Einsatzzeiten US-Soldaten müssen länger im Irak bleiben

15 Monate statt 12 müssen US-Soldaten künftig in den Krisengebieten Irak und Afghanistan bleiben. Die Regelung gilt ab sofort - und löste bei den Demokraten Empörung aus.


Washington - Statt wie bislang für zwölf Monate werden die Soldaten künftig für 15 Monate in den Auslandseinsatz geschickt, wie Verteidigungsminister Robert Gates ankündigte. Zwischen zwei Einsätzen sollten die Soldaten sich mindestens zwölf Monate erholen können. Die Regelung gelte "ab sofort". Führende Demokraten im Kongress kritisierten die Regierung und warfen ihr Versagen vor.

US-Soldaten in Bagdad: Künftig längere Einsatzzeiten
AFP

US-Soldaten in Bagdad: Künftig längere Einsatzzeiten

Die Regelung werde eine abschreckende Wirkung auf die Rekrutierung haben, sagte der demokratische Abgeordnete Ike Skelton, der Vorsitzende des Streitkräfte-Komitees im Repräsentantenhaus.

"Mir ist klar, dass diese Entscheidung unseren Soldaten im Heer und ihren Familien viel abverlangt", sagte Gates. Durch die neue Regelung erhielten diese jedoch größere Planungssicherheit.

Die neue Regelung solle dafür sorgen, dass der erhöhte Truppenbedarf im Irak bis mindestens April kommenden Jahres gedeckt werden könne, sagte Gates. Nach maximal 15 Monaten sollten die Soldaten dann wieder auf ihre Heimatstützpunkte zurückkehren dürfen. Laut General Peter Pace gilt die Regelung nur für die Landstreitkräfte.

Marineinfanteristen und Soldaten der Nationalgarde sind von der Regelung nicht betroffen. Die Entscheidung gehört zum Bemühen von Präsident George W. Bush, die Truppen im Irak als Teil einer Sicherheitsoffensive aufzustocken. Demnach sollen zu den derzeit 145.000 US-Soldaten in dem Golfstaat weitere 28.000 hinzukommen. In Afghanistan sind 25.000 amerikanische Soldaten im Einsatz.

Eigentlich ist es das Ziel des US-Verteidigungsministeriums, dass Soldaten des Heeres für jedes Jahr, das sie in einem Auslandseinsatz verbringen, zwei Jahre zu Hause bleiben. In den vergangenen Jahren war dies wegen der Belastungen im Irak und in Afghanistan nicht möglich. Mitarbeitern des Ministeriums zufolge liegt das Verhältnis derzeit im Schnitt bei einem Jahr zu einem Jahr.

Zu einer peinlichen Angelegenheit für US-Präsident George W. Bush gestaltet sich die Suche nach einem "Oberaufseher" für die Kriege im Irak und in Afghanistan - niemand will den hochrangigen Posten. Wie aus dem Weißen Haus verlautete, soll der künftige "Kriegszar" bei Streitigkeiten zwischen den diversen Ministerien vermitteln und "Abkürzungen durch die Bürokratie" finden.

Mindestens drei pensionierte Vier-Sterne-Generäle, die das Weiße Haus angesprochen habe, hätten dankend abgewinkt, berichtete die "Washington Post". Bisher ist die stellvertretende nationale Sicherheitsberaterin Meghan O'Sullivan Chefkoordinatorin für die Kriege. Sie verlasse in Kürze jedoch ihren Posten, hieß es aus dem Weißen Haus.

Angefragt war dem Bericht zufolge der frühere Nato-Oberkommandierende John Sheehan. Der habe abgelehnt, zitiert ihn die Zeitung, weil in der Regierung Falken immer noch größeres Gewicht hätten als Pragmatiker, die nach einem Weg aus der Krise suchten. "Daher habe ich, anstatt dahin (in den Irak) zu gehen und mir Magengeschwüre zu holen, 'nein danke' gesagt", so Sheehan. "Das grundlegende Problem ist, dass sie sich verdammt noch mal nicht über ihre Ziele im Klaren sind."

Die Gewalt im Irak hielt unterdessen an: Bei einem Bombenanschlag auf eine Brücke über den Tigris sind am Morgen in Bagdad mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 20 verletzt worden. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich nach Angaben der Polizei mit einem Lastwagen auf der Brücke in die Luft. Dabei sei ein Loch in die Stahlkonstruktion gerissen worden. Autos stürzten den Angaben zufolge in den Tigris.

jaf/AFP/AP/dpa/reuters



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