Einsatz in Kunduz Bundeswehr liefert sich Feuergefecht mit Taliban

Neue Gewalt in Kunduz: Nach einem Angriff auf eine Patrouille lieferte sich die Bundeswehr nahe des Feldlagers ein stundenlanges Feuergefecht mit den Taliban. Während des Schusswechsels forderten die Soldaten auch Luftunterstützung an, mehrere Taliban wurden getötet.

Von und Shoib Najafizada


Berlin/Kabul - Deutsche Soldaten haben sich erneut schwere Gefechte mit Kämpfern der radikal-islamischen Taliban geliefert. Schauplatz der kriegerischen Auseinandersetzung war erneut das Dorf Isa Khel mitten im Unruhedistrikt Chahar Darreh, der als Hochburg der Aufständischen gilt.

Zuerst hatten die Taliban gegen 6 Uhr Ortszeit eine gemeinsame Patrouille der lokalen Polizei und deutschen Soldaten beschossen, die Deutschen erwiderten umgehend das Feuer. Immer wieder aber wurden sie aus von Bäumen geschützten Stellungen angegriffen und konnten den Gegner schwer ausmachen.

Im Zuge des stundenlangen Gefechts über den Lauf des Kunduz-Flusses hinweg forderte das Feldlager bei der Nato-Schutztruppe Isaf Luftunterstützung für die Bundeswehreinheiten an. Wenig später warf ein Kampfjet jeweils zwei Mal zwei 250 Kilogramm-Bomben auf die Stellungen der Taliban ab.

Bei dem Gefecht wurden nach Angaben der lokalen Polizei drei Taliban-Kämpfer getötet. Der Polizeichef von Chahar Darreh sagte SPIEGEL ONLINE, drei weitere Personen seien ums Leben gekommen, möglicherweise seien zwei davon Zivilisten gewesen. In Bundeswehrkreisen war von zehn getöteten Angreifern die Rede, die Details würden aber noch untersucht.

Auf Seiten der Bundeswehr gab es offiziellen Angaben zufolge keine Verletzten. Zwar verbreitete die Propagandaabteilung der Taliban, die Bundeswehr habe schwere Verluste erlitten. Die Angaben der Sprecher allerdings sind meist völlig übertrieben.

Robuste Schützenhilfe von US-Spezialeinheiten

Das Dorf Isa Khel gilt als ein besonders gefährlicher Ort in der Nähe des Feldlagers in Kunduz. Die kleine Ortschaft mit ihren engen Gassen und geduckten Lehmgehöften gilt als Rückzugsort für Taliban. Anfang April kamen in Isa Khel drei deutsche Soldaten bei einem Hinterhalt der Taliban ums Leben.

Mittlerweile sind mehrere Hintermänner der tödlichen Attacke von US-Spezialeinheiten getötet worden. Symbolisch rückten die Special Forces am Abend der Trauerfeier für die Gefallenen im Camp aus und jagten mehrere durch die Geheimdienste identifizierte Kämpfer, die an der Attacke beteiligt waren.

Die geheim agierenden Spezialeinheiten der US-Armee waren in den letzten Wochen rund um Kunduz fast jede Nacht aktiv und haben nach Schätzungen von deutschen Militärs bis zu 60 Taliban-Kämpfer und Kommandeure aus der mittleren Hierarchie gezielt getötet. Die US-Elitekämpfer agieren stets mit afghanischen Einheiten, die sie ausgebildet haben.

Die Deutschen reagieren intern positiv auf die robuste Schützenhilfe der US-Spezialeinheiten und werden mittlerweile zumindest abstrakt in deren Pläne eingeweiht. Nach den beiden tödlichen Angriffen auf die Deutschen hatten US-Offiziere dem deutschen Isaf-Stabschef in Kabul sogar versprochen, dass man die Täter schnell zur Strecke bringen werde.

