Soldatenaufstand in der Elfenbeinküste Meuterer und Regierung legen Konflikt bei

Sie besetzten ganze Städte und nahmen den Verteidigungsminister fest, um gegen ausbleibenden Sold zu protestieren: Nun haben Soldaten in der Elfenbeinküste ihre Meuterei beendet und sich mit der Regierung geeinigt.

General Sekou Toure (Mitte) und der neue Oberkommandierende der ivorische Armee (2. von rechts) bei ihrer Ankunft in Bouaké
AFP

General Sekou Toure (Mitte) und der neue Oberkommandierende der ivorische Armee (2. von rechts) bei ihrer Ankunft in Bouaké


Eine Woche nach Beginn einer Truppenmeuterei hat sich die Regierung der Elfenbeinküste mit den unzufriedenen Soldaten geeinigt. "Alle Probleme mit den Meuterern wurden gelöst", sagte Verteidigungsminister Alain-Richard Donwahi, allerdings ohne Details zu nennen. Brahima Kane, ein an den Verhandlungen beteiligter Soldat, sagte: "Viele Sorgen, die niemals angesprochen worden waren, wurden von der Regierung nun berücksichtigt."

Vor einer Woche hatten unzufriedene Soldaten in mehreren Städten des westafrikanischen Landes Straßensperren errichtet und teilweise die Kontrolle an sich gerissen. Die Soldaten verlangten bessere Arbeitsbedingungen und mehr Sold. Außerdem sollen ihnen Bonuszahlungen versprochen, dann aber nicht gezahlt worden sein.

In der zweitgrößten Stadt des Landes, Bouaké, hatte der Aufstand begonnen und war schnell auf andere Städte übergesprungen. Als die Soldaten auch noch den Verteidigungsminister für kurze Zeit in ihre Gewalt brachten, wurde schon ein möglicher Militärputsch befürchtet. Tote oder Verletzte gab es nicht.

Die Meuterei endete, als die Regierung von Präsident Alassane Ouattara ihre Kernforderungen akzeptierte. Zu Wochenbeginn hatte die Regierung die Chefs der Sicherheitskräfte entlassen. Den Soldaten wurden Berichten zufolge Prämien und Sold-Nachzahlungen zugesagt. Das Geld soll schrittweise über mehrere Monate ausgezahlt werden.

Die Elfenbeinküste legte 2011 einen fast zehn Jahre dauernden Bürgerkrieg bei, an dessen Ende der bis heute amtierende Staatschef Alassane Ouattara von Laurent Gbagbo die Macht übernahm. Zuvor hatte sich Gbagbo geweigert, den Wahlsieg Ouattaras anzuerkennen. Bei monatelangen Unruhen kamen in der Folge 3000 Menschen ums Leben.

Gbagbo muss sich derzeit vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Zum Prozessbeginn im Januar 2016 plädierte Gbagbo auf unschuldig. Weil er dort im Gefängnis sitzt, hatten Teile von Gbagbos Partei FPI 2015 die Wahl boykottiert. Ouattara wurde dabei mit 83 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

cht/dpa

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