Elfenbeinküste Belagerte Stadt angeblich von Regierungstruppen eingenommen

Die Unruhen im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste dauern an. In der von Aufständischen besetzten Stadt Bouake kam es in der Nacht erneut zu Schießereien.


Unruhen: Regierungstruppen dringen offenbar in Bouake ein
AFP

Unruhen: Regierungstruppen dringen offenbar in Bouake ein

Nairobi/Abidjan - Der Aufstand im ehemals stabilsten Land Westafrikas hatte letzte Woche nahezu zeitgleich in drei Städten begonnen. Die ivorische Regierung hatte bereits am Donnerstag erklärt, sie habe die Kontrolle über den größten Teils des Landes wiedergewonnen. Die Putschisten hielten jedoch die Städte Bouake und Korogho.

Fünf Tage nach dem Beginn der Unruhen gibt es widersprüchliche Berichte über eine Regierungsoffensive in Bouake: Die Regierungstruppen sind nach Angaben des staatlichen Rundfunks in die Stadt eingedrungen. Der Sender beruft sich auf die Angaben eines Militärsprechers.

Die abtrünnigen Soldaten betonten hingegen im Rundfunk, die Stadt sei keinesfalls von Regierungstruppen angegriffen oder gar zurückerobert worden.

Mittlerweile sind die Ziele der Aufständischen unklar: Zunächst hatte es geheißen, es handle sich um einen Putschversuch. Dann wurde vermutet, dass die Meuterer ihre Wiedereingliederung in die verkleinerte Armee forderten. Die Regierung machte als Drahtzieher Ex-Juntachef, General Robert Guei, für die Rebellion verantwortlich. Er kam während der Unruhen ums Leben. Am Wochenende hatte die Regierung erneut außerdem indirekt das nördliche Nachbarland Burkina Faso beschuldigt, die Aufständischen zu unterstützen. Burkina Faso hatte daraufhin am Montag seine Grenze zur Elfenbeinküste geschlossen.

Um den Konflikt zwischen den beiden Staaten zu entschärfen, hat Gabun nun den ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo für Donnerstag zu einer Sonderkonferenz in Marrakesch eingeladen, wo die Lage in der Elfenbeinküste erörtert werden soll. Die Initiative geht auf den Präsidenten Gabuns, Omar Bongo, zurück. Eingeladen wurden auch die Präsidenten von Burkina Faso, Togo und Senegal.

Rund 200 französische Soldaten verstärken seit Sonntag das ständige französische Kontingent von rund 500 Militärs in der Elfenbeinküste. Die Truppen, die Paris aus anderen Stützpunkten Westafrikas dorthin verlagert hat, wurden in der Verwaltungshauptstadt Yamoussoukro stationiert.

Zum Schutz der Amerikaner sendeten die USA 200 Soldaten in das westafrikanische Land. Das berichtete der Nachrichtensender "CNN". Die Soldaten seien auf Bitten des US-Botschafters entsandt worden, um die Sicherheit der etwa 2000 Amerikaner in dem Land zu garantieren.



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