Einsatz von Präzisionswaffen

"Unsere Waffen verfügen über eine Zielgenauigkeit, von der Militärs früher nur geträumt haben." Donald Rumsfeld, März 2003.




"Unsere Waffen verfügen über eine Zielgenauigkeit, von der Militärs früher nur geträumt haben": Donald Rumsfeld
AP

"Unsere Waffen verfügen über eine Zielgenauigkeit, von der Militärs früher nur geträumt haben": Donald Rumsfeld

Nicht nur der US-Verteidigungsminister schwärmte von den Präzisionswaffen, die mit der Taktik "shock and awe" (Angst und Schrecken) den Golfkrieg bestimmt hätten. Auch US-Präsident George W. Bush lobte den Krieg in seiner jüngsten Rede an die Nation noch Anfang September als "eine der schnellsten und humansten Militäraktionen der Geschichte".

Im Golfkrieg 1991 wurden (trotz der Suggestivkraft der Bilder, die chirurgische Angriffe zeigen sollten) weniger als zehn Prozent "intelligente" Waffen eingesetzt. Diesmal wurde früh behauptet, dass neunzig Prozent aller eingesetzten Bomben, Raketen und Marschflugkörper Präzisionswaffen seien, um die Zivilbevölkerung weit gehend zu schonen.

Tatsächlich gestand die US-Luftwaffe später ein, dass nur 19.948 der 29.199 abgeworfenen Bomben Präzisionswaffen waren - also etwa 68 Prozent. Und unter diesen befand sich auch noch eine große Anzahl unpräziser Auslaufmodelle. Die restlichen 32 Prozent Bomben waren demnach konventionelle, also "dumme" Waffen.

Zudem gab das Verteidigungsministerium den Einsatz von Streu- und Brandbomben zu. Die 250-Kilo-Brandbombe vom Typ MK-77 aus einem Gel-Gemisch aus Benzol, Kerosin und Styropor wirkt wie das international geächtete Napalm - und wird von US-Militärs auch noch so genannt.

Die Zahl der Menschen, die in diesem Krieg starben, wird für immer ein Geheimnis bleiben. Während die Opfer der Amerikaner sorgfältig dokumentiert sind (138 während des Kriegs, 150 nach Beendigung der Kampfhandlungen), gibt es über die Anzahl der getöteten irakischen Zivilisten und Soldaten nur Schätzungen. Zählungen in Krankenhäusern zeugen von mindestens 3240 toten Zivilisten. Amerikanische Militärs schätzen die Anzahl der toten irakischen Soldaten im Laufe des Kriegs auf mehr als 3300.

Friedensaktivisten haben auf der zu Kriegsbeginn eingerichteten Homepage "Iraq Body Counts" jedoch Nachrichten von mindestens 6100 bis 7836 Opfer gesammelt. Bis heute wird die Homepage immer wieder aktualisiert.

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