Eklat im Europaparlament Berlusconi macht KZ-Witze

Der italienische Ministerpräsident Berlusconi hat im Europäischen Parlament tumultartige Szenen ausgelöst. Auf die Kritik des sozialdemokratischen deutschen Abgeordneten Martin Schulz an Berlusconis Regierungsstil reagierte der Italiener mit einer geschmacklosen Aufforderung.


Silvio Berlusconi: "Ich ziehe das nicht zurück"
AP

Silvio Berlusconi: "Ich ziehe das nicht zurück"

Straßburg - Der Deutsche könne in einem Film über Konzentrationslager, der gerade in Italien gedreht werde, die Rolle eines Nazi-Schergen übernehmen, erklärte Berlusconi: "Herr Schulz, ich weiß dass in Italien derzeit ein Produzent einen Film über Nazi-Konzentrationslager dreht. Ich würde Sie für die Rolle des Anführers vorschlagen. Sie wären perfekt dafür."

Nach Berlusconis Ausführungen sagte Schulz, wenn die Übersetzung stimme, habe Berlusconi ihn in "der Rolle des Kapò, des SS-Schergen" gesehen. Sein Respekt vor den Nazi-Opfern verbiete es ihm, darauf einzugehen. Dafür erhielt der SPD-Politiker anhaltenden Beifall von den meisten Parlamentariern.

Unter fortwährenden Störungen nahm Berlusconi seine Bemerkung aber keineswegs zurück, sondern bezeichnete sie als Ironie. Er weigerte sich, sich zu entschuldigen. "Schulz hat mich persönlich beleidigt, in einer Form, die nicht zulässig ist in einem solchen Parlament", sagt er. Seine Äußerung über den KZ-Aufseher sei ironisch gemeint gewesen. "Ich ziehe das nicht zurück, was ich mit Ironie gesagt habe, wenn Schulz die persönlichen Beleidigungen nicht zurücknimmt."

Protest gegen Berlusconi im EU-Parlament
DPA

Protest gegen Berlusconi im EU-Parlament

Parlamentspräsident Pat Cox bedauerte zum Abschluss der Debatte die Beleidigung, die dem Kollegen Schulz zugefügt wurde. Er halte es für angemessen, das Protokoll entsprechend zu korrigieren.

Der italienische Ministerpräsident war vorher vor allem aus den Reihen der linken Parteien im Europaparlament heftig kritisiert worden - unter anderem wegen des kürzlich verabschiedeten italienischen Gesetzes, das ihn vor einem bereits laufenden Prozess schützt.

Berlusconi stellte dem Parlament das Programm der italienischen EU-Ratspräsidentschaft für die nächsten sechs Monate vor. Italien hatte den EU-Vorsitz turnusgemäß am Dienstag von Griechenland übernommen.



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