Die nächtlichen Durchsuchungs- und Eliminierungsaktionen sorgen hingegen in der Region Chahar Darreh für Unmut unter der lokalen Bevölkerung. Lautstark beschwerten sich erst kürzlich bei einem Treffen mit deutschen Militärs mehrere Dorfanführer über das rigide Vorgehen der US-Einheiten.

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ewspapst 08.05.2010
1. Krieg
Zitat von sysopDie Taliban gewinnen in Afghanistan zunehmend an Stärke. Die nationale wie auch die internationale Politik scheint machtlos in ihrem Kampf gegen sie zu sein; Gesprächs- oder andere Angebote werden ignoriert. Ist das Ziel der internationalen Kräfte, beim Aufbau einer funktionsfähigen Zivilgesellschaft zu helfen, überhaupt noch zu erreichen?
Die Taliban hatten vor dem Einmarsch der westlichen Truppen den grössten Teil des Landes in ihrer Herrschaft, das bedeutet, dass sie auch eine grössere Anzahl der Bevölkerung hinter sich hatten aber zu mindestens nicht gegen sich. Nach Aussage des Herrn Karzai von heute, haben die Taliban immer noch den grössten Teil des Landes unter ihrer Herrschaft und die vielen zivilen Opfer durch westliche Militäreinsätze treiben ihnen weitere Anhänger zu. Die Taliban sind extrem gläubige Moslem und wollen nach ihrem Glauben das Leben dort gestalten. Wie wollen sie diese extrem gläubigen Menschen von ihrer Glaubensvorstellung abbringen, denn das müssen sie wohl, um eine gesellschaftliche Veränderung zu erzielen, und mit welchen Mitteln wollen sie diese Menschen verändern. Auch wenn man davon ausgehen sollte, dass die Taliban ja "Pakistani" seien, so muss man doch einen grossen Teil der Taliban auch den Afghanen zurechnen. Ich behaupte, man wird diese Menschen in ihrem Denken und Handeln nicht durch westliche Mächte verändern können, aber vielleicht haben wir ja hier solche Experten, die das können. Wenn hier keine geistige Veränderung zu erreichen sein wird, bleibt der Ausgangszustand bestehen. Vielleicht werden sich die Lebensverhältnisse marginal ändern, aber mit welchem Aufwand und mit welchen entsetzlichen menschlichen Opfern. Wenn meine Bewertung zutrifft, hätte man dieses Ergebnis nicht schon von Anfang an sehen können, diese Frage muss man sich doch dann immer wieder stellen?
fintenklecks 08.05.2010
2. Nein
Zitat von sysopDie Taliban gewinnen in Afghanistan zunehmend an Stärke. Die nationale wie auch die internationale Politik scheint machtlos in ihrem Kampf gegen sie zu sein; Gesprächs- oder andere Angebote werden ignoriert. Ist das Ziel der internationalen Kräfte, beim Aufbau einer funktionsfähigen Zivilgesellschaft zu helfen, überhaupt noch zu erreichen?
Nein, er kann nicht gelingen, weil die Praktiken, die dort zum Ansatz kommen, kontraproduktiv sind. Ich kann auch ein Kind nicht zivilisieren, indem ich es ständig verhaue, nachdem Motto "Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!" Es ist nur noch rudimentär und die Hetze gegen die Taliban ist pervers und nicht zivilisiert. Kein Wunder, dass die mit Verbrechern nicht reden (wollen). Ich könnte auch nicht mit jemanden verhandeln, der mich ständig schlägt. Das Vertrauen wäre gänzlich ruiniert. Man straft solche Menschen mit Verachtung. Man kann Hilfe anbieten, mehr ist nicht erlaubt. Mit Gewalt seinen Willen durchzusetzen, ist reaktionär und nicht zivilisiert. Das kann gar nicht funktionieren. Das System, dass die Afghanen möchten, bestimmen sie selbst. Und dann kann man auch dort beim Aufbau eines Systems helfen, für das sich die Afghanen selbst entscheiden, sofern sie es möchten. Wir fänden es ja auch nicht lustig, wenn man uns hilft, die Lebensweise des Koran bei uns mit Gewalt einzuführen, im Land Unruhen erzeugt, und sagt der Islam ist friedlich, deswegen bitte.
