Reaktion auf Attacke in El Paso Mexiko verbittet sich weitere rassistische Rhetorik

Die mexikanische Regierung spricht nach dem Terroranschlag im texanischen El Paso von "fremdenfeindlicher Barbarei". Der Vize-Außenminister lässt keinen Zweifel daran, wen er für den Anstifter hält.

Blumen am Tatort: 20 Menschen wurden in einem Walmart in El Paso erschossen
REUTERS/Jose Luis Gonzalez

Blumen am Tatort: 20 Menschen wurden in einem Walmart in El Paso erschossen


Einen Tag nach dem Massaker in einem Walmart-Einkaufszentrum im texanischen El Paso hat die mexikanische Regierung die Tat scharf kritisiert. "Wir verurteilen diese barbarische Tat, bei der unschuldige Mexikaner getötet wurden", sagte Außenminister Marcelo Ebrard in einer auf Twitter veröffentlichten Videobotschaft. Zudem kündigte er rechtliche Schritte zum Schutz der in den Vereinigten Staaten lebenden Mexikaner an.

Am Samstag hatte ein Schütze in einem Einkaufszentrum in der Grenzstadt El Paso das Feuer eröffnet. Unter den 20 Todesopfern waren auch sechs Mexikaner. Neun weitere Mexikaner seien verletzt worden, sagte Außenminister Ebrard.

Auch sein Vize, Jesús Seade, verurteilte den offenbar rassistisch motivierten Angriff: "Solche mutwilligen Taten der fremdenfeindlichen Barbarei haben keinen Platz in der heutigen Welt", schrieb er auf Twitter. Und weiter: "Die Rhetorik, die sie anstachelt, muss komplett beendet werden."

Eine deutliche Ansage an Donald Trump: War es doch der US-Präsident, der sich in den vergangenen Wochen mehrfach massiv rassistisch geäußert hatte.

El Paso liegt direkt an der Grenze zu Mexiko, gegenüber der Stadt Ciudad Juárez. Viele Mexikaner kreuzen täglich die Grenze, um in den USA zu arbeiten oder einzukaufen. Zudem leben viele Mexikaner in der Grenzstadt.

"Er ist ein Rassist"

US-Präsident Trump bezeichnete den Anschlag zwar als "Akt der Feigheit" und verurteilte diese "hasserfüllte Tat". Nach den Massakern in Texas und Ohio ordnete er zudem an, am Weißen Haus und an anderen Regierungsgebäuden US-Flaggen auf halbmast zu setzen.

Doch die Geste wird von vielen als heuchlerisch empfunden: Trumps demokratische Herausforderer machen den US-Präsidenten für die Massaker mitverantwortlich. Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Beto O'Rourke, der aus El Paso stammt, sagte über Trump: "Er ist ein Rassist, und er schürt den Rassismus in diesem Land."

Die Zahl der Hassverbrechen sei während der Präsidentschaft Donald Trumps, der "Mexikaner als Vergewaltiger und Kriminelle" bezeichne, gewachsen.

Ähnlich äußerten sich auch weitere Demokraten, wie etwa Cory Booker, Senator von New Jersey, und Pete Buttigieg, Bürgermeister von South Bend im US-Bundesstaat Indiana.

Merkel spricht von "Gewalt und Hass"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich in einem Kondolenzschreiben an Trump bestürzt über die Bluttaten. "Durch Akte der Gewalt und des Hasses sind Menschen aus dem Leben gerissen, Familien und ganze Städte in Trauer und Leid gestoßen worden. Die Grausamkeit und die Abscheulichkeit dieser Taten bestürzen uns alle zutiefst", heißt es in dem am Sonntagabend verbreiteten Schreiben.

Bewaffnete Angreifer hatten binnen 24 Stunden an zwei verschiedenen Orten in den USA insgesamt 29 Menschen erschossen: Im Einkaufszentrum in El Paso starben 20 Menschen, 26 weitere wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter ergab sich. Die Ermittler stufen den Fall als inländischen Terrorismus ein.

In der Nacht zum Sonntag fielen außerdem in der Stadt Dayton im US-Bundesstaat Ohio Schüsse nahe einer Bar im Zentrum: Neun Menschen starben, 27 weitere wurden nach jüngsten Angaben der Behörden verletzt. Polizisten töteten den Angreifer.


Anmerkung: In einer früheren Version war von drei toten mexikanischen Staatsangehörigen unter den Opfern in El Paso die Rede. Inzwischen ist klar, dass es sechs mexikanische Todesopfer gegeben hat. Wir haben die Textstelle korrigiert.

kry/dpa/AP/Reuters

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