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06. April 2011, 12:22 Uhr

Elfenbeinküste

Französische Soldaten attackieren Gbagbos Bunker

Laurent Gbagbo soll zum Rückzug gezwungen werden: Französische Soldaten haben die Residenz des abgewählten Präsidenten der Elfenbeinküste angegriffen - der Despot hat sich in einem Bunker verschanzt.

Paris/Abidjan - Frankreich hat seine Drohung schnell wahrgemacht und in der Elfenbeinküste die Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo angegriffen - dort soll sich der Machthaber in einer Bunkeranlage verschanzt haben.

Nahe des Präsidentenpalastes in Abidjan waren am Mittwoch erneut Schüsse zu hören. "Wir werden ihn aus seiner Residenz herausholen", sagte ein Truppensprecher des gewählten Präsidenten Alassane Ouattara. Der Präsidentenpalast ist von Ouattaras Einheiten umzingelt. Ouattara ist international als Staatschef anerkannt. Gbagbo weigert sich seit Ende November, die Macht zu übergeben.

Kurz zuvor hatte Frankreichs Außenminister Alain Juppé weitere Militärschläge gegen den vor Monaten abgewählten Präsidenten angekündigt. Es gehe darum, dass "Gbagbo die Realität akzeptiert", sagte Juppé dem Radiosender France Info. Am Mittwoch waren offenbar Verhandlungen über eine Aufgabe Gbagbos und seinen Gang ins Exil gescheitert.

Gescheiterte Verhandlungen

Gbagbo scheint isoliert: Nachdem die Spitzen von Armee, Polizei und Präsidentengarde am Dienstag eine Einstellung der Kämpfe angeordnet hatten, kann er sich nur noch auf eine kleine Gruppe loyaler Milizen stützen.

Er macht die Franzosen als neue Feinde aus: Es sei unglaublich, dass das Schicksal eines Landes bei "einer Pokerpartie ausländischer Mächte" ausgetragen würde, sagte Gbagbo dem französischen Nachrichtensender LCI. Er habe für Verhandlungen gebetet. Die ausländischen Mächte im Lande würden das Kräfteverhältnis jedoch zugunsten von Ouattara verschieben, so dass der Verhandlungen ablehne. Er selbst hänge am Leben und sei kein Märtyrer. "Doch wenn der Tod da ist, dann ist er da", meinte er auf die Frage, ob er nun über den Tod nachdenke.

Der französische Admiral Edouard Guillaud sagte dem Sender "Europe 1", neue Einsätze im Auftrag der Uno seien möglich. Seiner Einschätzung nach sei das Ende der Ära Gbagbo nur noch "eine Frage von Stunden". Frankreichs Außenminister Juppé kritisierte die Rücktrittsweigerung Gbagbos scharf: "Diese Starrköpfigkeit ist absurd. Gbagbo hat keinerlei Perspektive mehr. Alle Welt hat ihn fallen gelassen". Der Präsident könne nur noch über Bedingungen für den Rücktritt verhandeln. Frankreich habe die Vereinten Nationen aufgefordert, Gbagbo und seiner Familie körperliche Unversehrtheit zuzusichern.

Die Europäische Union hat am Mittwoch weitere Sanktionen gegen die Elfenbeinküste verabredet. Man werde den Kauf von Anleihen und Sicherheiten des Staates und die Bereitstellung von Krediten für die illegitime Regierung Gbagbos verbieten, hieß es in einer Erklärung des Europäischen Rats. Die Embargo-Regelung soll aber Ausnahmen bei Geldmitteln für humanitäre Zwecke zulassen.

Der gewählte Präsident Ouattara wird seit Montagnachmittag von Einheiten der Uno und von französischen Streitkräften unterstützt, die vor allem zum Schutz der Zivilbevölkerung eingreifen. Seit Tagen liefern sich Truppen von Gbagbo und Outtara blutige Gefechte.

hen/sef/AFP/dapd/dpa

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