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04. April 2011, 20:08 Uhr

Elfenbeinküste

Entscheidungsschlacht um Abidjan

Frankreich lässt seine Staatsbürger evakuieren, die Uno fliegt ihre Mitarbeiter aus. Der blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste geht offenbar in die entscheidende Phase: Die Truppen des gewählten Präsidenten Ouattara kündigten den Beginn einer Schlussoffensive um die Metropole Abidjan an.

Abidjan - Innerhalb von vier Tagen haben die Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara fast das ganze Land unter ihre Kontrolle gebracht. Jetzt soll auch die letzte vom bisherigen Amtsinhaber Laurent Gbagbo gehaltene Bastion in der Elfenbeinküste fallen: Ouattaras Regierungssprecher Sidiki Konaté kündigte eine Schlussoffensive im Kampf um die Wirtschaftsmetropole Abidjan an.

Die Truppen hätten am Montagnachmittag an vier Fronten Angriffe gestartet. Man habe genaue Informationen über die Anzahl der Panzer von Gbagbos Einheiten. Ziel seien die Stadtviertel Plateau im Zentrum und Cocody im Norden. Im Bezirk Plateau befindet sich der Präsidentenpalast, während im nördlichen Vorort Cocody die Zentrale des Staatsfernsehens und Gbagbos Residenz liegen. Der Kommandeur des Angriffs sagte der Nachrichtenagentur Reuters, 4000 Soldaten stünden für die Offensive bereit. Hinzu kämen 5000 Kämpfer, die bereits in Abidjan seien. Die Einnahme der Stadt könne bis zu zwei Tage dauern.

Ein aus mehreren Dutzend Fahrzeugen bestehender Konvoi mit schwer bewaffneten Soldaten drang nach Augenzeugenberichten in die Metropole ein. Am nördlichen Stadtrand standen weitere Kräfte bereit. AFP-Reporter berichteten, aus Plateau seien Explosionen und Artilleriefeuer zu hören. In beiden Vierteln hatte es bereits in den vergangenen Tagen teils heftige Kämpfe zwischen den Anhängern der beiden rivalisierenden Politiker gegeben.

Gbagbo, der bisherige Staatschef stellte sich auf die Entscheidungsschlacht um Abidjan ein und scharte seine Anhänger um seine Residenz. Er weigert sich, seine Niederlage bei der Präsidentenwahl vom 28. November 2010 anzuerkennen.

Die EU hatte vor Beginn der Offensive einen eindringlichen Appell an die Bürgerkriegsparteien gesandt. In Abidjan und im ganzen Land steige die Gewalt und gebe es immer mehr Todesopfer, mehr als eine Millionen Menschen seien auf der Flucht, erklärte EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva am Montag. "Ich bin alarmiert über Berichte von Menschenjagden und von ethnischen Morden."

Uno und Frankreich starten Evakuierungen

"Im Namen der Menschen, im Namen der Humanität, schützen Sie die Zivilbevölkerung und bewahren Sie die Elfenbeinküste vor einem weiteren Versinken im Bürgerkrieg", appellierte Georgieva an Gbagbo und Ouatarra. Sie warnte vor einem Übergreifen des Dramas auf die Nachbarländer, insbesondere Liberia. "Mehr als 120.000 Menschen flüchten sich in Gebiete, die selbst schon am Rande einer humanitären Krise stehen."

Der Sprecher seines Rivalen Ouattras versicherte, dass die Offensive die Evakuierungsaktionen des Auslands nicht behindern werde. Nach Angaben eines Sprechers der französischen Truppen in dem westafrikanischen Land wurden am Montag rund 250 Ausländer, darunter auch Franzosen, mit vier Flugzeugen nach Dakar im Senegal und nach Lomé im Togo gebracht. Mit einem Sonderflug waren bereits am Sonntag 167 Ausländer nach Dakar und Lomé ausgeflogen worden.

Unbekannte Bewaffnete haben bereits mehrere Menschen entführt, darunter zwei Franzosen. Vier oder fünf Menschen seien aus einem Hotel in Abidjan verschleppt worden, teilte das französische Außenministerium mit. Die französische Botschaft vor Ort tue alles, um die Gekidnappten wiederzufinden.

Die Vereinten Nationen brachten Hunderte Mitarbeiter in Sicherheit. Das Uno-Hauptquartier in Abidjan sei evakuiert worden, teilte die Organisation mit. Bei der Aktion wurden Truppen Gbagbos unter Feuer genommen.

als/AFP/Reuters/dpa

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