Deutsches Opfer bei US-Anschlag Bundesanwaltschaft ermittelt nach Massaker in El Paso

Bei dem Attentat in einem Supermarkt in El Paso wurden 22 Menschen getötet. Unter den Opfern ist auch ein deutscher Staatsbürger. Deshalb beschäftigt sich der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mit dem Fall.

Gedenken in El Paso: 22 Menschen wurden in einem Supermarkt getötet
Mark RALSTON /AFP

Gedenken in El Paso: 22 Menschen wurden in einem Supermarkt getötet


Nach dem Massaker in El Paso mit 22 Toten ermittelt die Polizei im US-Bundesstaat Texas wegen Mordes und eines Hassverbrechens. Auch die deutsche Bundesanwaltschaft hat nun Ermittlungen in dem Fall aufgenommen, wie eine Sprecherin bestätigte. Das werde in diesen Fällen immer so gehandhabt, wenn es deutsche Opfer gebe. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" darüber berichtet.

Unter den Toten fanden die Sicherheitskräfte auch den deutschen Staatsbürger Alexander H., der nach SPIEGEL-Informationen schon seit den 80er Jahren in Mexiko lebte und dort auch verheiratet war. Nach der Blut-Tat hielten die Behörden den 66-jährigen zunächst für einen Mexikaner, da er einen entsprechenden Führerschein bei sich trug.

Erst nach intensiven Kontakten mit dem deutschen Generalkonsulat gelang es, die Identität festzustellen. Die deutschen Behörden bemühen sich nun herauszufinden, ob H. noch über Kontakte in seine alte Heimat verfügte. Seine nahen Angehörigen leben nach SPIEGEL-Informationen in Mexiko. H. war demnach mit einer mexikanischen Frau verheiratet.

Der Generalbundesanwalt eröffnete routinemässig ein Ermittlungsverfahren, da US-Präsident Donald Trump den Vorfall als Terror-Akt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit tituliert hatte. Folglich werden die Ermittler versuchen, an weitere Informationen ihrer US-Kollegen zu kommen.

Am Samstag hatte ein Mann in einem Einkaufszentrum in der Grenzstadt El Paso 22 Menschen erschossen, weitere 26 Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen. Die Ermittler vermuten ein rassistisches Motiv. 13 Stunden später tötete ein 24-Jähriger in Dayton im Bundesstaat Ohio neun Menschen, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Das Motiv für die Tat ist bislang unklar.

Präsident reist nach Texas

US-Präsident Trump wird El Paso am Mittwoch besuchen, wie Bürgermeister Dee Margo bekannt gab. Trump hatte nach den Massakern ungewohnt deutlich Rassismus und die Ideologie weißer Vorherrschaft verurteilt. "Diese finsteren Ideologien müssen besiegt werden. Hass hat keinen Platz in Amerika", sagte Trump in einer Fernsehansprache in Washington. Allerdings werfen Kritiker dem Präsidenten vor, selbst mit seiner aggressiven Rhetorik Hass zu schüren und Gewalt zu begünstigen.

Die Attacken vom Wochenende haben erneut zu einer Debatte über das lockere Waffenrecht in den USA geführt. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador forderte am Montag schärfere Waffengesetze in den USA: Das Land müsse den "wahllosen Verkauf von Waffen kontrollieren".

Weder die US-Republikaner noch die Demokraten hätten genug getan, um Menschen vor Schusswaffenangriffen zu schützen. "Wenn wir die Dinge objektiv betrachten, müssen wir sagen, dass die zwei wichtigen US-Parteien sich wenig um Waffenkontrolle gekümmert haben", so der mexikanische Präsident.

asc/mgb/dpa

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