Elfenbeinküste Europa verbietet Gbagbo die Einreise

Die Europäische Union setzt Sanktionen gegen den selbsternannten Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, in Kraft. Sowohl er als auch seine Entourage dürfen nicht mehr nach Europa reisen. Seine Anhänger riefen den Kampf bis zum Tod aus. 

AFP

Brüssel - Auf der Liste stehen 19 Namen: Der von Laurent Gbagbo und die von 18 seiner Vertrauten. Für sie hat die Europäische Union ein Einreiseverbot verhängt. Die Entscheidung werde in 24 bis 48 Stunden wirksam werden, sagten EU-Diplomaten am Montag in Brüssel. Schon bald soll der nächste Schritt gegen den selbsternannten Präsidenten der Elfenbeinküste folgen. Die Europäer wollen auch die Konten der 19 Ivorer einfrieren. Die EU setzt damit bereits die vor einer Woche beschlossenen Sanktionen um und reagiert auf die Weigerung Gbagbos zur Machtübergabe in dem westafrikanischen Staat.

Kampf bis zum Tod

Die Anhänger des bisherigen Präsidenten ficht das nicht an. Sie wiesen die Forderungen nach einem Rücktritt entschieden zurück. "Für uns gibt es nur einen Kampf, um sicherzustellen, dass unsere Würde, dass die Souveränität unseres Landes respektiert wird", rief der Anführer der Jungen Patrioten, Charles Blé Goudé, auf einem Treffen der Gruppe am späten Sonntagabend. "Wir bestimmen unseren Präsidenten." Der Kampf dafür sei im Bürgerkrieg 2002 begonnen worden, "und wir sind bereit, dafür zu sterben".

Im Laufe des Tages soll der Uno-Sicherheitsrat zusammentreten, um über eine Verlängerung des Mandats für die Blauhelm-Soldaten in der Elfenbeinküste zu beraten, das Ende des Jahres ausläuft. Die Uno hat Forderungen der Regierung nach einem Abzug dieser Truppen und der Soldaten der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich zurückgewiesen. Aus der Präsidentenwahl am 28. November ging nach Angaben der Wahlkommission Herausforderer Alassane Ouattara als Sieger hervor. Allerdings erklärte der Verfassungsrat - der von einem engen Verbündeten Gbagbos geführt wird - die Abstimmung für ungültig. Gbagbo ließ sich erneut als Staatschef vereidigen. Die internationale Gemeinschaft sieht in Ouattara den neuen rechtmäßigen Präsidenten.

Bei Zusammenstößen von Anhängern beider Seiten sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen. Die Elfenbeinküste produziert etwa 40 Prozent des weltweiten Kakaos. Am Markt wird eine Unterbrechung der Ausfuhren befürchtet. Bislang sind die Bohnen zwar weiter zum Hafen gelangt, es gab jedoch Verzögerungen bei der Abfertigung.

ler/AFP/Reuters

insgesamt 5 Beiträge
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Holzhausbau 20.12.2010
1. Zweierlei Maß
Zitat von sysopDie Europäische Union setzt Sanktionen gegen den selbsternannten Präsidenten der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, in Kraft. Sowohl er als auch seine Entourage dürfen nicht mehr nach Europa reisen. Seine Anhänger riefen den Kampf bis zum Tod aus.* http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,735672,00.html
Komisch, dass die EU Herrn Gbagbo nicht haben will. Die EU ist doch genauso selbsternannt - und keinesfalls demokratisch legitimiert.
hansgp-zind, 20.12.2010
2. Scheinheilig !
Angebrachter wäre es wenn jeder EU-Staat die Diplomaten sofortigst heimschicken würde.
SaT 20.12.2010
3. Gbagbo als Opfer neokolonialer Ambitionen
Es ist vorhersehbar was nun passiert: Gbagbo wird sich nun als Opfer neokolonialer Ambitionen dastellen. Die Frage, ob Wahlen in einem ethnisch so geteiltem Land wie die Cote d'Ivoire, überhaupt Sinn machen oder nicht automatisch zu Unruhen führen (egal wer nun gewinnt) sollte mal diskutiert werden. Im Sudan wird ja bald eine Volksbefragung bezüglich der Abspaltung des Südens stattfinden. Da kann man gespannt sein, welche Folgen dies wieder haben wird.
Darth Manfred 20.12.2010
4. ..
Zitat von SaTEs ist vorhersehbar was nun passiert: Gbagbo wird sich nun als Opfer neokolonialer Ambitionen dastellen. Die Frage, ob Wahlen in einem ethnisch so geteiltem Land wie die Cote d'Ivoire, überhaupt Sinn machen oder nicht automatisch zu Unruhen führen (egal wer nun gewinnt) sollte mal diskutiert werden. Im Sudan wird ja bald eine Volksbefragung bezüglich der Abspaltung des Südens stattfinden. Da kann man gespannt sein, welche Folgen dies wieder haben wird.
Das trifft ja auf fast jedes Land südlich der Sahara zu. Derjenige, der das Militär auf seiner Seite hat, "gewinnt" die Wahl (oder verzichtet ganz auf sie). Der Rest bildet Rebellengruppen. In manchen afrikanischen Ländern gibt es so viele Rebellengruppen und "Freiheitskämpfer", dass man komplett den Überblick verliert. Verstärkt wird das ganze noch durch die Wirtschaftsinteressen der Industrieländer, die meist mit demjenigen Geschäfte machen, der die Interessenregion gerade kontrolliert. Die Teilung Sudans ist doch eher positiv zu sehen, da sie die ethnischen Gruppen trennen kann. Aus westlicher Sicht hat der islamische Teil allerdings das Potential zum Terrorstaat. Im Prinzip müsste man alle Territorialgrenzen in Afrika neu verhandeln, damit zumindest die am stärksten verfeindeten ethnischen Gruppen unter sich sind.
Medienkritiker 20.12.2010
5. ...
Zitat von HolzhausbauKomisch, dass die EU Herrn Gbagbo nicht haben will. Die EU ist doch genauso selbsternannt - und keinesfalls demokratisch legitimiert.
Die EU mit einem machtversessenen Despoten zu vergleichen ist schon ein starkes Stück!
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