Elfenbeinküste Hetzjagd auf französische Bürger

Die Lage in der Elfenbeinküste eskaliert. Nachdem Frankreich die Luftwaffe der ivorischen Regierung zerstört hat, richtet sich die Wut des Mobs gegen französische Einrichtungen und Staatsbürger. Schulen wurden in Brand gesteckt, in Wohnvierteln machen Bewaffnete Jagd auf dort lebende Franzosen.


Regierungstruppen in der Elfenbeinküste: Auf Kriegsfuß mit französischen Blauhelmen
REUTERS

Regierungstruppen in der Elfenbeinküste: Auf Kriegsfuß mit französischen Blauhelmen

Abidjan - Die Lage in dem westafrikanischen Land spitzte sich am Wochenende dramatisch zu. Als Reaktion auf einen Angriff von Regierungstruppen auf französische Blauhelme, bei dem mindestens neun Soldaten starben und 30 weitere verletzt wurden, befahl Paris die Luftwaffe von Präsident Laurent Gbagbo zu zerstören. Sämtliche Kampfjets und Hubschrauber sind nicht mehr einsatzfähig. Frankreich besetzte zudem den Flughafen in der Wirtschaftsmetropole Abidjan und entsandte rund 600 zusätzliche Soldaten.

Angestachelt von den nationalistischen Regierungsparteien bewaffneten sich daraufhin mehrere tausend Einwohner der Wirtschaftsmetropole Abidschan mit Macheten, Äxten und Knüppeln. Sie brannten französische Schulen nieder und versuchten, die Kaserne der französischen Truppen zu stürmen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachtete, wie eine Gruppe Bewaffneter in einem Wohnviertel nahe dem französischen Stützpunkt nach dort lebenden Franzosen suchte. Am Nachmittag landete ein französischer Militärhubschrauber auf dem Dach eines Hotels in Abidjan, um rund ein Dutzend Zivilpersonen in Sicherheit zu bringen.

Die französischen Streitkräfte setzten Schockgranaten ein, um die Menge unter Kontrolle zu halten, wie Militärsprecher Henry Aussavy mitteilte. Soldaten gaben Warnschüsse ab. Bei den Zusammenstößen wurden mehrere Menschen getötet; Parlamentspräsident Mamadou Coulibaly sprach von mehr als 30 Toten. Das Rote Kreuz berichtete zudem von rund 150 Verletzten. Auch in der Hauptstadt Yamoussoukro wurde der französische Stützpunkt von aufgebrachten Einwohnern belagert.

Anhänger von Präsident Laurent Gbagbo brandschatzen französisches Eigentum
AFP

Anhänger von Präsident Laurent Gbagbo brandschatzen französisches Eigentum

Nach der Entsendung einer 660 Mann weiterer Soldaten aus Gabun in die Elfenbeinküste hat Frankreich versichert, die Regierung des Landes nicht destabilisieren zu wollen. "Beruhigen wir uns alle wieder. Frankreich will einzig und allein den Frieden sichern", sagte Außenminister Michel Barnier nach Angaben seines Amtes. "Auf keinen Fall will Frankreich die Elfenbeinküste und seine Institutionen destabilisieren oder Partei ergreifen." Die französischen Soldaten sollen die rund 150.000 dort lebenden Landsleute in der ehemaligen Kolonie vor Unruhen schützen.

Von Seiten der ivorischen Regierung gab es widersprüchliche Signale. Parlamentspräsident Coulibaly erklärte im Staatsfernsehen, Präsident Gbagbo sei offen für Verhandlungen. "Lasst uns das Feuer einstellen und reden", sagte er. Der Krieg gegen die Rebellen im Norden sei gewonnen worden und die Regierungstruppen würden sich von der Front zurückziehen. In einem Interview des Rundfunksenders France Inter hatte Coulibaly aber zuvor noch den "Abzug der Besatzungsarmee" gefordert.

Französischer Gegenschlag: Zerstörte Hubschrauber der Regierungstruppen
REUTERS

Französischer Gegenschlag: Zerstörte Hubschrauber der Regierungstruppen

Präsidentensprecher Désiré Tagro kündigte die Anrufung des Weltsicherheitsrates an. Die Elfenbeinküste werde "die ganze Welt darüber informieren", dass Frankreich sie angegriffen habe.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen betonte hingegen, dass die französischen Truppen autorisiert seien, alle erforderlichen Mittel zur Aufrechterhaltung des Friedens einzusetzen. Die Regierung der Elfenbeinküste wurde aufgerufen, alle militärischen Aktionen einzustellen.

Auch die Europäische Union forderte ein sofortiges Ende der Militäraktionen. Der Luftangriff vom Samstag sei "unentschuldbar", erklärte EU-Chefdiplomat Javier Solana in Brüssel. Die Afrikanische Union (AU) kündigte die Entsendung des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki als Vermittler an.

Die Elfenbeinküste ist seit einem Putschversuch im September 2002 de facto geteilt. Im Norden herrschen die Rebellen, die Regierung hat nur noch den Süden unter Kontrolle. Das Friedensabkommen von 2003 scheiterte, eine Allparteienregierung kam nicht zu Stande.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat seine Reisehinweise aktualisiert. "Vor Reisen in die Côte d'Ivoire wird dringend gewarnt", heißt es in dem in Berlin veröffentlichten Hinweis.



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