Willie, 08.05.2010
3.
Zitat von sysopDie Taliban gewinnen in Afghanistan zunehmend an Stärke. Die nationale wie auch die internationale Politik scheint machtlos in ihrem Kampf gegen sie zu sein; Gesprächs- oder andere Angebote werden ignoriert. Ist das Ziel der internationalen Kräfte, beim Aufbau einer funktionsfähigen Zivilgesellschaft zu helfen, überhaupt noch zu erreichen?
Koennen schon. Natuerlich. Es muss nur halt der dafuer erforderliche Aufwand und vor allen Dingen die erforderliche Geduld aufgebracht werden. Fuer viele in Gesellschaften der westlichen Welt ist das nicht drin. Weil zu "ich" bezogen -was ist fuer mich drin- und zu kurzfristig denkend -"nur das heute zaehlt". In den Hauptstaedten des Westens wird es entschieden, sonst nirgendwo.
Stefanie Bach, 08.05.2010
4. Dialog statt Gewalt
Zitat von sysopDie Taliban gewinnen in Afghanistan zunehmend an Stärke. Die nationale wie auch die internationale Politik scheint machtlos in ihrem Kampf gegen sie zu sein; Gesprächs- oder andere Angebote werden ignoriert. Ist das Ziel der internationalen Kräfte, beim Aufbau einer funktionsfähigen Zivilgesellschaft zu helfen, überhaupt noch zu erreichen?
Helfen kann man, wenn man sein Gegenüber einbindet, mit ihm kooperiert und es respektiert. Schmeißt man den Leuten Bomben auf das Haupt, dann fördert das nur weitere Gewalt. Die Gleichzeitigkeit von Gewalt und Dialog kann natürlich nicht funktionieren, sie hat auch noch nie funktioniert. Deshalb brauchen wir für Afghanistan eine intelligente Politik. Bei Krieg denkt man an Zerstörung, bei Sprache assoziiert man zunächst Verständigung mit anderen (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/).
Willie, 08.05.2010
5.
Zitat von Stefanie BachHelfen kann man, wenn man sein Gegenüber einbindet, mit ihm kooperiert und es respektiert. Schmeißt man den Leuten Bomben auf das Haupt, dann fördert das nur weitere Gewalt. Die Gleichzeitigkeit von Gewalt und Dialog kann natürlich nicht funktionieren, sie hat auch noch nie funktioniert. Deshalb brauchen wir für Afghanistan eine intelligente Politik. Bei Krieg denkt man an Zerstörung, bei Sprache assoziiert man zunächst Verständigung mit anderen (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/).
Welches "es" meinen sie da genau? Das wird zwar gernen und haeufig von interessierten Seiten so behauptet, aber eben auch nur von Jenen, die davon keine rechte Ahnung haben. Meisten gibt es ja uebrhaupt nur da Bomben aufs Haupt, wo bereits laengst die Gewalt existiert und ausgeuebt wird. Und genaugenommen ist es ja so, dass wer eine Bombe aufs Haupt bekommt, ueberhaupt keine Gewalt mehr zum foerdern hat. Dem steht die Physik entgegen. Was ja auch wieder nicht stimmt. Die Geschichte widerlegt es vielfach. Man braucht sich in dieser nur ein wenig auszukennen. Der 11. Nov. 1918 und der 8.Mai 1945 sind zwei diesbezueglich relevante Dataen, die eigentliche jedem Deutschen gelaeufig sein sollten und als ein Beispiel vor Augen stehen sollten, wenn er in der Schule was gelernt haben sollte. Politik ist aber weder ein "denken an..." und "assoziieren mit...". Das ist also schon mal nicht so sehr intelligent. Im uebrigen wird ein Krieg immer von mindestens zwei (2) Parteien gefuehrt. Es gilt also auch hier, dass falsche Praemissen stets zu falschen Schlussfolgerungen fuehren. Zwangslaeufig.
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