Anschlag mit 22 Toten Was wir über den mutmaßlichen Schützen von El Paso wissen

Wer ist der Verdächtige von El Paso? Patrick C. wuchs offenbar zehn Autostunden vom Tatort entfernt auf. Er ließ sich ohne Gegenwehr festnehmen. Seine Großeltern beten für die Opfer des Massakers.

Zwei Frauen trauern vor dem Einkaufszentrum in El Paso, in dem 20 Menschen erschossen wurden
Larry W Smith/ EPA-EFE/ REX

Zwei Frauen trauern vor dem Einkaufszentrum in El Paso, in dem 20 Menschen erschossen wurden


Zwei Bilder kursieren in den sozialen Netzwerken vom Angriff des Schützen von El Paso. Sie zeigen einen schlanken, weißen Mann mit schwarzem T-Shirt und einer beigefarbenen Hose beim Betreten des Walmart-Einkaufszentrums in der Stadt. In den Händen hält er eine Waffe, er trägt einen Gehörschutz.

Der lokale TV-Sender KTSM News veröffentlichte die Aufnahmen, die offenbar von einer Überwachungskamera stammen und inzwischen offiziell bestätigt sind. Kurz nach der Aufnahme soll der Mann im schwarzen T-Shirt im Einkaufszentrum das Feuer eröffnet und 20 Menschen getötet haben, viele weitere wurden verletzt. Zwei weitere Opfer starben am Montag laut Polizei im Krankenhaus.

Sechs Minuten dauerte es nach offiziellen Angaben, bis Polizisten am Tatort eintrafen. Den mutmaßlichen Täter, später identifiziert als Patrick C., fanden sie vor dem Gebäude in einem Auto. CNN zufolge stieg er aus dem Wagen, als die Einsatzkräfte näher kamen, und ließ sich ohne Gegenwehr festnehmen. Warum er zuvor das Feuer eingestellt und den Tatort verlassen hatte, ist unklar.

El Pasos Polizeichef Greg Allen sagte, der Verdächtige sei kooperativ und gebe bereitwillig Auskunft. Die Ermittler stufen das Massaker als inländischen Terrorismus ein. Man erwäge, eine Anklage wegen Hassverbrechens gegen den Verdächtigen zu erheben, sagte John Bash von der Generalstaatsanwaltschaft am Sonntag. Patrick C. könnte in dem Fall zur Todesstrafe verurteilt werden (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier).

Vor sechs Wochen bei Großeltern ausgezogen

Vor einer Woche soll Patrick C. 21 Jahre alt geworden sein. Er stammt aus Allen, einem Vorort von Dallas. Allen und El Paso trennt eine etwa zehnstündige Autofahrt, den Ermittlern zufolge soll Patrick C. keine Kontakte nach El Paso gehabt haben. In dem Walmart der Stadt, in der viele Einwanderer leben, sollen viele von ihnen eingekauft haben - ebenso wie Mexikaner, die dafür über die Grenze kamen.

Über Patrick C.s Familie ist wenig bekannt. "USA Today" zufolge arbeitet der Vater des Verdächtigen als Therapeut. Zuletzt soll er einen Mann betreut haben, der von einem geistig Verwirrten angeschossen worden war. Der Tatverdächtige soll 2017 die Highschool abgeschlossen haben und sich beim Collin College eingeschrieben haben. Laut der Hochschule blieb er bis zum Frühjahr 2019 dort. Die Leitung der Hochschule veröffentlichte auf Twitter ein Statement, in dem sie den Opfern der Tat und den Angehörigen ihr Mitgefühl aussprach und angab, mit den Ermittlern kooperieren zu wollen.

Während seiner Zeit an der Hochschule soll Patrick C. bei seinen Großeltern gelebt haben. Sie gaben an, der 21-Jährige sei vor sechs Wochen bei ihnen ausgezogen. "Wir sind wegen der Geschehnisse in El Paso am Boden zerstört", ließen sie in einem Statement mitteilen, das ein Freund der Familie vor Reportern verlas. "Wir beten für die Opfer dieser Tragödie", hieß es darin. Die Medien baten sie, ihre Privatsphäre zu respektieren.

Zum Motiv des Tatverdächtigen kursiert ein Schreiben, das etwa 20 Minuten vor der Tat anonym bei 8chan veröffentlicht worden war und Patrick C. zugeschrieben wird. Der Anschlag wird darin als "Antwort auf die Invasion spanischsprachiger Menschen in Texas" bezeichnet. Es drückt auch Sympathien für den Attentäter von Christchurch in Neuseeland aus, der in zwei Moscheen 51 Menschen erschossen hatte. Außerdem heißt es darin: "Ich werde heute vermutlich sterben."

vks/AP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.