Elfenbeinküste Ein Toter bei Auseinandersetzungen vor Stichwahl

Gewalt überschattet die Stichwahl um das Präsidentenamt in der Elfenbeinküste: Vor dem entscheidenden Wahlgang am Sonntag hat ein Anhänger des Herausforderers Alassane Ouattara einen Sympathisanten von Amtsinhaber Laurent Gbagbo erstochen.

Wahlkampfveranstaltung in Abidjan: Stichwahl am Sonntag
AP

Wahlkampfveranstaltung in Abidjan: Stichwahl am Sonntag


Abidjan - Die Elfenbeinküste kommt nicht zur Ruhe: Drei Tage vor der Stichwahl um das Amt des Präsidenten in dem westafrikanischen Land ist bei Zusammenstößen zwischen Anhängern des amtierenden Staatschefs und des Oppositionskandidaten ein Mensch getötet worden. In der Stadt Bayoto im Westen des Landes sei ein Sympathisant von Präsident Laurent Gbagbo von einem Unterstützer seines Herausforderers, dem früheren Regierungschef Alassane Ouattara, erstochen worden, sagte ein Vertreter der Stadt.

Bayoto gilt als Hochburg der Unterstützer Gbagbos. Die Polizei nahm einer unabhängigen Quelle zufolge vier Menschen fest, darunter den mutmaßlichen Täter. Dem Offiziellen zufolge war ein Konflikt ausgebrochen, weil ein Anhänger Ouattaras ein Gbagbo-Wahlplakat zerstört hatte.

Zwischen Anhängern des Präsidenten und des Oppositionskandidaten kommt es seit gut einer Woche immer wieder zu Gewalt. Im ersten Wahlgang Ende Oktober hatte weder Gbagbo noch Ouattara die absolute Mehrheit errungen. Ouattara und der frühere Präsident Henri Konan Bédié prangerten nach dem Wahlgang Unregelmäßigkeiten an und forderten eine Neuauszählung. Ihre Beschwerden gingen nach Angaben der Wahlkommission allerdings nicht rechtzeitig ein.

Bei der Stichwahl am Sonntag wird ein knapper Ausgang erwartet. Wegen der angespannten Lage in dem Land wollen die Vereinten Nationen das Kontingent an Blauhelmsoldaten aufstocken. In einer Resolution wurde die vorübergehende Entsendung von bis zu drei Infanteriekompanien und zwei Hubschraubern von der UN-Mission in Liberia in die Elfenbeinküste für vier Wochen gebilligt. Zudem rief der UN-Sicherheitsrat die Parteien zu Zurückhaltung auf.

In der erste Runde der Wahlen am 31. Oktober hatte Gbagbo 38 Prozent der Stimmen bekommen, Ouattara 32 Prozent. Es waren die ersten Wahlen seit der Teilung des Landes 2002.

Den zumeist muslimischen Norden kontrollieren Rebellen, die Regierung herrscht im Süden und wird von den Christen unterstützt. Seit einer Friedensvereinbarung 2007 sind die Rebellen auch an der Verwaltung des Landes beteiligt. Die tiefe Zerrissenheit des Landes ist aber geblieben.

ulz/AFP/dapd



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