Elfenbeinküste Heftige Kämpfe in Wirtschaftsmetropole Abidjan

Der blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste steht offenbar vor der Entscheidung: Anhänger von Präsident Ouattara sind in Abidjan gegen verbliebene Truppen des Rivalen Gbagbo vorgerückt. Es soll zu schweren Kämpfen in der Nähe des Präsidentenpalastes gekommen sein.

Gbagbo-Kämpfer in Abidjan: Gefechte in der Wirtschaftsmetropole
AFP

Gbagbo-Kämpfer in Abidjan: Gefechte in der Wirtschaftsmetropole


Abidjan - Monatelang währte in der Elfenbeinküste der blutige Machtkampf zwischen Anhängern des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara und seinem abgewählten Gegner Laurent Gbagbo - jetzt hat sich die Lage in dem Land weiter zugespitzt: Dabei gerät Gbagbo offenbar immer weiter unter Druck.

Bewaffnete Anhänger von Ouattara rückten in der Nacht zum Freitag gegen verbliebene Truppen des Rivalen Gbagbo in der Wirtschaftsmetropole Abidjan vor, wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP und Einwohner berichteten. Beim Präsidentenpalast und bei der Residenz Gbagbos wurde demnach heftig gekämpft.

Die Aufständischen wollen den im vergangenen November abgewählten Machthaber Gbagbo zum Amtsverzicht zwingen. Bereits am Mittwoch hatten sie die Hauptstadt Yamoussoukro eingenommen. Mittlerweile sollen die Anhänger Ouattaras etwa 80 Prozent des Landes kontrollieren.

Uno-Soldaten schützen den Flughafen

Abidjan werde an mehreren Fronten und aus verschiedenen Richtungen angegriffen, sagte ein Berater der Ouattara-Kämpfer. In einem bereits eroberten nördlichen Stadtteil von Abidjan seien Gefängnisse angegriffen und die Insassen befreit worden. Kämpfer Ouattaras marschierten auch in den Stadtteil Yopougon ein, in dem viele Anhänger Gbagbos leben. Die Rebellen trennte nur noch eine Lagune von Gbagbos Präsidentenpalast, der von allen Seiten von Wasser umgeben ist.

Die Rebellentruppen rückten entlang einer Hauptstraße des Viertels vor und errichteten Straßensperren. Seit Donnerstagmorgen lieferten sie sich laut Zeugenaussagen Feuergefechte mit Polizisten.

Uno-Blauhelmsoldaten würden den Flughafen von Abidjan schützen, sagte ein Sprecher der Uno-Friedensmission in New York. Einheiten von Gbagbos Truppen hätten die Uno-Soldaten bereits gebeten, ihren Rückzug zu sichern.

US-Regierung warnt Gbagbo

In einer Ansprache in seinem privaten Fernsehsender forderte Ouattara die Anhänger seines Konkurrenten auf zu desertieren. "Meine Kämpfer sind gekommen, um die Demokratie wiederherzustellen", sagte Ouattara. "An alle die noch zögern, ob General, Offizier oder einfacher Soldat: Es ist noch Zeit, um euch euren Waffenbrüdern anzuschließen."

Nach Angaben von Choi Young Jin, Leiter der Uno-Mission in der Elfenbeinküste, sind bereits 50.000 Soldaten und Polizisten desertiert. "Nur die Republikanische Garde und die Spezialeinheiten sind noch loyal", sagte Choi.

Ouattara hat inzwischen die Schließung der Landesgrenzen angeordnet. Die Grenzen seien zu Lande, zu Wasser und in der Luft bis auf weiteres geschlossen, hieß es in einer Erklärung des Innenministeriums am Donnerstag. Das bislang dem amtierenden Präsidenten Gbagbo loyale Staatsfernsehen war am Donnerstagabend nach stundenlangen Gefechten vor dem Sitz des Senders in der Metropole Abidjan nicht mehr zu empfangen, wie mehrere Bewohner der Stadt berichteten. Der Grund der Programmunterbrechung blieb jedoch zunächst unklar.

Die US-Regierung warnte Gbagbo vor den Konsequenzen seiner Uneinsichtigkeit. Gbagbo werde für alles, was in Abidjan geschehe, zur Rechenschaft gezogen, wenn er nicht zurücktrete. Noch habe er die Gelegenheit dazu, sagte der Abteilungsleiter für Afrika im US-Außenamt, Johnnie Carson. Auch die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) forderte bei ihrem Gipfel in Sambia Gbagbo zum Rücktritt und zur Anerkennung des Wahlergebnisses auf.

