Elfenbeinküste Milizen erschießen sieben protestierende Frauen

Sie demonstrierten für Oppositionsführer Ouattara - und wurden auf offener Straße ermordet: Sieben Frauen sind in der Elfenbeinküste erschossen worden. Sicherheitskräfte eröffneten aus Autos das Feuer. Die Demonstrantinnen waren Augenzeugen zufolge unbewaffnet.

Wütender Protest am Anschlagsort: "Sie feuerten noch, als die Frauen am Boden lagen"
AFP

Wütender Protest am Anschlagsort: "Sie feuerten noch, als die Frauen am Boden lagen"


Abidjan - Die Elfenbeinküste ist erneut von Gewalt erschüttert worden. Sicherheitskräfte haben mindestens sieben Teilnehmerinnen einer Demonstration für Oppositionsführer Alassane Ouattara erschossen. Die Frauen hätten sich an einer Straßenkreuzung in der Hafenstadt Abidjan versammelt, als uniformierte Männer aus Fahrzeugen das Feuer auf sie eröffneten, berichteten Augenzeugen.

"Die Frauen sangen und hielten die Hände in die Höhe, um zu zeigen, dass sie keine Waffen trugen", sagte ein Mann, der das Geschehen beobachtete. "Die Sicherheitskräfte feuerten ohne Vorwarnung und schossen selbst dann noch weiter, als die Frauen am Boden lagen oder zu fliehen versuchten." Anwohner, die sich in ihren Wohnungen vor den Schüssen versteckt hatten, kamen auf die Straße, um den Verletzten zu helfen.

Sechs Frauen seien sofort ums Leben gekommen, eine weitere im Krankenhaus gestorben. In Militärkreisen wurde von einem bedauernswerten Unfall gesprochen.

Bereits in der vergangenen Woche war das Viertel in Abidjan Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Anhängern Ouattaras und dem früheren Präsidenten Laurent Gbagbo. Die Gegend ist mittlerweile fast komplett verwaist. 200.000 Bewohner hätten das Viertel verlassen, berichteten die Vereinten Nationen. Die USA verurteilten Gbagbo nach dem Angriff auf die Frauen als "moralisch bankrott".

Drohender Bürgerkrieg

Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen sind nach Uno-Angaben seit Donnerstag vergangener Woche 50 Menschen getötet worden. Allein 26 Zivilisten seien in einem umkämpften Viertel der Wirtschaftsmetropole Abidjan ums Leben gekommen, sagte der Vize-Direktor der Uno-Mission in der Elfenbeinküste, Guillaume Ngefa. Die Vereinten Nationen warnen angesichts der eskalierenden Gewalt vor einem Rückfall in den Bürgerkrieg.

Gbagbo kann sich auch deshalb an der Macht halten, weil ihm die Sicherheitskräfte in großen Teilen weiter Gefolgschaft leisten. Die internationale Gemeinschaft erkennt hingegen seinen Konkurrenten Ouattara als Wahlsieger an und versucht, den Präsidenten mit Sanktionen zu treffen. Die Wahlkommission hatte Ouattara zum Sieger der seit fünf Jahren überfälligen Wahlen erklärt. Der Leiter des Verfassungsgerichts, ein Parteifreund Gbagbos, annullierte die Wahl jedoch und sprach Gbagbo den Sieg zu.

Internationale Vermittlungsversuche blieben bisher erfolglos. Beide Politiker haben eine Regierung ernannt, die jedoch auf keiner Seite richtig arbeiten kann. Die Wirtschaft ist gelähmt. Die Verschärfung der Krise, die das westafrikanische Land an den Rand eines Bürgerkrieges gebracht hat, trieb den Kakaopreis auf ein 32-Jahres-Hoch.

kgp/dpa/Reuters



insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
c++ 03.03.2011
1. .
Milizen erschießen sieben unbewaffnete Frauen. Wow, das sind aber tapfere Männer.
chrima 03.03.2011
2. Hätte es 10 Männer erwischt
wäre es keine Nachricht wert gewesen.
sir.viver 03.03.2011
3. Ok?
Zitat von c++Milizen erschießen sieben unbewaffnete Frauen. Wow, das sind aber tapfere Männer.
das ist deren Job. Die schlafen heute nacht auch ruhig. In Afrika ticken die Uhren anders und ein Menschenleben ist nichts wert. Und nun? Soll die NATO dort auch eingreifen wenn sie in Lybien fertig sind? Die Bilder sind immer die gleichen, nur die Orte aendern sich.
DrStrom66 04.03.2011
4. Welches
Zitat von sir.viverdas ist deren Job. Die schlafen heute nacht auch ruhig. In Afrika ticken die Uhren anders und ein Menschenleben ist nichts wert. Und nun? Soll die NATO dort auch eingreifen wenn sie in Lybien fertig sind? Die Bilder sind immer die gleichen, nur die Orte aendern sich.
Militär ist anders ? In Kundus war es die Bundeswehr und auf anderen Schauplätzen die US Streitkräfte. Es werden im Krieg immer Unschuldige getötet. Manchmal aus Willkür, Manchmal aus Unvermögen...Deswegen garnicht erst zu bewaffneten Auseinandersetzungen kommen lassen.
zurück-spiegel 04.03.2011
5. an einer Kreuzung...
"...an einer Kreuzung in Abidjan?" Ich hätte es gerne etwas genauer! Bisher konnten die Berichte ja immerhin noch mitteilen, ob in Abobo oder Koumassi oder wo etwas passiert ist! Dieser Artikel ist von vorne bis hinten ungenau, das klingt nach Hörensagen-Meldung, aber nicht nach sauberer Recherche! In welchem Krankenhaus verstarb das siebte Opfer? Bei dieser Art von Berichterstattung hat man keine Chance irgend etwas auf Glaubwürdigkeit zu prüfen. Nach der UNO-Lüge mit den Helikoptern aus Weißrussland will ich aber nicht mehr jede Meldung "einfach mal so" abnehmen. @sir.viver: Sie schreiben: "In Afrika (...) ein Menschenleben ist nichts wert." Wenn der Wikileaks-Informant Mannings in den USA mit der Todesstrafe bedroht wird, weil er ein Video der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, das zeigt wieviel den Amerikanern ein Menschenleben wert ist - ist das etwas anderes? Warum die Betonung auf Afrika? (klingt da unterschwellig ein kleiner versteckter Rassismus an?) Im Krieg und bei bewaffneten Konflikten sind Menschenleben leider IMMER wenig wert! und leider WELTWEIT! Da heben WIR (wer auch immer das sein mag) uns nicht (positiv) von den Afrikanern ab!
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