Elfenbeinküste Frankreich evakuiert Diplomaten aus umkämpfter Stadt

Hilferuf aus den Botschaften in der umkämpften ivorischen Stadt Abidjan: Nach Angriffen von Gbagbos Truppen bitten mehrere Länder Frankreich, ihre Mitarbeiter zu evakuieren. Der abgewählte Präsident verschanzt sich weiterhin in seiner umzingelten Residenz.

Truppen des abgewählten Präsidenten Gbagbo: Angriff auf die japanische Botschaft
Reuters

Truppen des abgewählten Präsidenten Gbagbo: Angriff auf die japanische Botschaft


Paris/Abidjan - In der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan dauern die Kämpfe an. Am Donnerstagvormittag waren Schüsse und einige schwere Explosionen zu hören, berichten Anwohner und Korrespondenten. In der Nacht hatte die französische Einheit "Einhorn" die Residenz, in der sich der abgewählte Machthaber Laurent Gbagbo verschanzt, unter Beschuss genommen.

Doch bislang ohne Erfolg, denn Gbagbo gibt nicht auf: Der abgewählte Präsident und seine Milizen halten weiterhin in der umzingelten Residenz in Abidjan den Angriffen der Truppen des international anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara stand.

Unterdessen haben mehrere Botschafter in Abidjan Frankreich um Hilfe bei der Evakuierung ihrer Mitarbeiter gebeten, darunter Israel und Indien. Es habe "zahlreiche Anfragen" an Frankreich gegeben, sagte der französische Außenminister Alain Juppé. Viele Botschaften liegen im Regierungsviertel Plateau, wo sich auch die belagerte Residenz Gbagbos befindet.

So griff die französische Einheit auf Bitten der Uno und Japans in der Nacht ein, um den japanischen Botschafter und mehrere seiner Mitarbeiter zu retten, nachdem bewaffnete Gbagbo-Anhänger die Residenz des japanischen Botschafters angegriffen hatten. Die französischen Soldaten brachten den Botschafter und seine Mitarbeiter mit einem Hubschrauber in Sicherheit, die sich nach Angriff in einem Zimmer ihrer Botschaft verschanzt hatten. Ein Botschaftsmitarbeiter sei verletzt worden.

Hilfsorganisationen sind besorgt um die Kinder

Kurz darauf versuchten mutmaßliche Kämpfer von Gbagbo, auch die französische Botschaft zu stürmen, teilte Verteidigungsminister Gerard Longuet mit. Französische Hubschrauber hätten das Feuer auf die bewaffneten Angreifer eröffnet und dabei zwei Pick-Up-Trucks zerstört.

Krankenhäuser berichten, er gebe immer weniger Medikamente. Internationale Hilfsorganisationen sorgen sich in verstärktem Maße um die Kinder, die in den Wirren des Bürgerkriegs von ihren Familien getrennt wurden. Das Welternährungsprogramm (WFP) musste wegen der Unsicherheit seine Arbeit in Abidjan aussetzen. Die Uno und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) haben vor einer dramatischen Verschlechterung der Lebensverhältnisse in Abidjan gewarnt.

Seit Tagen attackieren Ouattara-Anhänger, die das westafrikanische Land weitgehend unter Kontrolle haben, ohne Erfolg die Residenz Gbagbos. Zuvor waren Vermittlungsgespräche über einen Rückzug von Gbagbo gescheitert. Die Verhandlungen waren von den Uno und der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich geführt worden.

In der Elfenbeinküste vollzieht sich seit der umstrittenen Präsidentenwahl im November ein blutiger Machtkampf zwischen Gbagbo und Ouattara. Seit dem Beginn einer militärischen Offensive der Ouattara-Truppen in der vergangenen Woche kamen mehrere hundert Menschen ums Leben.

lgr/dpa/AFP/Reuters

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team_gleichklang_de 07.04.2011
1. Evaluierung als Vorspiel zum Vernichtungsschlag?
Es ist zu befürchten, dass die Evakuierung der Botschaften ein weiterer Akt ist, um den Vernichtungsstaat gegen das Staatoberhaupt der Elfenbeinküste auszuführen. Ob dies Frankreich und die UN selbst tun oder unter Feuerschutz der für ihre Brutalität und Menschenverachtung bekannten Rebellen überlassen, ist zweitrangig. Mit brachilaer Gewalt soll durch externe Mächte ein Präsident ins Amt gezwungen werden, der seine Legitimation aus nicht keiner Weise fairen und transparenten Wahlen zeiht, wobei er in Rebellen kontrollierten Gebieten angeblich Zustimmungsraten von nahe 100% erzielte. Niemand, der Verstand hat und die Wahrheit sucht, glaubt diese Ergebnisse, aber das allgemeine Mantra des angeblich gewählten und des angeblich abgewählten Präsidenten dient propagandistisch, um einen illegitimen Militärschlag, der zur Ermordung des Staatsoberhauptes der Elfenbeinküste führen könnte, zu rechtfertigen.
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