Reaktion auf Attacke Mexiko prüft Auslieferungsgesuch gegen Attentäter von El Paso

Die Regierung in Mexiko-Stadt erwägt nach dem Blutbad von El Paso, Anzeige wegen Terrorismus zu erstatten: Dabei geht es um mögliche Auslieferung - und die Frage, wie der Schütze an seine Waffe gekommen ist.

Polizisten sperren den Bereich des Tatorts ab: Was wird aus dem Mörder von El Paso?
John Locher/ AP

Polizisten sperren den Bereich des Tatorts ab: Was wird aus dem Mörder von El Paso?


Das Massaker in einem Ladenkomplex im texanischen El Paso mit mindestens 20 Toten beschäftigt auch die internationale Politik auf höchster Ebene. Mexiko erwägt, ein Auslieferungsgesuch gegen den mutmaßlichen Schützen einzuleiten. "Wir werten diese Tat als einen Terroranschlag auf die mexikanisch-amerikanische Gemeinde und die mexikanischen Landsleute in den Vereinigten Staaten", sagte Mexikos Außenminister Marcelo Ebrard am Sonntag.

Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft prüfe, ob sie Anzeige wegen Terrorismus gegen Mexikaner in den USA erstatte, sagte Ebrard. Dadurch würden die mexikanischen Strafverfolgungsbehörden Zugang zu den Ermittlungen in den USA erhalten. Zudem werde die Regierung rechtliche Schritte gegen denjenigen einleiten, der dem mutmaßlichen Täter die Tatwaffe verkauft hat, kündigte der Außenminister an.

"Die Frage nach der Waffe ist entscheidend", sagte Ebrard: "Mexikanische Staatsbürger haben ihr Leben verloren, und das zwingt uns zu den entsprechenden rechtlichen Schritten mit Blick auf Waffen." Dabei ginge es auch um die Frage, ob die US-Behörden vom Erwerb der Waffe durch den späteren Schützen gewusst hätten.

Am Samstag hatte ein Mann in einem Einkaufszentrum in der Grenzstadt El Paso das Feuer eröffnet. Unter den 20 Todesopfern waren nach Angaben des mexikanischen Außenministeriums auch sechs Mexikaner. El Paso liegt direkt an der Grenze zu Mexiko, gegenüber der Stadt Ciudad Juárez. Viele Mexikaner kreuzen täglich die Grenze, um in den USA zu arbeiten oder einzukaufen. Zudem leben viele Mexikaner in der Grenzstadt.

Veröffentlichte der Täter vor seinen Morden einen Text?

Die Ermittler in den USA stuften das Massaker als inländischen Terrorismus ein. Die Generalstaatsanwaltschaft erwägt eine Anklage wegen Hassverbrechen gegen den Verdächtigen. Zuletzt wurde noch geprüft, ob er vor der Tat ein "Manifest" verfasste, das im Internet gefunden wurde. In dem Pamphlet hieß es unter anderem: "Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas." Dem Täter könnte die Todesstrafe drohen.

Mexikos Vize-Außenminister Jesús Seade, verurteilte den offenbar rassistisch motivierten Angriff. "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt", schrieb er auf Twitter. Und weiter: "Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss komplett beendet werden."

Das ist als deutliche Ansage an Donald Trump zu werten: War es doch der US-Präsident, der sich in den vergangenen Wochen mehrfach massiv rassistisch geäußert hatte.

jok/dpa/Reuters



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