El Paso Terror in Texas - die Fakten

20 Menschen sind tot, 26 verletzt: Ein mutmaßlich rechtsextremer Attentäter hat im texanischen El Paso ein Blutbad angerichtet. Was über die Tat und den Angreifer bekannt ist.

AFP

Bei einem Massaker in der Grenzstadt El Paso im US-Bundesstaat Texas sind 20 Menschen getötet worden. 26 weitere wurden verletzt. Am selben Tag erschoss ein Schütze in der Stadt Dayton in Ohio neun Menschen. Die "New York Times" schreibt, es sei bereits die 32. Schusswaffen-Attacke mit mehr als drei Toten in den USA in diesem Jahr. Es ist außerdem die dritte innerhalb einer Woche.

Die Polizei in Texas ermittelt wegen Mordes - und eines Hassverbrechens. Politiker diskutieren, ob US-Präsident Donald Trump durch seine rassistischen Äußerungen mit für die Tat verantwortlich ist. Die Fakten:

Was ist geschehen?

Am Samstagvormittag hat ein Schütze das Feuer in einem Walmart-Einkaufszentrum in El Paso eröffnet. Augenzeugen zufolge fielen die ersten Schüsse gegen 10.30 Uhr (Ortszeit). Laut Zeugen feuerte der Schütze scheinbar wahllos auf seine Opfer. Panische Einkäufer flüchteten sich in nahe Geschäfte, viele verbarrikadierten sich. Blutende Opfer lagen reglos auf dem Straßenpflaster. Nach Angaben der Polizei waren zum Tatzeitpunkt 1000 bis 3000 Menschen in der Mall. Sie liegt nur zehn Minuten von einer Brücke entfernt, die in die mexikanische Partnerstadt Ciudad Juárez führt und wird vor allem von Lateinamerikanern besucht. Der mutmaßliche Täter wurde festgenommen.

Wer sind die Opfer?

20 Menschen kamen bei der Tat ums Leben, 26 weitere wurden verletzt. Laut CNN ist der älteste Verletzte 82 Jahre alt. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador teilte in einer Videobotschaft mit, unter den Toten seien drei Mexikaner. Nach Angaben des mexikanischen Außenministeriums wurden sechs weitere Mexikaner verletzt, darunter ein zehnjähriges Mädchen.

Wer ist der mutmaßliche Schütze?

Nach offiziellen Angaben handelt es sich um einen 21-jährigen Weißen aus dem texanischen Allen, einer Stadt nördlich von Dallas, mehr als 930 Kilometer Luftlinie und eine etwa 10-stündige Autofahrt von El Paso entfernt. Sein Name ist Patrick C. Überwachungsvideos zeigen den mutmaßlichen Täter, wie er den Supermarkt betritt. Er trägt eine Khakihose, ein schwarzes T-Shirt, Kopfhörer - und ein Gewehr.

Vor seiner Tat hatte er offenbar ein Online-Manifest verfasst, das auf ein mögliches Hassverbrechen hindeutet. Es wurde laut "New York Times" 19 Minuten vor dem ersten Notruf aus dem Walmart veröffentlicht. Ob es tatsächlich von dem mutmaßlichen Täter verfasst wurde, ist aber noch nicht bestätigt. US-Medien verbreiteten außerdem ein Foto von C.s mutmaßlicher Facebook-Seite, auf der "TRUMP" zu lesen ist - buchstabiert mit neun auf dem Boden ausgelegten Waffen.

Was steht in dem Online-Manifest?

In dem Pamphlet heißt es: "Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas." Außerdem ist darin von einem "Bevölkerungsaustausch" ("the great replacement") die Rede - einer bei Rechtsextremisten beliebten Verschwörungstheorie. Die "unangenehme Wahrheit" sei, dass "sowohl Demokraten als auch Republikaner uns seit Jahrzehnten im Stich gelassen haben", heißt es darin, wie Medien berichten. In dem Schriftstück beziehe sich der Verfasser auch auf den rechtsextremen Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März. In seinem Manifest schrieb der mutmaßliche Angreifer, seine Ansichten habe er bereits vor der Präsidentschaft von Donald Trump vertreten.

Was bedeutet das für die Ermittlungen?

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, kündigte an, die Strafverfolgung werde sich nicht nur auf den Vorwurf des Mordes, sondern auch auf den eines Hassverbrechens konzentrieren. Das FBI untersucht, ob das Manifest tatsächlich von dem mutmaßlichen Täter stammt.

Wie reagieren Politiker?

Trump sprach von einem "Akt der Feigheit" und verurteile diese "hasserfüllte Tat" in einem Tweet. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke, der aus El Paso stammt, machte Trump für die Attacke mitverantwortlich. "Er ist ein Rassist, und er schürt den Rassismus in diesem Land", sagte O'Rourke nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus in El Paso. Die Zahl der Hassverbrechen sei während der Regierungszeit Trumps, der "Mexikaner als Vergewaltiger und Kriminelle" bezeichne, gewachsen.

Auch Pete Buttigieg, Bürgermeister aus dem Bundesstaat Indiana und ebenfalls Kandidat im Rennen um die US-Präsidentschaft, erklärte, Amerika werde von heimischem Terrorismus weißer Nationalisten angegriffen.

Der demokratische Präsidentschaftsanwärter Joe Biden schrieb auf Twitter, "es ist höchste Zeit, aktiv zu werden und diese Epidemie von Waffengewalt zu beenden".

Gibt es einen Zusammenhang mit der Tat in Ohio?

Nach jetzigem Kenntnisstand besteht kein Zusammenhang zwischen dem Angriff am Samstagvormittag in Texas und der Schusswaffen-Attacke am Samstagabend in Ohio. Anders als in El Paso hat die Polizei in Dayton noch keine Angaben zum Täter oder seinem möglichen Motiv gemacht. Der Mann tötete neun Menschen und wurde darauf von der Polizei erschossen.

mfh



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