Eklat in Stockholm Wutattacke entzweit Schweden und Israel

Nach dem spektakulären Angriff des israelischen Botschafters auf ein Kunstwerk in Stockholm, das eine lächelnde Selbstmordattentäterin zeigt, verhärten sich die Fronten zwischen Israel und Schweden. Während Premierminister Scharon die Aktion lobt, will das schwedische Außenministerium umgehend eine Entschuldigung.

Der israelische Regierungschef Ariel Scharon hat sich vor den Botschafter seines Landes in Schweden gestellt. Der Diplomat hatte am Freitagabend wutentbrannt ein Kunstwerk attackiert, das seiner Meinung nach Selbstmordattentate verherrliche.

"Ich habe Botschafter Zvi Mazel angerufen und ihm für seine Stärke gedankt", sagte der israelische Ministerpräsident heute. "Die ganze Regierung steht hinter ihm." Scharon ergänzte: "Zvi Mazel ist dem zunehmenden Antisemitismus mit Stärke entgegengetreten." Der Botschafter habe in angemessener Weise gehandelt. "Judenfeindlichkeit ist ein derart ernstes Problem, dass es falsch gewesen wäre, nicht sofort zu handeln." Auch Mazel rechtfertigte seine Tat: "Das war kein Kunstwerk. Es war eine Ungeheuerlichkeit, eine obszöne Verzerrung der Realität", sagte er in einem Radio-Interview.

Die israelische Tageszeitung "Haaretz" berichtete unterdessen, Botschafter Zvi Mazel habe nicht aus spontaner Wut reagiert, sondern den Akt geplant. Er habe aus einer Zeitung von der Ausstellung erfahren und sei absichtlich dort erschienen.

Lächelnde Selbstmord-Terroristin

Die Installation des aus Israel stammenden Künstlers Dror Feiler zeigt das Foto einer lächelnden Selbstmordattentäterin. Ihr Bild ist in einem "Schneewittchen" ge nannten Boot zu sehen, das in einem mit rotem Wasser gefüllten Becken schwimmt. Die Palästinenserin hatte sich im Oktober in Haifa vor einem Restaurant in die Luft gesprengt und dadurch 21 Menschen getötet.

Der Vorfall hatte sich am Freitag im Museum für Nationale Altertümer in Stockholm ereignet. Während einer Ausstellungseröffnung ergriff Mazel plötzlich einen Scheinwerfer und schleuderte ihn auf die Installation. Dabei habe er nach Augenzeugenberichten getobt "wie irrsinnig". Anschließend versuchte er, das Boot aus dem Becken zu reißen.

Nach Angaben des Künstlers soll das Werk mit dem Titel "Schneewittchen und der Irrsinn der Wahrheit" deutlich machen, dass Hilflosigkeit einsame Menschen zu furchtbaren Taten verleiten kann. Die Selbstmordattentäterin, Hanadi Dschadarat, hatte kurz vor dem Anschlag mitangesehen, wie ihr Bruder von israelischen Soldaten erschossen wurde. Nach Angaben der israelischen Botschaft in Berlin habe es sich bei ihrem Bruder um einen Terroristen der Untergrundorganisation Heiliger Dschihad gehandelt. Das Kunstwerk wurde im Zusammenhang mit einer internationalen Konferenz zur Vermeidung von Völkermord aufgestellt, die vom 26. bis 28. Januar in Stockholm stattfindet.

Israel lobt Attacke

Mit den neuen Äußerungen aus Israel entwickelt sich die Affäre um Mazel immer mehr zum diplomatischen Eklat. Bereits kurz nach der Attacke hatten die Israelis gedroht, die Konferenz, zu der auch Uno-Generalsekretär Kofi Annan erscheinen will, zu boykottieren. Der Chef des Historischen Museums, Kristian Berg, sagte daraufhin, er werde die Installation "auf gar keinen Fall" entfernen.

Während das Stockholmer Außenministerium Mazel für Montag einbestellt hat, um einen schwedischen Protest gegen sein "nicht akzeptables Vorgehen" entgegenzunehmen, legte dessen Dienstherr noch nach. Israelische Medien berichteten am Sonntag, Außenminister Silwan Schalom habe die Tat des Botschafters Zvi Mazel ausdrücklich gelobt. Das israelische Außenministerium hat den schwedischen Botschafter in Israel einbestellt, um gegen die Ausstellung des Kunstwerkes zu protestieren.

Der israelische Minister für innere Sicherheit, Zachi Hanegbi, forderte sogar eine Auszeichnung des Botschafters. "Wenn es eine Situation gibt, in der ein Botschafter sich undiplomatisch verhalten sollte, dann diese", sagte Hanegbi. Mazel habe sich so verhalten, um die öffentliche Meinung aufzurütteln. Nur so könne man darauf aufmerksam machen, "wie krank es ist, eine Massenmörderin als Heldin darzustellen".

Auch Angehörige von Israelis, die bei dem Selbstmordanschlag der Frau im israelisch-arabischen Restaurant "Maxim" in Haifa getötet worden waren, äußerten Unterstützung für Mazels Tat. "Wie kann man glauben, dass die Täterin reiner ist als ein dreijähriges Kind", fragte Tova Bahat, die bei dem Anschlag ihren Mann verloren und deren kleiner Sohn lebensgefährliche Verletzungen erlitten hatte.