bundesregierung herrsche "Unverständnis über die Bedingungen vor Ort und eine Ignoranz der Notwendigkeiten für die Streitkräfte", zitierte die Zeitung Kujat. Für ihn habe bereits der von der Bundeswehr angeforderte Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kunduz im September 2009 Defizite offengelegt. "Unsere Soldaten sind dort nur in diese Lage geraten, weil sie - wie so oft - nicht mit den nötigen modernen Aufklärungssystemen ausgerüstet sind", sagte Kujat, der von 2000 bis 2002 Generalinspekteur der Bundeswehr war.

In wenigen Wochen werde der nächste Anschlag dieser Art folgen, sagte Kujat. Um die Handlungen des Gegners besser einschätzen zu können, brauche die Bundeswehr ein vernünftiges Streitkräfte-, Führungs- und Informationssystem. Nach Aussagen der Industrie seien wesentliche Komponenten dafür bereits fertig - "nur die Ministerialbürokratie tut nichts". Auch die Truppenstärke der Bundeswehr am Hindukusch hält Kujat für zu niedrig.

Guttenberg weist Vorwürfe zurück - und spricht von "Krieg"

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wies Kujats Vorwürfe allerdings zurück. Er hatte bei einer Pressekonferenz am Sonntag im Zusammenhang mit dem Einsatz in Afghanistan erstmals den Begriff "Krieg" benutzt, wollte dies aber ausdrücklich "umgangssprachlich" und nicht "im juristischen Sinne" verstanden wissen. Die deutsche Strategie am Hindukusch verteidigte er.

Rühes früherer Planungschef Ulrich Weisser sieht das anders. Es fehle der Bundeswehr in Afghanistan vor allem an Aufklärungsdrohnen, Kampf- und Transporthubschraubern sowie an Artillerieunterstützung, sagte er der "Bild"-Zeitung. Es sei "völlig inakzeptabel", dass die Bundeswehr dort nicht über einen einzigen Kampfhubschrauber verfüge. Das gleiche gelte für den Mangel an Transporthubschraubern.

Weisser sagte weiter: "Da ist viel versäumt worden, vor allem, weil sich die Politik lange Zeit geziert hat, das Wort 'Krieg' in den Mund zu nehmen." Der frühere Vizeadmiral forderte, 2011 müsse das "Schlüsseljahr" für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan werden: "Die Deutschen dürfen nicht die Letzten sein, die das Licht ausmachen."

ffr/AFP/ddp

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