Eklat am Broadway Trump attackiert Musicaldarsteller

Der designierte US-Vizepräsident Pence wurde bei einem Musicalbesuch ausgebuht - nun hat Donald Trump die Schauspieler erneut scharf angegriffen. Doch die reagierten gelassen.

Zukünftiger US-Präsident Trump
AFP

Zukünftiger US-Präsident Trump


Es war ein Appell für eine Politik der Toleranz von den Schauspielern auf der Bühne - doch offenbar wollte der designierte Trump-Vize Mike Pence der Erklärung nicht zuhören. Nachdem er bei einem Besuch des Broadwaystücks "Hamilton" in New York von einigen Zuschauern ausgebuht wurde, hatte er am Freitagabend (Ortszeit) den Saal verlassen.

Der zukünftige US-Präsident Donald Trump hat sich per Twitter bereits über den Vorfall aufgeregt - und nun nachgelegt: In einem weiteren Tweet forderte er die "Hamilton"-Crew erneut auf, sich bei Pence zu entschuldigen.

Zudem schrieb er, dass die Schauspieler und Produzenten des beliebten Stücks völlig überschätzt würden. Zuvor hatte er behauptet, das Ensemble habe seinen künftigen Vize "belästigt".

Auch Brandon Victor Dixon, einer der Darsteller, die an der Verlesung der Forderungen beteiligt waren, hat sich zu dem Vorfall geäußert. Er entgegnete via Twitter: "Konversation ist keine Belästigung."

Bei der Aufführung hatten die teilweise offen homosexuell lebenden Schauspieler zur Toleranz gegenüber Minderheiten aufgerufen. Dixon sagte in Richtung Pence: "Wir sind das vielfältige Amerika, das alarmiert und besorgt ist, dass Ihre neue Regierung uns, unseren Planeten, unsere Kinder und Eltern nicht beschützen wird, oder uns nicht verteidigen und unsere unveräußerlichen Rechte nicht aufrechterhalten wird." Pence verließ währenddessen den Saal - der "New York Times" zufolge bekam er aber vom Foyer aus das gesamte Statement mit.

Am Ende der Vorstellung wandte sich das Ensemble an Pence: "Wir heißen Sie willkommen und danken Ihnen, dass Sie hier sind", hieß es in der Erklärung. "Wir hoffen wirklich, dass diese Show Sie dazu inspiriert hat, die amerikanischen Werte aufrechtzuerhalten und für die Belange von uns allen einzutreten. Von uns allen", sagte Dixon, der selbst schwarz ist. Das Publikum reagierte auf die Aussagen von Dixon mit lautem Jubel.

Pence, ehemaliger Gouverneur des Bundesstaats Indiana, gilt als sozialkonservativ, bibeltreu und ist Abtreibungsgegner. Für Trump ist der Hardliner das Verbindungsglied zum erzkonservativen, streng religiösen republikanischen Flügel. Im Wahlkampf äußerte sich Trump mehrfach fremdenfeindlich und rassistisch. In New York bekam seine Konkurrentin Hillary Clinton die Mehrheit der Wählerstimmen.

Das Hip-Hop-Musical um Alexander Hamilton, den ersten Finanzminister der Vereinigten Staaten, hat in den USA einen beispiellosen Hype ausgelöst. Es gewann elf Musicalpreise "Tony", einen Grammy sowie den Pulitzerpreis und spielt pro Woche etwa zwei Millionen Dollar ein.

joe/AFP



insgesamt 189 Beiträge
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novalis28 20.11.2016
1. Tja, die SPON-Spezialität:
aus dem Täter das Opfer machen.
Stäffelesrutscher 20.11.2016
2. Rechtschreiben- und Englischkenntnisse werden völlig überbewertet
»The cast and producers of Hamilton, which I hear is highly overrated, should immediately apologize to Mike Pence for their terrible behavior« »Zudem schrieb er, das die Schauspieler und Produzenten des beliebten Stücks völlig überschätzt würden.« Erstens hätte es »schrieb er, dass« heißen müssen, und zweitens schrieb er nicht »who ... are highly overrated«, so dass sich »which ... is highly overrated« vielleicht auf das gegebene Stück bezieht?
rainerwäscher 20.11.2016
3. Das Ende......
Mir wird zunehmend klar, dass alle Beteuerungen, es würde schon nicht so schlimm werden, nur Pfeifen im Walde sind. Es wird schlimm, wenn ein Faschist an die Macht kommt. Wir müssten das doch wissen.
crazy_swayze 20.11.2016
4.
Ist es verwunderlich, dass man geht, wenn man ausgebuht wird? Man ist ja offensichtlich nicht willkommen. Im Übrigen ist es sehrwohl Belästigung, wenn der Privatperson Pence in dem Moment ungefragt eine "Konversation" aufs Auge gedrückt wird. Offenbar wäre es nach der Meinung des ach so toleranten Ensembles und Publikums es richtig gewesen, wenn Herr Pence sich dem Pranger ausgesetzt hätte - wurden im Vorfeld eigentlich Tomaten verteilt? Genau diese Diskussions-Unkultur treibt immer mehr Menschen weg von dieser inzwischen arroganten Linken, die gerne tabuisiert statt Probleme anzusprechen.
el_jefe 20.11.2016
5. Ich wusste nicht...
...das Orangenhaut so dünn sein könnte. Schade um das Amt des Präsidenten. Schade um Amerika.
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