Elfenbeinküste Frankreich und Uno schießen auf Präsidentenpalast

Rauch steigt über der Residenz auf, in der sich der abgewählte ivorische Präsident Laurent Gbagbo verschanzt hat. Kampfhubschrauber der Uno und Frankreichs haben das Haus und einen Palast in Abidjan unter Beschuss genommen - mit dem Ziel "schwere Waffen zu neutralisieren".

Uno-Fahrzeug im Norden von Abidjan: Schüsse aus Helikoptern auf Gbagbos Residenz
REUTERS

Uno-Fahrzeug im Norden von Abidjan: Schüsse aus Helikoptern auf Gbagbos Residenz


Abidjan - Angriff per Helikopter: In der ivorischen Metropole Abidjan haben am Sonntag französische und Uno-Hubschrauber das Gelände eines Palastes des langjährigen Staatschefs Laurent Gbagbo und die Gegend um seine Residenz beschossen.

Zwei Bewohner aus nahegelegenen Stadtvierteln berichteten, sie hätten gesehen, wie zwei Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 und ein französischer Helikopter das Feuer auf die Residenz eröffnet hätten, in deren Bunker sich Gbagbo verschanzt hat. Ein Bewohner sagte, er habe Rauch über dem Komplex aufsteigen sehen.

Ein Sprecher der Uno-Mission (UNOCI) bestätigte Angriffe auf die Umgebung des Palastes im Viertel Plateau und die Residenz in Cocody sowie auf mehrere Militärlager. Damit sollten schwere Waffen des Gbagbo-Lagers "neutralisiert" werden, sagte der Sprecher. Die Helikopter hätten gepanzerte Fahrzeuge auf dem Gelände des Präsidentenpalastes im Zentrum der Stadt sowie vor Gbagbos Residenz im Norden beschossen, hieß es.

Zuvor hatte Gbagbo die Belagerung seiner Residenz durchbrochen. Nach Angaben eines Sprechers der Uno-Mission beschossen seine Truppen auch das Hotel, in dem der von der internationalen Gemeinschaft anerkannte Wahlsieger Alassane Ouattara sein Hauptquartier hat. Das Hotel, in dem sich auch Uno-Büros befinden, sei am Samstagnachmittag aus der Gegend von Gbagbos Residenz mit schweren Waffen angegriffen worden. Gbagbo wird nach Informationen des französischen Rundfunksenders Europe 1 von angolanischen Elite-Soldaten unterstützt.

Lebensmittelknappheit: Hilfsorganisationen sind besorgt

Ouattaras Republikanische Truppen (FRCI) hatten in der vergangenen Woche große Teile Abidjans unter ihre Kontrolle gebracht und Gbagbo in dessen Residenz umzingelt. Die Hoffnung, dass der seit Ende November andauernde blutige Machtkonflikt damit ein Ende finden würde, erfüllte sich jedoch nicht. Auch Gbagbos Fernsehsender RTI war in Teilen Abidjans wieder auf Sendung. In den Programmen wurde zum Widerstand gegen die Ouattara-Truppen aufgerufen.

Kampfhubschrauber der Uno und Frankreichs hatten am vergangenen Montag erstmals direkt in die Kämpfe in Abidjan eingegriffen. Neben dem Palast und der Residenz Gbagbos attackierten sie auch zwei Militärlager seiner Truppen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon verteidigte die Angriffe mit dem Schutz der Zivilbevölkerung. Neben den 10.000 Uno-Soldaten befindet sich seit 2002 auch eine Truppe unter französischem Kommando in dem Land. Die "Einhorn" genannte Mission soll französische Staatsbürger schützen und die Uno-Truppen unterstützen. Sie umfasst derzeit rund 1650 Mann.