Bei den Unruhen in der Elfenbeinküste ist auch eine schwedische Uno-Mitarbeiterin getötet worden. Das teilte Außenminister Carl Bildt am Freitag im Stockholmer Reichstag mit. Die 30-Jährige sei am Vortag vermutlich versehentlich bei einer Schießerei in Abidjan getroffen worden, hieß es weiter.

hen/dpa/Reuters/AFP/dapd



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Koana 01.04.2011
1. Hilfe für Afrika!!!
Zitat von sysopDer blutige Machtkampf in der Elfenbeinküste steht offenbar vor der Entscheidung: Anhänger von Präsident Ouattara sind in Abidjan gegen verbliebene Truppen des Rivalen Gbagbo vorgerückt. Es soll zu schweren Kämpfen in der Nähe des Präsidentenpalastes gekommen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754418,00.html
Früher war es der kalte Krieg, jetzt ist es die Rivalität von Konzernen und Investorengruppen sowie das Wettrennen der Schwellenländer gegen die etablierten Wirtschaftsmächte, welche verhindern, dass Afrika endlich die Chance bekommt sich auf ein friedliches und nachhaltiges Wirken zum Wohle des eigenen Kontinents und seiner Zukunft besinnen zu können. Fair Trade, gezielte Spenden (z.B. Patenschaften für Dorfgemeinschaften) und bewußter Konsum helfen auch Afrika!
firstart 01.04.2011
2. Seltsam
Zitat von KoanaFrüher war es der kalte Krieg, jetzt ist es die Rivalität von Konzernen und Investorengruppen sowie das Wettrennen der Schwellenländer gegen die etablierten Wirtschaftsmächte, welche verhindern, dass Afrika endlich die Chance bekommt sich auf ein friedliches und nachhaltiges Wirken zum Wohle des eigenen Kontinents und seiner Zukunft besinnen zu können. Fair Trade, gezielte Spenden (z.B. Patenschaften für Dorfgemeinschaften) und bewußter Konsum helfen auch Afrika!
wo ist hier die UNO und die NATO?
atzigen 01.04.2011
3. Bomber
Und wo sind jetzt die Bomber wo die Luftangriffe zugunsten des Legitimen gewählten Präsidenten. Da zeigt es sich unübersehbar,Kriegshatz begründet sich nicht nur mit dem Argument Menschenrechte. Vor den Menschenrechten stehen mit großem Abstand Wirtschafs und Ideologische Beweggründe.
JensDD 01.04.2011
4. ...
Zitat von atzigenUnd wo sind jetzt die Bomber wo die Luftangriffe zugunsten des Legitimen gewählten Präsidenten. Da zeigt es sich unübersehbar,Kriegshatz begründet sich nicht nur mit dem Argument Menschenrechte. Vor den Menschenrechten stehen mit großem Abstand Wirtschafs und Ideologische Beweggründe.
Tja Kakao ist eben nicht sooooo lebensnotwendig wie Öl und Nestle und Kraft nicht so mächtig wie Shell und Co.
Centurio X 01.04.2011
5. Das eigentliche Problem Afrikas ist...
Zitat von KoanaFrüher war es der kalte Krieg, jetzt ist es die Rivalität von Konzernen und Investorengruppen sowie das Wettrennen der Schwellenländer gegen die etablierten Wirtschaftsmächte, welche verhindern, dass Afrika endlich die Chance bekommt sich auf ein friedliches und nachhaltiges Wirken zum Wohle des eigenen Kontinents und seiner Zukunft besinnen zu können. Fair Trade, gezielte Spenden (z.B. Patenschaften für Dorfgemeinschaften) und bewußter Konsum helfen auch Afrika!
...,daß von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen die jeweiligen Regierenden ihr großes Vorbild im König Ludwidg dem Vierzehnten aus Frankreich sehen und ihm so gut wie irgewie möglich nacheifern. Die Korruption der Machthaber flankiert von einer weiterhin ungebremsten Bevölkerungsexplosion verhindert eine nachhaltige Entwicklung zum Besseren in Afrika. Da können Sie noch so fair traden, spenden, fasten, Psalmen singen, Lichterketten bilden und Schweigemärsche veranstalten, so lange dort die panafrikanische egomanische Kleptokratie das Sagen hat, wird die Masse der Afrikaner darben.
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