Reaktion auf Bluttaten Trump wünscht sich angeblich USA ohne Hass

"Hass hat keinen Platz in unserem Land" - so kommentiert Donald Trump die Verbrechen in Texas und Ohio. Dabei muss sich der US-Präsident massiven Vorwürfen stellen, eben jenen Hass selbst zu schüren.

Donald Trump: "Leute, die sehr, sehr schwer geisteskrank sind"
Yuri Gripas/ REUTERS

Donald Trump: "Leute, die sehr, sehr schwer geisteskrank sind"


Zunächst hatte er es bei einige wenigen Sätzen auf Twitter belassen - doch nun gibt es eine weiterführende Reaktion von US-Präsident Donald Trump auf die beiden Schusswaffenangriffe mit 29 Opfern im texanischen El Paso und in Dayton (Ohio).

"Hass hat keinen Platz in unserem Land", sagte Trump am Sonntag im US-Bundesstaat New Jersey. "Wir müssen das stoppen. Das geht seit Jahren... und Jahren so in unserem Land", fügte Trump mit Blick auf Schusswaffenattacken hinzu.

Zugleich machte er Geisteskrankheit für die jüngsten Bluttaten mitverantwortlich. "Das ist auch ein Problem mit Geisteskrankheit, wenn man sich die beiden Fälle anschaut", sagte Trump. "Das sind wirklich Leute, die sehr, sehr schwer geisteskrank sind." Für Montag kündigte der Präsident eine weitere Erklärung zu den Bluttaten an.

Immer wieder Ausfälle und Attacken des Präsidenten

Trumps angeblicher Wunsch nach einem Land ohne Hass lässt sich nur schwer mit seinen eigenen Entgleisungen der Vergangenheit zusammenbringen. So forderte der Präsident zuletzt vier demokratische Kongressabgeordnete dazu auf, in ihre "von Verbrechen verseuchten" Heimatländer zurückzukehren - und das, obwohl die Frauen bis auf eine Ausnahme in den USA geboren wurden. Er schritt nicht ein, als auf einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina die Menge vor ihm brüllte: "Schick sie zurück."

Immer wieder attackiert er zudem pauschal Menschen aus Mexiko und anderen Staaten Mittel- und Südamerikas als kriminelle Invasoren. Nach den Vorfällen von Charlottesville 2017, bei denen rechtsextreme Gruppen marschiert waren und eine Gegendemonstrantin getötet wurde, hatte Trump von "guten Leuten" auf beiden Seiten gesprochen.

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El Paso: Massaker im Supermarkt

Vor einigen Tagen startete er schließlich eine Kampagne gegen den schwarzen Kongressabgeordneten Elijah Cummings. Die Stadt Baltimore, die in Teilen zu Cummings' Wahlbezirk gehört, bezeichnete Trump als "ekelhaft, von Ratten befallen" und als einen Ort, "an dem kein menschliches Wesen" leben wolle. Von verschiedenen Seiten wurden Trump nach diesem Angriff rassistische Tendenzen vorgeworfen.

Aus dem Lager seiner politischen Gegner kommen dann nach den jüngsten Schusswaffenattacken auch deutliche Vorwürfe in Richtung des amtierenden Präsidenten. Der demokratische Bewerber für das Weiße Haus Beto O'Rourke, der aus El Paso stammt, machte Trump für die Attacke mitverantwortlich. "Er ist ein Rassist, und er schürt den Rassismus in diesem Land", sagte O'Rourke nach einem Besuch von Verletzten in einem Krankenhaus in El Paso.

Ähnlich äußerte sich Cory Booker, der ebenfalls für seine demokratische Partei 2020 als Präsidentschaftskandidat antreten möchte. "Donald Trump trägt die Verantwortung", sagte Booker am Sonntag im Fernsehsender CNN: "Er benutzt selbst die Sprache des Hasses."

Behörden sprechen von "inländischem Terrorismus"

Die beiden Schusswaffenangriffe hatten die USA am Wochenende innerhalb weniger Stunden erschüttert. In einem Einkaufszentrum in der texanischen Grenzstadt El Paso erschoss ein Schütze 20 Menschen und verletzte 26 Menschen. 13 Stunden später tötete ein Mann im Bundesstaat Ohio neun Menschen, 27 weitere wurden verletzt.

Den Angriff in Texas betrachten die Justizbehörden als "inländischen Terrorismus". Der Täter könnte laut Staatsanwaltschaft wegen eines "Hassverbrechens" angeklagt werden, ihm droht demnach die Todesstrafe. Der mutmaßliche Schütze von Dayton wurde von der Polizei erschossen. Sein Motiv ist unklar.

Sechs der 20 Todesopfer in El Paso waren mexikanische Staatsbürger, wie Mexikos Präsident Andres Manuel Lopez Obrador am Sonntag mitteilte. Er sprach bei einer öffentlichen Zeremonie im mexikanischen Bundesstaat Michoacan.

jok/dpa

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