Gbagbo und Ouattara liefern sich seit Monaten einen erbitterten Kampf um die Macht in der Elfenbeinküste. Die andauernden Kämpfe, Lebensmittelknappheit und Ausgangssperren verschärften die Not der etwa vier Millionen in Abidjan noch verbliebenen Einwohner. Hilfsorganisationen haben wegen der angespannten Sicherheitslage kaum Zugang zu den Menschen.

lgr/AP/AFP/dpa

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Seite 1
lbm1958, 10.04.2011
1. Das ist das gleiche
Zitat von sysopRauch steigt über der Residenz auf, in der sich der abgewählte ivorische Präsident Laurent Gbagbo verschanzt hat. Kampfhubschrauber der Uno und Frankreichs haben das Haus und einen Palast in Abidjan unter Beschuss genommen - mit dem Ziel "schwere Waffen zu neutralisieren". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,756146,00.html
Die neue alte Kolonialmacht mit einer UN im Schlepptau. Das sich der Herr Ban Ki Mon nicht schämt, für jede Schweinerei die passende Erklärung nachträglich zu liefern. Angola steht unter dem Protektorat der Chinesen. Ich denke der große Drache wird jetzt dem gallischen Hahn die Federn stutzen.
IQ143 11.04.2011
2. Aggressor UNO
Die UNO entpuppt sich jetzt endgültig als das, was die USA mit der von ihr ins Leben gerufenen Organisation schon immer vorhatte: als Hilfsorganisation der USA zur Erlangung der Weltherrschaft im Sinne der Neuen Weltordnung. Es ist eine Schande, dass sich die übrige Welt nicht erhebt, um dem brutalen Angriffskrieg der UNO und Frankreichs gegen ein souveränes Land wie die Elfenbeinküste zu stoppen. Es ist fast das Gleiche wie in Libyen. Nur übernimmt dort eine weitere Hilfsorganisation der USA, die NATO, die miese Rolle der UNO. Ein maßgeblicher Initiator für den Angriff auf die Elfenbeinküste dürfte die Kakaoindustrie sein, die durch die politische Entwicklung in der Elfenbeinküste ihren ökonomischen Einfluss bedroht sieht.
bleifuß 11.04.2011
3. ...
Es ist eine riesen große Sauerei, was sich der Franzose und Uno dort leistet. Die Wahl war Betrug, die sollte mit neutralen Wahlhelfern und unter strengsten Sicherheitsauflagen neu durchgeführt werden.
hubert_hummel 11.04.2011
4. Der Drache schläft noch
Zitat von lbm1958Die neue alte Kolonialmacht mit einer UN im Schlepptau. Das sich der Herr Ban Ki Mon nicht schämt, für jede Schweinerei die passende Erklärung nachträglich zu liefern. Angola steht unter dem Protektorat der Chinesen. Ich denke der große Drache wird jetzt dem gallischen Hahn die Federn stutzen.
Das wird er nicht, weil das erstens keine chinesischen Soldaten sind (und dafür gibt es gute Gründe!) und zweitens haben die angolanischen Soldaten auch nichts in der Elfenbeinküste zu suchen. Aber anscheinend verwandelt sich die UNO in sowas wie den Völkerbund zurück, der aktiv Kriege führt. Das ist nicht sehr verwunderlich, nachdem sich die USA-geführte Nato in sowas wie die Achsenmächte zurückverwandelt hat, die unter fadenscheinigen Vorwänden andere Länder überfallen, um sie zu "befreien". Kein Wunder, dass sich immer mehr Europäer für das friedliche China interessieren, und wenn man die westliche Propaganda ausblendet, ist das Leben dort auch nicht schlechter als hier.
seine-et-marnais 11.04.2011
5. Fouquet's
Zitat von sysopRauch steigt über der Residenz auf, in der sich der abgewählte ivorische Präsident Laurent Gbagbo verschanzt hat. Kampfhubschrauber der Uno und Frankreichs haben das Haus und einen Palast in Abidjan unter Beschuss genommen - mit dem Ziel "schwere Waffen zu neutralisieren". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,756146,00.html
"Licorne" oder "Einhorn", hat den Hafen von Abidjan besetzt, das konnte man gestern abend im TV sehen, damit der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Und wem gehoert der Hafen? Richtig, Bolloré einem der beim beruehmten Diner bei Fouquet's teilgenommen hat. Es ist, gelinde gesagt, eine Riesenschweinerei wie hier unverholen Militaer eingesetzt wird um wirtschaftliche Interessen durchzuboxen.
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