Terror in Texas Attentäter von El Paso droht Todesstrafe

Die Ermittler stufen den Anschlag von El Paso als inländischen Terrorismus ein. Der Bezirksstaatsanwalt will für den Attentäter die Todesstrafe fordern.

Ein Kind bei einer Mahnwache in Ciudad Juarez, der mexikanischen Nachbarstadt El Pasos
AFP

Ein Kind bei einer Mahnwache in Ciudad Juarez, der mexikanischen Nachbarstadt El Pasos


Nach dem Massaker in einem Einkaufszentrum im texanischen El Paso gehen die Ermittler von inländischem Terrorismus aus. Das sagte der US-Bezirksstaatsanwalt in El Paso, John Bash. Die Behörden seien entschlossen, rasch für Gerechtigkeit zu sorgen. Das US-Justizministerium erwägt, den Anschlag von El Paso als Hassverbrechen einzustufen - damit würde dem Attentäter die Todesstrafe drohen.

Noch weiter ging der örtliche Bezirksstaatsanwalt Jaime Esparza: Er erklärte bereits, der Bundesstaat Texas werde die Todesstrafe fordern.

Bei dem Massaker in der Grenzstadt El Paso im US-Bundesstaat Texas waren 20 Menschen getötet worden, 26 weitere wurden verletzt. Laut "New York Times" war es bereits die 32. Schusswaffen-Attacke mit mehr als drei Toten in den USA in diesem Jahr - und die dritte innerhalb einer Woche.

Online-Manifest deutet auf Hassverbrechen hin

Der Täter ist offiziellen Angaben zufolge ein 21-jähriger Weißer aus dem texanischen Allen, das mehr als 930 Kilometer Luftlinie von El Paso entfernt liegt, sein Name ist Patrick C. Aufzeichnungen der Überwachungskameras zeigen, wie der mutmaßliche Täter den Supermarkt betritt, er trägt eine Khakihose, ein schwarzes T-Shirt, Kopfhörer und ein Gewehr.

Er hatte vor seiner Tat offenbar ein Online-Manifest verfasst, das auf ein Hassverbrechen hindeutet. Laut "New York Times" wurde es 19 Minuten vor dem ersten Notruf aus dem Supermarkt veröffentlicht. Ob es tatsächlich vom mutmaßlichen Täter verfasst wurde, ist bisher jedoch nicht bestätigt.

Dem Manifest zufolge ist "dieser Angriff eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas." Außerdem ist darin von einem "Bevölkerungsaustausch" die Rede, einer bei Rechtsextremen beliebten Verschwörungstheorie. Der Verfasser bezieht sich außerdem auch auf den rechtsextremen Anschlag im neuseeländischen Christchurch im März und erklärt, dass "sowohl Demokraten als auch Republikaner uns seit Jahrzehnten im Stich gelassen haben" und er diese Ansichten bereits vor der Präsidentschaft von Donald Trump vertreten habe.

US-Präsident Trump bezeichnete den Anschlag als "Akt der Feigheit" und verurteilte diese "hasserfüllte Tat" auf Twitter. Er ließ die Flaggen am Weißen Haus und anderen Regierungsgebäuden auf halbmast setzen.

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke, der aus El Paso stammt, machte dagegen Trump für das Massaker verantwortlich. "Er ist ein Rassist, und er schürt den Rassismus in diesem Land", sagte O'Rourke nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus von El Paso.

Die Zahl der Hassverbrechen sei während der Präsidentschaft Donald Trumps, der "Mexikaner als Vergewaltiger und Kriminelle" bezeichne, gewachsen.

Biden will "Epidemie von Waffengewalt" beenden

Auch Pete Buttigieg, Bürgermeister aus dem Bundesstaat Indiana und ebenfalls Kandidat im Rennen um die US-Präsidentschaft, erklärte, Amerika werde von heimischem Terrorismus weißer Nationalisten angegriffen.

Ex-Vizepräsident und Präsidentschaftsanwärter Joe Biden schrieb auf Twitter, "es ist höchste Zeit, aktiv zu werden und diese Epidemie von Waffengewalt zu beenden".

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El Paso: Massaker im Supermarkt

Zwischen dem Anschlag von El Paso und der Schusswaffen-Attacke am Samstagabend in Ohio besteht nach derzeitigem Kenntnisstand kein Zusammenhang. Im Unterschied zu El Paso hat die Polizei in Dayton im US-Bundesstaat Ohio noch keine Angaben zum Täter oder seinem möglichen Motiv gemacht. Der Mann tötete neun Menschen und wurde darauf von der Polizei erschossen.

ene/mfh/AP/dpa



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