Treffen Obama-Netanjahu Israel bezichtigt USA der Lüge

Eigentlich schien der diplomatische Eklat zwischen den USA und Israel schon abgewendet, doch nun weist ein hoher Beamter in Jerusalem die offizielle Version der Amerikaner zurück. Premier Netanjahu habe sich sehr wohl um ein Treffen mit US-Präsident Obama bemüht - vergeblich.

Politiker Netanjahu, Obama (2010 mit Palästinenserpräsident Abbas): Neue Vorwürfe
DPA

Politiker Netanjahu, Obama (2010 mit Palästinenserpräsident Abbas): Neue Vorwürfe


Jerusalem/Washington - Der diplomatische Hickhack zwischen Israel und den USA wird immer abstruser. Jetzt hat Jerusalem die amerikanische Darstellung zurückgewiesen, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu habe sich nicht um ein Treffen mit Präsident Barack Obama in Washington bemüht. Die eigentlich schon beigelegte diplomatische Verstimmung wächst sich damit nun doch zu einem echten Eklat aus.

"Wir haben um eine Begegnung am Rande der Uno-Vollversammlung in New York gebeten und auch angeboten, dass der Ministerpräsident dafür nach Washington kommen könnte", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter in Jerusalem am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Die Anfrage wurde aber offenbar negativ beschieden.

Das Weiße Haus hatte dagegen in der Nacht mitgeteilt: "Es hat nie eine Bitte um ein Treffen von Regierungschef Netanjahu mit Präsident Obama in Washington gegeben und ein solches Treffen ist auch niemals abgelehnt worden."

Beide Seiten bestätigten immerhin, dass Obama und Netanjahu in der Nacht eine Stunde lang telefoniert hätten. Dabei sei es auch um die Bedrohung durch das iranische Atomprogramm und die amerikanisch-israelische Zusammenarbeit in dieser Frage gegangen. Damit schien der Konflikt zwischen den offiziell freundschaftlich gestimmten Ländern eigentlich entschärft. Dass Jerusalem nun nachlegt und die Amerikaner indirekt der Lüge bezichtigt, ist aus Diplomatensicht ein äußerst bemerkenswerter Vorgang.

Klare Worte des israelischen Premiers

Der Hintergrund: Am Dienstag war bekannt geworden, dass Obama den israelischen Premier bei dessen US-Besuch Ende September nicht treffen wird. Offiziell sprach die US-Regierung von Termingründen, die eine persönliche Begegnung unmöglich machten.

Es gibt jedoch auch eine andere Lesart. Netanjahu hatte zuletzt in ungewöhnlich scharfer Form die USA kritisiert. Ihm geht es vor allem um die Weigerung der Amerikaner, im Atomstreit mit Iran der Regierung in Teheran klare Grenzen aufzuzeigen. "Jene in der internationalen Gemeinschaft, die sich weigern, Iran rote Linien zu ziehen, haben kein moralisches Recht, Israel rotes Licht zu zeigen", sagte er. Seine Worte wurden als Hinweis auf einen möglichen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen gesehen.

jok/dpa



insgesamt 33 Beiträge
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BettyB. 12.09.2012
1. Tja, die Werbetrommel
Die israelische Wahlkampfmaschine für die Republikaner läuft auf Hochtouren. Bleibt nur die Hoffnung auf Vernunft...
zyrte1 12.09.2012
2. Selbstüberschätzung
Es wird langsam peinlich mit an zusehen wie sich einige israelische Politiker selbst lächerlich machen. Schon die Meldung, daß Israel ein Mitspracherecht bei deutschen Waffendeals verlagt ist entweder Realsatir oder Ausdruck grenzenoser Selbstüberschtzung. In einem hat Netanjahu recht: Man sollte dem Iran in seinem Bemühen um Atomwaffen rote Linien ziehen, aber dann bitteschön anderen Staaten inkl. Israel auch!
b.oreilly 12.09.2012
3.
Zitat von BettyB.Die israelische Wahlkampfmaschine für die Republikaner läuft auf Hochtouren. Bleibt nur die Hoffnung auf Vernunft...
naja, bei 6,1 Millionen Bürger jüdischen Glaubens, also gerade mal 2 Prozent der US-Bevölkerung ist das eigentlich zu vernachlässigen. Zudem hindert doch niemand Obama daran, sich mit Netanjahu zutreffen. Wer weiß, was sich das Obama-Wahlkampfteam von der Absage für Vorteile erhofft?
DennisFfm 12.09.2012
4. rote linien, rotes licht
netanjahu scheint wirklich nur noch rot zu sehen. er würde gut daran tun der gesamten nahost-problematik inklusive iran und auch den usa sachlich zu begegnen.
psypunk 12.09.2012
5.
Zitat von sysopREUTERSEigentlich schien der diplomatische Eklat zwischen den USA und Israel schon abgewendet, doch nun weist ein hoher Beamter in Jerusalem die offizielle Version der Amerikaner zurück. Premier Netanjahu habe sich sehr wohl um ein Treffen mit US-Präsident Obama bemüht - vergeblich. Eklat Israel-USA: Netanjahu bat vergeblich um Treffen mit Obama - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855364,00.html)
Das beweist, daß rechtsgerichtete Politiker sehr viel häufiger oberpeinlich sind...
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